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Politik

Kalter Kirchen-Krieg

Alexei II ist wie besessen. Er sieht in seinen katholischen Brüdern böse Missionare. Denen droht der Patriarch sogar mit Landesverweis, wie DW-TV-Korrepondent Christoph Wanner weiß.

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Das erste prominente Opfer ist der Bischof von Ostsibirien. Jerzy Mazur wurde vor ein paar Wochen schlicht die Einreise nach Russland verwehrt. Ohne Begründung. Aus dem polnischen Exil predigt Mazur jetzt über Telephon zu seiner russischen Gemeinde. Über Lautsprecher werden die Worte des Bischofs in die Bistumskirche von Irkutsk übertragen. Zu einem ähnlichen Trick musste unlängst sogar der Papst greifen. Nur per Fernsehbrücke konnte Johannes Paul II zur katholischen Gemeinde in Moskau sprechen.

Orthodoxer Zirkus mit Eigentoren

Insgesamt gibt es rund eine Millionen Katholiken in Russland. Im Vergleich zur Größe des Landes eine verschwindend kleine Zahl. Um so grotesker wirkt der Zirkus, den Alexei und seine Gefolgschaft aufführen. Besuchsverbot und Landesverweis sind aber noch nicht alles. Die russisch orthodoxe Kirche hat noch mehr in ihrem Anti-Vatikan-Repertoire. Groß-Demos gegen Katholiken oder Baustopps für deren Kirchen, zum Beispiel.

Im Eifer des Gefechts merkt der orthodoxe Patriarch nicht, daß er ein Eigentor nach dem anderen schießt. Seine Gehässigkeit bringt die katholische Gemeinde Russlands in ein nie da gewesenes Rampenlicht. Außerdem geht das Dauer-Hickhack auch Präsident Putin schon auf die Nerven. Zum orthodoxen Osterfest fordert Putin Alexei II auf, seine Bemühungen um einen zivilisierten Dialog mit anderen Konfessionen fortzuführen. Eine klare Anweisung, auf Landesverweise und andere Lächerlichkeiten zu verzichten.