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Kultur

Kalt und heiß – ohne Feuer und Eis

Die Thermoskanne feiert ihren 100. Geburtstag. Warum die Thermoskanne jetzt Isolierflasche heißt? Und wieso der Erfinder fast leer ausging? Das Museumsdorf Glashütte gibt Auskunft.

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"Die Erfindung war reiner Zufall", erzählt Georg Goes

"Thermos hält kalt und heiß - ohne Feuer und Eis." Kurz und bündig fasst dieser Werbeslogan aus dem Jahr 1907 zusammen, was das Bahnbrechende an einer damals vier Jahre alten Erfindung ist: Ein einziges Behältnis kann sowohl Wärme als auch Kälte speichern und ist damit - laut Werbeanzeige - "für jeden Kulturmenschen unentbehrlich".

Warenzeichen: Thermos

100 Jahre Thermoskanne Reinhold Burger

Reinhold Burger

Erfunden hat die Kalt- und Warmhalteflasche für den Haushalt 1903 der Glasinstrumentenbauer Reinhold Burger. Am 1. Oktober meldet er seine Erfindung zum Patent an und lässt sie unter dem Warenzeichen "Thermos" eintragen. In ihrem 100. Jahr kann die Thermoskanne auf eine erfolgreiche Geschichte zurückblicken: Sie ist geradezu ein Muss für jeden Hausstand, fehlt in kaum einem Büro und gehört zur Standardausrüstung für Picknickkorb und Wanderrucksack. Dabei war "die Erfindung der Thermoskanne reiner Zufall", wie Georg Goes, Leiter des Museumsdorfs Glashütte, weiß.

Im Geburtstagsjahr gratuliert das brandenburgische Museum Baruther Glashütte der Thermoskanne mit der umfangreichen Ausstellung "Hält Heißes heiß und Kaltes kalt". Die Dauerausstellung erzählt ab 3. Oktober die Kulturgeschichte des Glasgefäßes mit "doppelten, einen luftleeren Raum einschließenden Wandungen" und stellt historische Kannen, moderne Designerprodukte sowie Plagiate vor.

Ein Millionengeschäft

An 26 Stationen der Ausstellung erfährt der Besucher viel über die technischen Hintergründe der Isolierflasche sowie den Arbeitsalltag Burgers. Auch Burgers Arbeitsplatz ist originalgetreu nachgebaut: Ein Gasbrenner, um das Glas zu erhitzen, ein Schlauch mit Mundstück zum Blasen der Kleinteile und ein riesiger Blasebalg, um den Brenner mit Luft zu versorgen.

Rollwagen mit Thermoskannen

Ein Wagen voller Thermoskannen

Die Vorteile der Kalt- und Warmhalteflaschen schätzen am Anfang des Jahrhunderts zunächst bürgerliche und adlige Schichten bei der Jagd, auf Auto- und Ballonfahrten sowie auf Reisen. Burger jedoch hat Schwierigkeiten mit der Vermarktung seines Produkts. Und verkauft die Rechte 1909 an die Thermos-Aktien-Gesellschaft und die American Thermos Bottle Company. Die Amerikaner beginnen bald darauf, die Thermoskanne industriell herzustellen und machen ein Millionengeschäft. "Burger war ein patenter Glasbläser, aber kein Kaufmann", erklärt Experte Goes.

Isolierflasche ohne Asbest

"Das Prinzip der Thermosflasche ist heute übrigens das gleiche wie vor hundert Jahren", sagt Goes. Nur die Asbest-Abstützung der Doppelwände sei längst überflüssig. Das Markenzeichen "Thermos" gehört heute allerdings einem japanischen Unternehmen. Deutsche Hersteller müssen mit dem Begriff "Isolierflasche" werben. (mb)

"Hält Heißes heiß und Kaltes kalt". Ab dem 3. Oktober im Museum Baruther Glashütte