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Amerika

Kalifornischer Phönix aus der Asche

Waldbrände haben den "Oakridge Mobile Home Park" 2008 komplett zerstört. Deswegen wohnen die Menschen dort jetzt in einer Mondlandschaft - und fühlen sich auch noch wohl dabei.

Verkohlte Landschaft (Foto: ap)

Von den Flammen zerstört - der 'Oakridge Mobile Home Park' im November 2008

Ginny Harmon (Foto: Zilm)

Ginny Harmon arbeitet daran, dass die Bewohner zurückkehren können

In dem zum Büro umfunktionierten Wohncontainer stehen eng nebeneinander drei Schreibtische - am ersten spricht die Sekretärin mit einem Architekten, am mittleren telefoniert Parkmanagerin Ginny Harmon und im hinteren Eck sucht eine ältere Dame in weißem Frottee-Jogginganzug die Farben für ihr neues Haus aus. Die Besucher sitzen auf Klappstühlen, Tische sind überladen mit Notizen, Rechnungen, Listen, Briefen und Grundrissplänen.

Fast rund um die Uhr arbeitet Ginny Harmon daran, dass die ehemaligen Bewohner der Anlage, die sie liebevoll "Beverly Hills der Mobilheim-Parks nennen", zurück kehren können. "Sie wollen zurückkommen in den Oakridge Park. Manche sind um die achtzig," sagt die zierliche Frau mit Kurzhaarschnitt bewundernd und erklärt: "Sie haben lange hier gelebt. Es ist ihr Zuhause. Und die Menschen sind wichtig. Ohne Menschen hat man nichts."

Neuanfang in einer Mondlandschaft

Geländer, Treppe (Foto: Zilm)

Nur einige Geländer und Steinmauern sind nach dem Feuer übrig geblieben

Der Büro-Container steht mitten in einer Mondlanschaft. Das Feuer, das im November 2008 auf den 'Oakridge Mobile Home Park' in Sylmar zuraste, zerstörte 500 von 600 Wohnstätten und ließ nur ein paar Backsteinmauern, Treppengeländer, ausgebrannte Autoruinen, verbogenen Stahl, Asche, Schutt und kohlschwarze Baumskelette zurück.

Und schon wieder brennt Kalifornien. Die Sonne steht als roter Ball über dem Park - verfärbt von dicken Rauch- und Aschewolken, die von nahen Feuern über die Hügel ziehen. Trotzdem wollen Virginia Todhunter, die Frau im weißen Jogginganzug, und ihr Mann in die Wohnanlage zurück kehren. Sie haben bei dem Brand bis auf Kleidung und ihr Auto, mit dem sie vor den Flammen flüchteten, alles verloren.

Sie haben ein neues Haus bestellt, das genau dort stehen soll, wo das alte abbrannte. Obwohl über dem Hügel neben der Wohnanlage schon wieder eine dicke Rauchwolke steht. Virginia sagt, sie habe keine Angst. Drohende Erdbeben und Feuer stören die 70-Jährige nicht. "Ich liebe es hier, weil es abseits vom Rummel ist und alle freundlich sind. Wir sind eine gute Gemeinschaft." Und jetzt sei schließlich alles abgebrannt, was brennen konnte. Sie und ihr Mann haben sich umgeschaut und sind zu dem Schluss gekommen, dass es das Beste wäre, zurück zu kommen, weil sie im Oakridge Park das Meiste für ihr Geld bekommen.

Glück und Pech in unmittelbarer Nachbarschaft

Intakter Straßenzug (Foto: Zilm)

Nur dieser Straßenzug blieb wie durch ein Wunder von den Flammen verschont

Das nordöstliche Viertel des Wohnparks blieb auf wundersame Weise von den Feuern verschont. Statt Mondlandschaft strotzt hier saftiges Grün: Zitrusbäume, blühende Azaleen und Oleander, perfekt gepflegte Rasenflächen zwischen pastellfarben gestrichenen kleinen Häusern.

In einem davon wohnt Suzan Ugert. "Bevor die Reinigungstrupps kamen, war auch hier alles schwarz", erzählt sie. Sogar im Haus, durch dessen Fenster- und Türritzen der Wind Funken und Asche trieb. Teppiche, Kissen, Decken - alles, was nicht abgewischt werden konnte, landete im Riesenabfallcontainer. Ihre Gefühle beim Gang durch das Haus sind widersprüchlich. Ugert weiß, dass sie Glück hatte, aber es sei nicht schön gewesen, zuzusehen, wie Schränke durchwühlt wurden und alles weggeworfen wurde. Vom Obst bis zu den Möbeln. "Ich habe ein Haus, aber es ist nicht dasselbe. Es wird nie mehr sein wie früher."

Feuer im Schlazimmer

Braunes Feld (Foto: Zilm)

Nichts ist übrig geblieben vom Haus von Bob und Art

Auch Suzan und ihr Mann bleiben in der Wohnanlage. Wegen der guten Gemeinschaft mit wöchentlichen Bingo-, Grill- und Kinoabenden im Clubhaus. Zu denen kamen meist auch Bob und Art. Die beiden Rentner hatten Pech: ihr Grundstück ist auf der falschen Seite der Grenze zwischen Mondlandschaft und Vorstadt-Idyll. Wo sie in ihrem Heim mit preisgekröntem Garten lebten, ist nun ein leerer, platt gewalzter Acker mit ungeschütztem Blick auf die Autobahn. Betrübt erzählen sie von einer wertvollen Porzellansammlung und der frisch renovierten Küche, die in Flammen aufgingen. Bei der Erinnerung daran, wie sie in der Feuernacht aufwachten, weil ihre Schlafzimmerwand brannte, lachen sie trotzdem. "Ich war nackt. Schnappte meinen Hund und rannte los", erzählt Art. Er nahm eine Jeans, warf den Hund ins Auto, zog die Hose an, holte noch ein paar Sachen aus dem Haus. "Das war’s. Der Rest - alles weg!"

Hinter den Hügeln raucht es

Auch sie sind überzeugt, dass es hier so schnell kein großes Feuer mehr geben wird. Die Eukalyptus- und Eichenwälder, die die Hügel bedeckten, sind komplett verbrannt. Flammen finden außer ein paar Büscheln keine Nahrung. Ohne Angst schauen sie auf den Rauch hinter den Hügeln und voller Optimismus in die Zukunft. Durch das Feuer haben sie eine wichtige Lektion gelernt, sagt Art: "Wir sind rausgekommen und leben. Der Rest ist nur Zeug und kann mit anderem Zeug ersetzt werden." Ihr neues Heim - größer und schöner als das abgebrannte - haben sie bestellt. Und sind fest entschlossen, im nächsten Jahr wieder den Gartenwettbewerb zu gewinnen.

Autorin: Kerstin Zilm
Redakteurin: Anne Herrberg