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Kaiser, Päpste und Mutter Natur diskutieren über den Ostersonntag

Eigentlich wollte man nur ein Fest feiern, aber auf den Zeitpunkt konnte man sich nicht einigen. Dieses Jahr feiern die katholisch-protestantischen und orthodoxen Christen gemeinsam Ostern, aber das ist nicht immer so.

bemalte Ostereier liegen nebeiander. Auf dem roten Ei in der Mitte ist ein Spruch draufgeschrieben, der heißt: Alter kommt leise, macht den einen dumm, den anderen weise.

Obwohl meist als heidnisch abgestempelt, gehören auch die Ostereier zum christlichen Brauchtum

Viele Menschen würden es heute gerne auch mal tun. Einfach ein paar Tage aus dem Kalender streichen. Einfach so tun, als hätten sie nie existiert. Papst Gregor XIII. hat es 1582 gemacht. Er begründete seinen eigenen, den gregorianischen Kalender. Damit hat er die christliche und die orthodoxe Kirche entzweit, was auch Auswirkungen auf das Datum des Osterfestes hatte.

Ursprünglich war Ostern immer an einem Sonntag nach dem jüdischen Pessahfest, das beim ersten Vollmond im Frühling gefeiert wird. Eigentlich ganz einfach. Aber wann bitte beginnt der Frühling? Und wie berechnet man den Vollmond richtig? Die christlichen Kirchen waren sich uneinig und so feierte jeder, wie es ihm beliebte.

Die Päpste versuchen Ordnung zu schaffen

Ein Mann im Papstgewand, also weiße Robe, Schal mit roten Kreuzen drauf und Hut hebt die rechte Hand zur Segnung. In der linken hält er einen Stab an dessen oberem Ende Christus am Kreuz hängt. Im Hintergrund sind undeutlich weitere Menschen in ähnlichen GEwändern zu sehen.Quelle: AP

Papst Benedikt XVI. will die Einheit der orthodoxen und katholischen Christen fördern.

Um dem Chaos ein Ende zu setzen wurde auf dem Konzil von Nicäa (325 nach Christus) verkündet, dass ab sofort immer ab dem 21. März um Mitternacht Frühling sei und der Mond eine Kreisbahn beschreibe, was nicht ganz richtig ist, da der Mond eine Ellipsenform beschreibt. Unter diesen Bedingungen ergaben sich 19 mögliche Termine für Ostern: Ostersonntag konnte frühestens am 22. März und spätestens am 25. April sein. So war es früher, als die Menschen noch nach dem julianischen Kalender lebten.

Leider hatte der Kalenderbegründer Julius Cäsar das Sonnenjahr falsch berechnet. Es war 11 Minuten und 14 Sekunden zu lang. Im 14. Jahrhundert hatten sich die wenigen Minuten bereits auf 7 Tage aufaddiert. Papst Gregor XIII. ließ deshalb im Oktober 1582 ein paar Tage ausfallen. Auf den 4. Oktober folgte der 15.Oktober. Gleichzeitig reformierte er die Berechnung des Frühlinsanfangs. Zugegebenermaßen war die Basis für seine Reformen schon kompliziert genug, aber wie so oft bei Reformen, wollte er es auch noch allen christlichen Splittergruppen Recht machen.

Nach seiner Reform lag das Pessahfest zwischen dem 21. März und dem 19. April. Wenn der 19. April ein Sonntag wäre, dann wäre Ostersonntag am 26. April - einen Tag später als es nach dem julianischen Kalender erlaubt gewesen wäre. Gregor entschied sich, dem julianischen Kalender Rechnung zu tragen und erließ einige Sonderregeln, zum Beispiel wird der Ostersonntag zurückverlegt, falls er auf einen 26. April fallen sollte.

Die orthodoxen Christen halten an alten Sitten fest

In einem Torbogen hängen zwei goldleuchtende Glocken. Oben auf dem Bogen steht ein goldenes Kreuz. Ein Mann zieht an Seilen, die mit den Glocken verbunden sind. Es ist windig, sein Gewand om Wind aufgebaucht, Quelle:AP

Ein orthdoxer Priester läutet die Glocken der St. Georg Kirche in Moskau

Den orthodoxen Kirchen ging diese Rücksichtnahme nicht weit genug. Sie rechnen noch heute nach dem julianischen Kalender, denn sie orientieren sich an den Vorschriften des Konzils von Nicäa, das ein Osterfest vor dem Pessahfest nicht erlaubt. Genau dies kann nach Gregors Reformen jedoch passieren. Das liegt daran, dass das Pessahfest nach dem jüdischen Kalender festgelegt wird, der bei seiner Berechnung noch immer von einer kreisförmigen Mondbahn ausgeht. Dies führt zu Fehlern in der Berechnung. In 216 Jahren ergibt sich ein Tag Abweichung zwischen den Kalendern.

Das Pessahfest wurde ursprünglich am so genannten Frühjahrsäquinoktium gefeiert, wenn die Sonne den Himmelsäquator überschreitet und Tag und Nacht annährend gleich lang sind. Es hat sich jedoch beständig weiter nach hinten verschoben. Die Termine für das orthodoxe Osterfest wandern mit ihm. Aus mathematischen Gründen fällt das orthodoxe Osterfest und das der Katholiken und der Protestanten in diesem Jahr zusammen. Häufig liegen die Feiern jedoch eine, vier oder fünf Wochen auseinander, wobei sich die Differenz in den kommenden Jahren erhöhen wird.

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