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Aktuell Nahost

Kairo: Justizminister stürzt über Festnahme-Phantasie

Kritiker werfen den ägyptischen Sicherheitskräften Verstöße gegen die Menschenrechte und willkürliche Festnahmen vor. Dass der Justizminister jetzt aber über die Inhaftierung des Propheten schwadronierte, war zuviel.

Ägyptens Regierungschef Scharif Ismail hat Justizminister Ahmed al-Send entlassen, nachdem dieser sich über die mögliche Inhaftierung des Propheten Mohammed, den Begründer des Islam, ausgelassen hatte.

Al-Send hatte in einem Interview mit dem privaten Fernsehsender Sada al-Balad auf die Frage, ob er Journalisten, denen er Diffamierung vorwirft, auch einsperren würde, geantwortet, er würde jeden inhaftieren: "Selbst wenn er ein Prophet ist, möge Gottes Segen mit ihm sein".

Entschuldigung wirkungslos

Obwohl der Minister sofort bemerkte, dass er mit diesem typischen Halbsatz auf den Propheten Mohammed anspielte und sich "bei Gott" für seinen Fehler entschuldigte, sorgte die Bemerkung im Internet für einen Aufschrei. Viele Bürger forderten seinen Rücktritt und eine Anklage wegen Gotteslästerung. Die renommierte islamische Al-Ashar Universität ermahnte den Minister, den Namen des Propheten zu ehren und ihn nicht zu beleidigen - "selbst wenn es unbeabsichtigt" gewesen sein sollte.

Am Samstag entschuldigte sich al-Send erneut für seinen, wie er sagte, verbalen Ausrutscher. Doch konnte er damit seine Kritiker nicht besänftigen. Premier Ismail zog die Reißleine und feuerte den Minister. Al-Send hatte bereits im Januar mit einem Fernsehinterview für Empörung gesorgt, in dem er sagte, er wäre erst dann zufrieden, wenn für jeden getöteten Soldaten oder Polizisten "10.000 Muslimbrüder getötet" würden.

Prekäre Menschenrechtslage

Nach Angaben der Hilfsorganisation Amnesty International ist die Menschenrechtslage in Ägypten kritisch. Tausende Regierungskritiker befänden sich in Haft, viele von ihnen seit Wochen oder sogar Monaten ohne formelle Anklage. Das Regime gehe mit brutalster Gewalt gegen jeglichen Widerstand vor. Friedliche Demonstranten müssten mit mehrjährigen Haftstrafen rechnen.

wl/cw (dpa afp, ai)

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