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Sprachbar

Kaffeegenuss

Für die Kirche war er ein Getränk des Teufels, den Propheten Mohammed soll er geheilt und Ziegen wachgehalten haben: Kaffee. Eine unscheinbare Bohne trat von Äthiopien über Arabien ihren Siegeszug rund um die Welt an.

„Heiß wie die Hölle, schwarz wie der Teufel, rein wie ein Engel und süß wie die Liebe.“ Dieses Zitat stammt von dem französischen Staatsmann und Diplomaten Charles-Maurice de Talleyrand. So beschrieb er vor etwa zweihundert Jahren, welche Eigenschaften ein guter Kaffee haben sollte. Bevor wir uns damit beschäftigen, stellt sich zunächst eine Frage: Wie wird das Wort denn richtig ausgesprochen? Mit der Betonung auf der ersten oder auf der letzten Silbe? Im Deutschen ist beides möglich, häufiger verwendet wird jedoch die Betonung auf der ersten Silbe.

Ein bisschen Etymologie und Geschichte

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Ziemlich unscheinbar, diese „Muntermacher-Beeren“

Eigentlich ist das Wort eine Entlehnung aus dem französischen café, das wiederum jedoch auf das italienische caffé zurückgeht. Die Italiener ihrerseits haben sich des türkischen Wortes kahve bedient. Der eigentliche Wortursprung liegt im Arabischen qahwa. Wer mag, kann auch eine etymologische Parallele zur ursprünglichen Heimat des Kaffees ziehen, zur Region Kaffa in Äthiopien.

Dort, auf etwa 3500 Meter Höhe, wachsen die Pflanzen mit dem botanischen Namen caffea arabica. Heutzutage ist der Regenwald, in dem der Wildkaffee wächst, stark geschrumpft. Die Legende will es, dass ein Hirte in der Region beobachtete, wie seine Ziegen, die rote Früchte eines Strauches gefressen hatten, bis weit in die Nacht munter durch die Gegend liefen und nicht müde wurden. Was wir oft so gedankenlos schlürfen ist ein Kulturgetränk, das eine lange und spannende Geschichte hat. Ursprünglich war Kaffee – zumindest bei einigen afrikanischen Volksstämmen – ein Nahrungsmittel.

Eine Medizin für den Propheten?

Ein Mörser und ein Stößel. Drumherum liegen ganze und gestoßene Kaffeebohnen und

Kaffeebohnen wurden in gestoßener Form gegessen

Die Kerne der Kaffeebaumfrüchte, die Kaffeebohnen, wurden zerstoßen und zu kleinen Bällchen geformt. Dann wurden sie verspeist. Bei dieser wohl ältesten Art der Kaffeezubereitung blieben die Nährstoffe der Kerne, nämlich Fett und Eiweiß, erhalten. Von diesen Kraftpillen bis zu unseren Espressos, Mokkas und Cappuccinos war es noch ein weiter Weg. Der Vorläufer dieser flüssigen Kaffeeköstlichkeiten war allerdings eine Art Wein. Der gegorene Saft reifer Kaffeekerne wurde mit kaltem Wasser vermischt und erfreute sich wegen seiner berauschenden Wirkung bald großer Beliebtheit.

Wer dann so um das Jahr 1000 nach Christus in Arabien auf die Idee kam, den ersten Kaffee zuzubereiten wie wir ihn kennen, ist nicht überliefert. Aber vielleicht war es ja, wie die Legende berichtet, Allah. Der soll dem schwerkranken Propheten Mohammed einen Engel mit einem schwarzen stärkenden Trank geschickt haben. Es muss ein wahres Wundermittel gewesen sein. Denn bald, so heißt es weiter, sei Mohammed derart zu Kräften gekommen, dass er „vierzig Männer aus dem Sattel heben und vierzig Frauen die Liebe lehren konnte“.

Erfolgreiche Kaffeeschmuggler

Ein traditionelles Kaffeehaus in Wien mit Gästen

Wien ist bekannt für seine zahlreichen Kaffeehäuser

Es versteht sich von selbst, dass bei solchen Nebenwirkungen Kaffee lange Zeit nur auf ärztliche Anweisung getrunken werden durfte. Das änderte sich mit dem Beginn des 13. Jahrhunderts. So ungefähr zu dieser Zeit entstanden die ersten Plantagen. Außerdem wurde damit begonnen, die reifen Kerne über Holzkohlenfeuer zu rösten. Man brauchte nur noch kochendes Wasser drüberzugießen und schon gab's Kaffee.

Bereits im 16. Jahrhundert wurden dann die Kaffeebohnen mit Stößel und Mörser zu Pulver verarbeitet. Außerdem gab es zu jener Zeit schon Kaffeehäuser. So allmählich sprach sich die Wirkung des anregenden Getränks auch in Europa herum. Es war allerdings schwer, Kaffeesamen zu bekommen, denn die Araber ließen keine Fremden in ihre Plantagen. Und die Ausfuhr der Samen war streng verboten. Aber Verbotenes reizt bekanntlich doppelt. Nicht geklärt ist, ob jetzt die Holländer oder die Italiener erfolgreich waren, die ersten Samen nach Europa zu schmuggeln. Die holländischen Kolonialherren ließen Kaffee auf riesigen Plantagen auf der indonesischen Insel Java von Zwangsarbeitern anbauen.

