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Wirtschaft

Kaderschmiede oder Rohrkrepierer?

Die deutsche Wirtschaft feiert die Gründung einer "European Business School of Management and Technology" in Berlin. Doch schon vor der Feier herrscht Katerstimmung.

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Ab 2004 soll das ehemalige DDR-Staatsratsgebäude die Elite-Schule beherbergen

Die Presse lässt an der Elite-Schule der deutschen Wirtschaft kein gutes Haar. "Harvard nach Methode Bezirksamt", titelt die taz, und Spiegel-Online nennt das Projekt ein "Armutszeugnis der Wirtschaft". Der Grund: Berechtigte Fragen und Kritik an dem ehrgeizigen Projekt wurden von den Verantwortlichen nicht beantwortet. "Nichts sagen, nichts hören, nichts sehen", scheint das Motto der verfehlten Informationspolitik zu sein.

Versprechungen und Hoffnungen

Große Hoffnungen wurden in das Projekt der deutschen Wirtschaft gesetzt. Die hatte der Koordinator der Gründungsinitiative, Gerhard Cromme, geweckt. Der Aufsichtsratschef der ThyssenKrupp AG versprach nicht weniger als eine der "bedeutendsten Lehr- und Forschungseinrichtungen auf dem Kontinent". Die Berliner Stadtpresse träumte gar von einem "Harvard an der Spree".

Ab 2004 sollen in Berlin und München jährlich rund 500 junge "Führungskräfte" nach dem Vorbild amerikanischer Business-Schools ausgebildet werden. Die Angebotspalette ist breit: Der hoffnungsvolle Nachwuchs soll Abschlüsse wie den Master of Business Administration (MBA), den Master of Public Administration (MPA) bis hin zum internationalen Doktor-Diplom (PhD) erwerben können. Spezielle Mangagement-Seminare sollen das Angebot ergänzen. Dafür wollen die beteiligten Unternehmen, darunter DaimlerChrysler, Eon, Siemens und die Allianz, hochkarätiges Lehrpersonal aus Wissenschaft und Wirtschaft gewinnen.

Fehlstart eines Prestigeobjektes

Doch schon jetzt wird klar, dass die Gründungsmitglieder der Elite-Uni sich finanziell übernommen haben. Der amerikanische Politikwissenschaftler Hans N. Weiler rechnete in der "ZEIT" vor, wie dramatisch unterfinanziert das Projekt seiner Meinung nach ist. Nach den derzeitigen Planungen soll die Elite-Schule nämlich aus den Kapitalerträgen des Stiftungskapitals in Höhe von 100 Millionen Euro sowie aus Studiengebühren finanziert werden.

Rechne man die daraus erwarteten Einnahmen zusammen, erreiche man noch nicht einmal das Jahresbudget der kleinen und armen Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder. Das beläuft sich auf 18 Millionen Euro. Ganz zu schweigen von dem fünf mal höheren Haushaltsbudget der University of Stanford, mit der sich das ambitionierte Projekt messen will.

Unerledigte Hausaufgaben

Doch damit nicht genug. Bisher steht der Stiftung nicht einmal das benötigte Stiftungskapital zur Verfügung. Nun sollen die Steuerzahler aus der Finanzmisere helfen. Nachdem das hochverschuldete Land Berlin das ehemalige Staatsratsgebäude kostenfrei bereitgestellt hat, soll es nun auch noch für die Sanierungskosten aufkommen.

Wie auch immer: Wenn sich die Tore des Staatsratsgebäudes überhaupt jemals für Studierende öffnen sollen, muss der neue ESMT-Präsident Derek F. Abel noch viele Hausaufgaben erledigen.

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