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Alltagsdeutsch – Podcast

Kaffeekauf mit gutem Gewissen

Entwicklungshilfe leisten beim Kaffeekauf? Eine Firma in Berlin lässt ihre Kunden im Internet entscheiden, welche Projekte unterstützt werden sollen, ob etwa Brunnen gebaut oder Schulen eingerichtet werden.

Sprecher:
In einem alten Industriegebäude in Berlin-Kreuzberg haben sich vier junge Unternehmen, sogenannte Startups, eingerichtet. Alles sieht recht einfach, fast provisorisch aus. Eines dieser Unternehmen ist der Online-Shop Coffee Circle. Sein Geschäftsführer, Robert Rudnick, fand am Anfang die Fair-Trade-Geschäftsidee etwas sonderbar, Kaffee aus Äthiopien zu importieren und die Bauern am Erlös zu beteiligen. Als ihm seine beiden Geschäftspartner und Freunde das vorschlugen, dachte er zunächst, sie machten einen Scherz, es sei nicht ihr Ernst.

Robert Rudnick:
„Etwas Neues zu schaffen, das is’ im Bereich Kaffee und Fair Trade sehr schwierig. Da habe ich am Anfang auch laut gefragt, ob das ihr Ernst sei und ob wir nicht noch mal drei Wochen drüber schlafen sollten. Aber es ist eben so, dass der Kaffeemarkt ’n so großer und verkrusteter und etablierter Markt ist, dass man dort – gerade wenn man die Möglichkeiten des E-Commerce, des Online-Verkaufes, mit reinnimmt und die Möglichkeiten der Transparenz, die das Internet einem bietet, auch sehr, sehr viel neu machen kann.“

Sprecher:
Der Kaffeemarkt hat verhärtete, verkrustete Strukturen mit weitgehend festgelegten, etablierten Abläufen. Daher wollte Robert Rudnick die Idee seiner beiden Partner zunächst überdenken. Er wollte, wie er umgangssprachlich sagt, darüber schlafen. Aber schließlich erwartete Robert Rudnick von der Verbindung des Fair-Trade-Konzepts und des Online-Verkaufs doch etwas Neues. Seine Firma Coffee Circle sollte Hersteller und Verbraucher auf eine Art verbinden, die es eben bisher noch nicht gab. Die Kundin, der Kunde kann im Onlineshop nicht nur entscheiden, welchen der drei Biokaffees, die in äthiopischen Waldgärten angebaut werden, sie oder er für 24 Euro pro Kilo bestellt. Sie oder er kann auch mitbestimmen, welches Entwicklungsprojekt mit dem Einkauf finanzieren werden soll. Bei der Entscheidung helfen jede Menge Bilder, Videos und Dokumentationen, die auf der Internetseite von Coffee Circle über die Arbeit in Äthiopien informieren. Zudem ist das Unternehmen in allen wichtigen sozialen Netzwerken präsent. Nähe zum Produkt und den Produzenten – zu den Menschen dahinter – und viel Kommunikation mit den Kundinnen und Kunden, sind Robert Rudnicks Erfolgsrezepte.

Robert Rudnick:
„Wir können sehr konkret sein, wenn’s drum geht, was wir für Kaffee einkaufen, wo der herkommt, wer die Menschen dahinter sind. Wir können unsere Kunden aber auch mitbestimmen lassen. Und das is‘ so die zweite Dimension unseres Geschäftsmodells: Dass wir nicht nur jedes Jahr die besten Kaffees der aktuellen Ernte einkaufen wollen, sondern dass wir auch einen Euro pro Kilo Kaffee für unsere eigenen Projekte nach Äthiopien mitnehmen und dort die Projekte selbst umsetzen im Umfeld der Kaffeebauern und in den Bereichen Bildung und Gesundheit.“

Sprecher:
Robert Rudnick und seine Geschäftspartner behalten vom Verkaufserlös einen Euro pro Kilo zurück. Die Kundinnen und Kunden bestimmen mit, für welches Projekt er eingesetzt werden soll. Beim Einkauf beraten Robert Rudnick und seine Partner mit den Bauern und ihren Familien, was in den Dörfern fehlt. Das bezeichnet Robert Rudnick als die zweite Dimension, den zweiten grundsätzlichen Teil ihres Geschäftsmodells. Mehrere Projekte in einer Größenordnung zwischen 800 und 1500 Euro sind schon umgesetzt worden, angefangen vom Bau eines Brunnens über die Ausstattung einer Gesundheitsstation bis zur Möblierung einer Schule. Zu den Kunden gehört auch das international tätige Sport- und Lifestyle-Unternehmen Puma. Somit sind auch größere Projekte möglich. Und das ist eine Situation, von der alle Beteiligten profitieren:

Robert Rudnick:
„Wir als Firma, weil wir mehr Kaffee verkaufen, Puma, weil es das für die Außendarstellung, nutzen kann und eben beweisen kann, dass dieser Nachhaltigkeitsgedanke keine Einmalinvestition sein muss, sondern dass man das ins Geschäftsmodell und in die Werte eines Unternehmens ganz stark verweben kann.“