Kaffee: ein Gebräu des Satans

Ein Gemäde von Papst Clemens VIII.

Ein päpstlicher Kaffeeliebhaber: Papst Clemens VIII.

In Europa erfreute sich der die Sinne so vielfältig anregende Kaffee bald größter Beliebtheit. Eben deshalb sorgte sich die katholische Kirche um das Seelenheil ihrer Gläubigen. Der Satan selbst, so hieß es, habe dieses Gebräu erfunden. Kaffeetrinken galt als Sünde. Zum Glück schmeckte Papst Clemens VIII. das Getränk aber so gut, dass er es wiederum als Sünde empfand, den Kaffee der Christenheit vorzuenthalten.

Kaffee gehört weltweit inzwischen zu den beliebtesten Getränken. Auch die Deutschen lieben ihren Kaffee. Durchschnittlich trinkt jeder Deutsche 150 Liter im Jahr oder mindestens zwei Tassen am Tag. Nicht nur die belebende Wirkung des Getränks ist dafür wohl ausschlaggebend, sondern der Faktor „Geselligkeit“.

Der Kaffeeklatsch am Kaffeetisch

Eine Bergische Kaffeetafel

Wer einen Kaffeeklatsch veranstalten will, kann ja mal eine Bergische Kaffeetafel auftischen

Dazu gehört, andere Leute zum Kaffeeklatsch zu treffen, miteinander Kaffee zu trinken und die letzten Neuigkeiten auszutauschen, zu klatschen und zu tratschen. Im Büro tut es in der Kaffeepause auch ein Becher Pulverkaffee aus dem Kaffeeautomaten in der Cafeteria. Aber der Kaffee ist nicht nur eine Art „Treibstoff“ für viele Büronetzwerke. Da ist auch der zärtliche Ruf am Sonntagmorgen:„Der Kaffee ist fertig, Liebling!“ Für denjenigen, der sich an den fertig gedeckten Kaffeetisch setzt, ist es ein großer Liebesbeweis, mal nicht das Frühstück machen und Kaffee kochen zu müssen.

Außerdem gibt es da noch die Einladung von Freunden oder Verwandten zum Kaffee, meist nachmittags zwischen 15 und 16 Uhr. Je nach Anlass ist die Kaffeetafel dann festlich gedeckt. Es gibt meistens Kaffee und selbstgebackenen Kuchen. Wer eine Bergische Kaffeetafel liebt, kann auch zu ihr einladen.

Die Bergische Kaffeetafel – ohne Muckefuck

Vier Dosen mit Malzkaffee aus der ehemaligen DDR

Auch Ersatzkaffee aus verschiedenen Getreidesorten hat seine Liebhaber

Sie hat ihren Namen von der Region, in der sie entstand: dem Bergischen Land. Dort begannen Gastwirte zu Beginn des 20. Jahrhunderts Städtern, die aufs Land fuhren, eine reichhaltige Mahlzeit anzubieten, die nicht nur süße, sondern auch herzhafte Speisen enthielt.

Während die Bauern sich mit Muckefuck, einem Kaffeeersatz begnügen mussten, bekamen die Ausflügler richtigen Kaffee serviert, stilecht aus einer sogenannten Dröppelminna. Bei einer Bergischen Kaffeetafel nicht fehlen dürfen Waffeln, ein süßes Hefebrot – der sogenannte Blatz –, Schwarz- und Graubrot, süße Aufstriche wie Marmelade und Honig und Herzhaftes wie Wurst und Käse.

Echte Kaffeetanten

Nun, leidenschaftlichen Kaffeetrinkerinnen und -trinkern, echten Kaffeetanten also, haben wir bestimmt nichts Neues erzählt. Sie interessiert wahrscheinlich nicht die Bohne, welche zahlreichen Kaffeesorten es gibt. Denn diese haben sie natürlich luftdicht in Kaffeedosen bereits im Kühlschrank stehen. Außerdem verfügen sie über verschiedene Kaffeemühlen, Kaffeemaschinen und Kaffeebereiter, vom Porzellankaffeefilter bis zur Espressokanne. Darüber hinaus unterschiedlichste Kaffeetassen und Kaffeegläser. Und jetzt brauchen wir erst mal ’nen 'Kaffee! Oder ’nen Ka'ffee?




Fragen zum Text

Das Wort „Kaffee“ stammt ursprünglich aus …
1. dem Französischen.
2. dem Arabischen.
3. dem Italienischen.

Kaffee gilt umgangssprachlich als …
1. Springbohne.
2. muntere Kraftpille.
3. Muntermacher.

Die Hauptstadt welchen europäischen Staates ist bekannt für ihre Kaffeehauskultur?
1. Österreichs
2. Schwedens
3. Griechenlands


Arbeitsauftrag
Erstellt in der Gruppe ein Silbenrätsel mit Begriffen aus dieser Sprachbar. Mischt die einzelnen Silben ordentlich durcheinander, damit es nicht so leicht ist. Tauscht die Rätsel untereinander aus. Ein Beispiel:

Pul – ver – kaf – fee

_____________________ (Kaffeekonzentrat, das sich in Wasser auflöst)

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