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Fußball

Kaká - Der dribbelnde Botschafter

Er ist der drittteuerste Spieler der Fußballgeschichte. Nur Zidane und C. Ronaldo haben mehr Ablöse gekostet als Kaká, der brasilianische Superstar von Real Madrid. Heute gilt er als größter Hoffnungsträger Brasiliens.

Kaká streckt im Nationaltrikot Brasiliens beide Zeigefinger Richtung Himmel (AP Photo/Jasper Juinen)

So jubelt Kaká

Wenn Kaká spielt, verzaubert er alle im Stadion. Egal, ob in Brasilien, in Italien oder Spanien. Spielerisch leicht und dennoch ungemein effektiv, dazu elegant, antrittsschnell und torgefährlich wie ein Stürmer – der Mittelfeldzauberer Kaká vereint brasilianisches Geschick mit europäischen Tugenden. Dabei hat alles so schwer angefangen: Mit 18 bricht er sich bei einem Schwimmbadunfall einen Halswirbel und entkommt nur knapp dem Rollstuhl. "Gott war bei mir in dieser schweren Zeit", sagt er heute, und Gott ist seitdem fester Bestandteil im Leben Kakás: Ein Bibelvers auf der Mailbox, die Mitgliedschaft in der umstrittenen brasilianischen Neupfingstler-Gemeinde "Renascer em Cristo" – "Wiedergeboren in Christus" und natürlich das obligatorische T-Shirt unter dem Trikot mit der Aufschrift: "Ich gehöre Jesus." Die umstrittene Gemeinde unterstützt Kaká bis heute finanziell - angeblich mit einem Zehntel seines Einkommens. Dort heiratet er seine Jugendliebe Caroline, mit der er 2008 Sohn Luca bekommt. Nach der Fußballkarriere will er Pastor werden. Kaká, der fromme Fußballstar, der andere missionieren will.

Kein brasilianisches Fußballmärchen

Kaka und seine kleine Familie: Frau Caroline und Sohn Luca (Foto: AP Photo/ Marucia Kintschev)

Kaka und seine kleine Familie

Eigentlich hätte er auch Medizin studieren können, glaubt seine Mutter Simone. Den Drang, anderen zu helfen, hatte er schon als Kind. So brachte er regelmäßig seine weniger gut betuchten Kumpels zum Essen mit nach Hause. Denn Kaká stammt nicht wie so viele Brasilianer aus einer Favela, einer Armensiedlung: Ricardo Izecson dos Santos Leite wird als ältester Sohn einer gut bürgerlichen Familie in Brasília, der Hauptstadt Brasiliens, geboren. Vater Bosco ist Ingenieur, Mutter Simone Lehrerin. Sein kleiner Bruder Rodrigo verpasst ihm den zukünftigen Künstlernamen – er sagt "Kaká", weil er Ricardo nicht aussprechen kann. Gut erzogen, mit ordentlichen Manieren, blendend aussehend, ein perfekter Schwiegermuttertyp. Und immer wieder unterschätzen ihn die Menschen. Nach seinem ersten Profispiel beim brasilianischen Verein FC São Paulo sagen die Leute über ihn: "Er ist schön anzuschauen, aber nichts für wichtige Spiele." Zu schwach, zu schmächtig mit gerade einmal 73 Kilogramm bei 1,85 m Größe – erst nach einem speziellen Muskelaufbautraining erreicht er auch physische Zweikampfstärke und zeigt es allen: Nach der ersten Saison wählen ihn die Sportjournalisten Brasiliens zur Neuentdeckung des Jahres. Nicht zum letzten Mal überrascht er die Experten mit Taten statt Worten.

