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Welt

Kakao schmeckt nicht immer süß

Der Inselstaat São Tomé und Príncipe war einst bedeutendster Kakaoexporteur der Welt. Heute liegen die meisten Plantagen brach. Die Gründe für den Niedergang sind vielfältig, ein Weg aus der Krise scheint schwierig.

Zwei Männer sitzen auf einer alten Kakaoplantage auf Sao Tome (Foto: Marta Barroso)

Keine Arbeit, kein Einkommen

António Bonifácio und Antero António leben heute noch in ihren Erinnerungen an die vergangene Kolonialzeit, die Zeit der Portugiesen. Die Männer sind seit Jahren arbeitslos. Sie haben ihre Anstellung auf Rio do Ouro, einer Kakaoplantage des einst größten Kakaoexporteurs der Welt, verloren. Das Kinn auf die Hand gestützt verbringen beide São Toméer ihren tristen Alltag vor ihren Häusern. "Wo sollen wir hin?", fragt sich Antero António ständig. "Wir können nirgendwohin!", sagt António Bonifácio.

Der Reichtum, den die Kakaoproduktion der ehemaligen portugiesischen Kolonie brachte, blieb bis zur Unabhängigkeit von São Tomé und Príncipe in den Händen der Kolonialherren. Der Marquis von Valle Flor war Besitzer des wichtigsten landwirtschaftlichen Unternehmens, das seinen Namen trug. Dazu gehörte auch die Plantage Rio do Ouro, auf der in goldenen Zeiten bis zu 2000 Menschen arbeiteten.

Das Eldorado ist längst vorbei…

Kakaopflanzen auf Sao Tome (Foto: Marta Barroso)

Vom einstigen Erfolg ist kaum noch etwas zu sehen

1975 kam dann die Wende: Die portugiesischen Verwalter der landwirtschaftlichen Großunternehmen mussten die Inseln verlassen, ihr Know-How nahmen sie mit. Als junger Staat hatte São Tomé und Príncipe keinerlei finanzielle Mittel, um die Arbeiter der verstaatlichten Plantagen zu bezahlen. Deshalb wurde in den 1990er-Jahren eine Landreform durchgeführt: Kleinbauern wurden zu Landbesitzern. Schon bald mehrten sich kritische Stimmen. "Ich habe kein Grundstück bekommen", beschwert sich António Bonifácio. Sein Nachbar Antero António ist auch nicht glücklicher, obwohl er ein Stück Land hat: "Man kann darauf nichts anbauen! Dort gibt es nur Stein und Wald."

Die Nummer eins der Kakaoproduktion sind die Inseln längst nicht mehr. 2009 exportierte ganz São Tomé und Príncipe nicht einmal 2000 Tonnen Kakao. Zum Vergleich: 1975 waren es noch um die 12.000 Tonnen. Die meisten Kakaoplantagen des Landes liegen heute brach. Besonders deutlich spiegelt sich deren Verfall im großen Krankenhaus in Rio do Ouro wider. "Das hier war die Entbindungsklinik", sagt Bonifácio, als er auf die Bauruine zeigt. Dach, Balken, Türen und Fenster seien vor langem schon verkauft worden.

… doch es geht weiter

Kakaobohnen trocknen (Foto: Marta Barroso)

Die Produktion läuft - wenn auch in kleinerem Maßstab

Eine der wenigen Plantagen in São Tomé und Príncipe, auf denen heute noch gearbeitet wird, ist Diogo Vaz. Sie gehörte zu Kolonialzeiten ebenfalls dem portugiesischen Markis von Valle Flor. Nie war sie so groß wie Rio do Ouro - bis zur Unabhängigkeit. Seitdem haben sich beide Plantagen sehr unterschiedlich entwickelt. Zwar produzierte Diogo Vaz mit 135 Tonnen 2009 sechsmal weniger als zur Zeit vor der Unabhängigkeit, aber immerhin läuft das Geschäft hier weiter. Und zusätzlich kauft die Plantage kleinen Bauern ihren Kakao ab.

António João dos Santos ist für den Kauf und die Verarbeitung des Kakaos in Diogo Vaz verantwortlich. 1960 kam er als Kind mit seiner Mutter von den Kapverden nach São Tomé und Príncipe. "Damals gab es hier so viel. Wir hatten keine Sorgen", erinnert auch er sich melancholisch an die alte Zeit. "Jetzt… Jetzt ist alles anders." Aber Santos, auf der Plantage Rocha genannt, hat heute noch eine feste Arbeit. Der Lohn sei zwar nicht hoch, aber er könne nicht klagen, gibt er zu. Er ist stolz darauf, auf Diogo Vaz zu arbeiten. Die Bohnen, die er sorgfältig verarbeiten lässt, gelten als qualitativ besonders hochwertig. Sie werden nach Portugal exportiert, und von dort aus geht es weiter nach Holland, wo sie zu Schokolade verarbeitet werden.

Die Freiheit überwiegt

Ein Mann zeigt Kakaobohnen (Foto: Marta Barroso)

Kakao aus São Tomé und Príncipe, immer noch ein Qualitätsprodukt

Trotz der heutigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist São Tomé und Príncipe ein freies Land, losgelöst von den kolonialen Zwängen der Vergangenheit. Darüber sind die meisten Santomesen froh. Diese Freiheit begann schon vor der eigentlichen Unabhängigkeit, schon einige Monate davor gab es erste Zeichen, wie sich António Bonifácio erinnert. Für ihn kam sie an dem Tag, an dem er seinen damaligen portugiesischen Chef, den Hauptverwalter vom Unternehmen Valle Flor, zum letzten Mal gesehen hat: "Chef Fonseca wurde zwar nicht aus São Tomé hinausgeworfen, denn er wollte schon sowieso in den Urlaub fliegen. Aber trotzdem: In der Hauptstadt haben ihm die Menschen die Schuhe ausgezogen und ihn barfuß durch die Straßen laufen lassen." Am nächsten Tag war Fonseca fort, später folgten ihm die anderen Portugiesen. Das Land war frei.

Autorin: Marta Barroso
Redaktion: Beatrix Beuthner

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