Sprecher:
Für Coffee Circle bedeutet die Tatsache, Puma als Großkunden zu haben, einen höheren Absatz seines Fair-Trade-Kaffees. Puma seinerseits kann sich als Unternehmen darstellen, das Nachhaltigkeit unterstützt, also die Umwelt zu schützen und faire Arbeitsbedingungen bei den Produzenten zu schaffen. So kann das Unternehmen den Einkauf von Kaffee mit seinen Werten dauerhaft verbinden, sie verweben. Und es ist keine einmalige Sache, eine Einmalinvestition, sondern ein dauerhaftes Geschäftsmodell. Unbegrenzt wachsen, so meint Betriebswirt Robert Rudnick mit einem Blick auf sein Team, könne und solle Coffee Circle allerdings nicht.

Robert Rudnick:
„Wenn ich jetzt rausgehe ins Büro und mir so die Mitarbeiter angucke, wie wir so miteinander umgehen und auch, welche Dinge sich aus dieser Dynamik und aus diesem Teamgefühl ergeben, dann können wir da nicht noch 20, 30, 40 Leute mehr sitzen haben, dann geht das irgendwann verloren. Dann haben wir auch geschlossene Büros und noch ’ne Management-Ebene drunter – im Moment haben wir eine völlig flache Hierarchie.

Sprecher:
Für Robert Rudnick wichtig sind eine offene Kommunikation und der Zusammenhalt einer kleinen Bürogemeinschaft sowie weitgehend gemeinsam getroffene Entscheidungen, eine flache Hierarchie. Denn in Großunternehmen gebe es mehrere Entscheidungsebenen und – wie er bildlich formuliert – geschlossene Büros. Denn das hatten Robert Rudnick und seine beiden Partner drei Jahre lang in der Unternehmensberatung, in der sie gearbeitet hatten, bevor sie sich selbstständig machten. Dort fehlten ihnen auch Aufgaben, die sie vor sich selbst gut vertreten konnten, die zu ihren Zielen und Ideen von der Art ihrer Arbeit gut passten.

Robert Rudnick:
„Bei uns is’ es so, dass wir uns ganz bewusst gegen die Karriere in der Beratung oder auch in ’nem Konzern entschieden haben, weil wir eben gemerkt haben, dass Geld bei Weitem nicht alles is’ im Leben. Und dass wir vor allen Dingen Lust haben auf ’ne Aufgabe, die uns Spaß macht, die wir vor uns selbst gut vertreten können und an der wir uns gerne über Jahre intellektuell austoben können. Wir haben’s in der Beratung gesehen, wir haben’s im Konzern gesehen als auch unter meinen Kommilitonen, die jetzt auch schon Jahre im Beruf sind: Die wenigsten sind wirklich glücklich.“

Sprecher:
Die Jungunternehmer stellten fest, dass es auf andere Dinge ankommt, als nur darauf, Geld zu verdienen. Sie erkannten, dass Geld nicht alles ist im Leben. Auf ihrem Weg vom Unternehmensberater zum Kaffeehändler suchten die Gründer des Coffee Circle immer neue Herausforderungen für ihre Idee, sie wollten sich intellektuell austoben. Obwohl Robert Rudnick als Unternehmensberater früher deutlich mehr Geld verdiente, macht er einen zufriedenen Eindruck. Früher sei das Geld am Ende des Monats auch weggewesen, sagt er. Er habe es damals nur für andere Dinge ausgegeben als heute.





Fragen zum Text

„Nachhaltigkeit“ bedeutet für Coffee Circle vor allem, …

1. alle Entwicklungsprojekte mit demselben Geldbetrag zu unterstützen, damit die Kaffeebauern gerecht behandelt werden.
2. dass das Unternehmen einen besonders hohen Kaffeepreis von den Kunden verlangt, damit es einen Euro pro Kilo an die Kaffeebauern abgeben kann.
3. dass alle auf längere Zeit von der Geschäftsidee profitieren: das Unternehmen, die Kunden und die Produzenten.

Wo möchte das Unternehmen seine Ziele nicht verwirklichen?
1. Bei der Verbesserung der Lage der Kaffeebauern.
2. In den Bereichen Bildung und Gesundheit.
3. In großangelegten Entwicklungsprojekten.

Die Vorsilbe „Bio“ ist ein Hinweis auf …
1. ein Produkt, das im Biologieunterricht hergestellt wurde.
2. etwas, das im Einklang mit der Natur steht.
3. biologisch wertvolle Materialien.


Arbeitsauftrag
Erkläre in einigen Sätzen, wie das Geschäftsmodell funktioniert. Was unterscheidet Coffee Circle von anderen? Sammle dafür einige Stichwörter wie zum Beispiel „Nachhaltigkeit“.

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