"Zum Preis von Bananen" nach Mailand

Kaká mit der Trophäe des Fußball-Weltspielers 2007 (Foto: dpa/EPA/WALTER BIER)

Erst die Champions League, dann Weltfußballer des Jahres - 2007 war Kaká-Jahr

"Es macht mir einfach Spaß, Fußball zu spielen", sagt er. Das sieht man auch. Kaká wird Stammspieler, sofort Nationalspieler Brasiliens und 2002, mit 20 Jahren, Fußball-Weltmeister – allerdings als Ersatzspieler mit insgesamt nur 18 Minuten Einsatzzeit. Ein Jahr später wechselt Kaká zum großen AC Mailand – für neun Millionen Euro, "zum Preis von Bananen", wie die Clubchefs heute sagen. Der Ausnahmespieler schießt im ersten Jahr 14 Tore, holt den Meistertitel und wird zum Publikumsliebling. Er lernt fließend Italienisch zu sprechen und lässt sich schließlich einbürgern. 2007 ist sein Jahr: Er führt Milan zum Gewinn der Champions League, wird Europas Fußballer des Jahres und schließlich FIFA-Weltfußballer. Die Modewelt entdeckt den smarten Brasilianer, der niemandem ein Autogramm ausschlagen kann und sich bisher für Mode noch nie interessiert hat – bis ihm die Mannschaftskollegen Ein-Euro-Schildchen auf seine legere Kleidung klebten. Ein Volltreffer für die Modebranche. Nach seinem letzten Spiel für die "Rossoneri" weint er wie ein Kind. "Milan wird für viele, viele Jahre voran gehen, weil Milan eine Gewinnermannschaft ist", erklärt er den erschütterten Fans. "Ich war Teil dieser Geschichte, dieser Mannschaft. Jetzt versuche ich meine Geschichte an anderer Stelle fortzusetzen." Kaká, der gefeierte italienische Brasilianer, dem Milan ein zweites Zuhause geworden ist.

Für 65 Millionen Euro zu Real

Foto-Montage (AP Photo/Antonio Calanni, File)

Der Poker um Kaká beginnt

Fußballclubs aller Nationen hatten ihn gejagt, Manchester City absurde 120 Millionen Euro geboten. Am Ende wechselte er 2009 für die Rekordsumme von 65 Millionen Euro zu Real Madrid. Bei seiner Antrittsrede in perfektem Spanisch verneigen sich die Fans. "Als ich das weiße Trikot bekommen habe", verrät er, "das war schon ein sehr bewegender Augenblick. Es ist eine große Ehre." Die Leute lieben ihn, Pelé sagt, Kaká sei der neue Cruyff - andere, er sei der neue Pelé. In der Seleção , der Nationalmannschaft Brasiliens, ist er längst vom Ersatzmann zum Stammspieler geworden. Zusammen mit Superstar Cristiano Ronaldo wirbelt Kaká nun bei Real über die europäische Bühne, wehrt sich aber gegen Konkurrenzgedanken. "Die gibt es nicht und wird es nicht geben während meiner Zeit bei Real." Die große Show mit Übersteigern überlässt Kaká seinem Mannschaftskameraden gern, schnörkellos ist sein Spiel, uneigennützig, genial.

Hoffnungsträger der Seleção

Teamfoto der brasilianischen Nationalmannschaft (Foto: AP Photo/Martin Meissner)

Kaká ist das Herz der Seleção

Heute, mit 28 Jahren, ist Kaká bei der WM der große Hoffnungsträger in der Seleção und der Hexa, der sechste WM-Titel, sein Traum. Deswegen gerät er auch bei seinem Verein in die Kritik: Sechs Wochen fehlt der Mittelfeldregisseur im Frühjahr 2010 verletzt, die Fans vermuten, er schone sich für die WM, bis zu seinem Comeback, als er mit seinem Treffer für einen wichtigen Sieg im Titelkampf sorgt. Mal wieder hat es der "schlechteste Tänzer Brasiliens", wie er einmal über sich selbst gesagt hat, seinen Kritikern gezeigt. Mit dem Tanz auf dem Platz, den er viel lieber zelebriert als Samba und Karneval. Anerkennung ist ihm wichtig, aber die höchste Ehre hat er bereits bekommen, sagt er: Nicht nur weil er sich in vielen sozialen Projekten engagiert, stattete ihn die UNO mit einem Diplomatenpass aus. Denn auch das ist Kaká: Ein dribbelnder Botschafter.

Autorin: Olivia Fritz
Redaktion: Joachim Falkenhagen

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