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Kultur

Kafka-Nachlass bleibt in Israel

Im jahrelangen Rechtsstreit um Briefe des jüdischen Schriftstellers Franz Kafka hat ein Gericht in Tel Aviv entschieden: Der Nachlass von Max Brod, Herausgeber der Werke Kafkas, soll an die Jerusalemer Bibliothek gehen.

Kafkas Manuskripte im Literaturachiv Marbach

Kafkas Manuskripte im Literaturachiv Marbach

In zweiter Instanz bekräftigte das Gericht eine ähnliche Entscheidung aus dem Jahr 2012, die bislang nicht umgesetzt worden ist. Die Richter wiesen die Darstellung der Israelin Eva Hoffe zurück, sie sei rechtmäßige Erbin des Kafka-Nachlasses. Sie ist die Tochter der ehemaligen Sekretärin von Max Brod.

Max Brod, Freund und Herausgeber der Werke Kafkas (27.5.1884-20.12.1968)

Max Brod, Freund und Herausgeber der Werke Kafkas (27.5.1884-20.12.1968)

Vor seinem Tod 1924 hatte der jüdische Autor Franz Kafka seinen Freund Max Brod gebeten, seine Werke zu verbrennen. Dieser brachte sie jedoch zur Veröffentlichung und Kafka errang Weltruhm. Auf der Flucht vor den Nationalsozialisten aus Prag nach Palästina hatte Brod 1939 in einem Koffer die Werke seines Freundes dabei.

Nach Brods Tod, 1968, ging der Nachlass an seine ehemalige Sekretärin Esther Hoffe. Sie verkaufte einen Teil der Texte, darunter das Roman-Manuskript "Der Prozess", für etwa zwei Millionen Dollar. Einen anderen Teil bewahrte sie in Safes in Israel und der Schweiz auf. Nach ihrem Tod vererbte sie den Kulturschatz an ihre Töchter.

Das Gericht in Tel Aviv folgte bei seiner Entscheidung dem Argument, Brod habe in seinem Testament verfügt, sein literarischer Nachlass solle an eine jüdische Bibliothek gehen. Seine Sekretärin habe kein Recht gehabt, ihn weiterzuvererben. Es ist noch unklar, ob Eva Hoffe das Urteil auch vor dem Höchsten Gericht anfechten will.

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach (DLA), das Interesse an dem Nachlass signalisiert hatte, will den Ausgang des Prozesses erst bewerten, wenn der Text des Urteils vorliegt, wie DLA-Direktor Ulrich Raulff am Dienstag sagte. Von einer Enttäuschung Marbachs könne nicht die Rede sein, "weil wir nie etwas für uns erwartet oder eigene Ansprüche angemeldet haben", sagte Raulff.

ct/az (dpa)

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