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Asien

Kabul und Islamabad: Freunde oder Feinde?

Die Beziehungen zwischen Afghanistan und Pakistan haben sich abgekühlt. Doch sie sind ein entscheidender Faktor für die Stabilität in der Region nach dem Abzug der internationalen Truppen im Jahr 2014.

President of Afghanistan Hamid Karzai, left, shakes hands with Pakistani counterpart Asif Ali Zardari in Kabul, Afghanistan, Tuesday, July 19, 2011. (Foto: Omar Sobhani, Pool, Reuters/AP/dapd)

Afghanistan Karsai Pakistan Zardari Kabul

Seit der Gründung Pakistans Ende 1947 ist das Verhältnis zum Nachbarn Afghanistan durch immer wiederkehrende Konflikte geprägt. Die Wechselhaftigkeit in den Beziehungen zeigt sich bei den Friedensgesprächen mit den radikal-islamischen Taliban.

Im November 2012 hatte es noch gut ausgesehen - Kabul und Islamabad gaben sich versöhnlich und versicherten sich gegenseitige Unterstützung bei Verhandlungen über Frieden mit den Taliban. Vor wenigen Tagen aber war dann wieder die Luft raus.

Taliban in der Grenzregion zwischen Afghanistan und Pakistan (Foto: AP/dapd)

Frieden mit den Taliban? Kabul und Islamabad sind uneins über das Vorgehen

Das afghanische Außenministerium verkündete erstmalig, es wolle alleine mit den Taliban Gespräche führen. Bis vor Kurzem war das afghanische Außenministerium noch überzeugt gewesen, dass die Hilfe Pakistans nötig sei, um die Taliban an den Verhandlungstisch zu bringen. Doch Anfang April warf der Sprecher des Ministeriums, Janan Musazai, Islamabad vor, die Friedensgespräche zu sabotieren und nur an einem Einfluss in Afghanistan interessiert zu sein.

Jochen Hippler, Afghanistan-Experte am Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) von der Universität Duisburg-Essen, sieht diese Haltung Kabuls kritisch. Für ihn ist ein Alleingang im Frieden mit den Taliban nicht möglich: "Man kann Afghanistan nicht stabilisieren, ohne dass Pakistan im Boot ist - und man kann Pakistan nicht stabilisieren, ohne dass Afghanistan stabil wird. Der Streit ist ein herber Rückschlag."

Historisch geprägtes Misstrauen

Bei den Auseinandersetzungen geht es immer wieder um den Umgang mit den Taliban auf beiden Seiten der Grenze. Pakistan wirft Afghanistan vor, die afghanischen Taliban über die Grenze nach Pakistan einsickern zu lassen. Als Reaktion darauf schießt Pakistan Raketen auf die afghanische Seite - angeblich um die radikalen Islamisten dort zu bekämpfen. Afghanistan wiederum beschuldigt Pakistan, den Taliban im Nachbarland seit langem einen Nährboden zur Entwicklung zu geben. Der pakistanische Geheimdienst habe in den Regierungsjahren der 2007 ermordeten Premierministerin Benazir Bhutto die Taliban unterstützt - mit dem Ziel, Afghanistan zu destabilisieren.

Der ungenaue und schwer kontrollierbare Grenzverlauf bereitet beiden Ländern Kopfschmerzen. Eine etwa 2500 Kilometer lange Demarkationslinie gilt seit 120 Jahren als gemeinsame Grenze.

Karte Pakistan und Afghanistan (Foto: DW)

Die Grenze: die Region Waziristan gilt als Rückzugsgebiet der Taliban

Die sogenannte Durand-Linie wurde im Jahr 1893 zwischen dem damaligen afghanischen Herrscher Abdur Rahman Khan und Sir Henry Mortimer Durand, Außenminister von Britisch-Indien, beschlossen. Sie zerteilte das traditionelle Siedlungsgebiet der Paschtunen und beschnitt Afghanistan um etwa ein Drittel seines Territoriums. Afghanistan erkennt bis heute die Durand-Linie nicht als offizielle Grenze an. Am Montag (15.04.2013) forderte der afghanische Präsident Hamid Karzai Pakistan auf, kürzlich errichtete Grenzposten an der Durand Linie zu entfernen, da sie nicht mit seiner Regierung abgesprochen wurden. "Sie widersprechen den internationalen Grenzregelungen und belasten die bilateralen Beziehungen", sagte General Zahir Azimi, Sprecher des Verteidigungsministeriums. Er fügte hinzu, dass Afghanistan alle Möglichkeiten einsetzen werde um die Posten zu entfernen und Afghanistans Souveränität zu beschützen.

Der pakistanische Journalist Rahimullah Yusufzai sieht daher auch ein historisch geprägtes Misstrauen als Grund für die wechselhafte Stimmung zwischen Afghanistan und Pakistan. "Das Misstrauen führt dazu, dass kleine Ereignisse große Spannungen auslösen können, und dass es eine Tendenz zu gegenseitigen Anschuldigungen gibt", erklärt Yusufzai.

Hinzu kommt, dass Pakistan neben Saudi Arabien und den arabischen Emiraten das einzige Land war, das 1996 die Regierung der Taliban in Afghanistan diplomatisch anerkannte. Erst nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und auf Druck der USA distanzierte sich Pakistan. Die sogenannte Quetta-Schura, die Kernorganisation der afghanischen Taliban, befindet sich in der pakistanischen Stadt Quetta.

Dreiecksbeziehung mit Indien

Indiens Premier Manmohan Singh und Präsident Pranab Mukherjee, in der Mitte Hamid Karsai (Foto: Reuters)

Freunde zum Ärger Pakistans: Hamid Karzai zu Besuch in Indien

Aufgrund dieser Verbindung verlangt die afghanische Regierung von Pakistan, sich im Hinblick auf den Abzug der ausländischen Truppen im Jahr 2014 aktiv an Friedensbemühungen mit den Taliban zu beteiligen. Aber Pakistan stellt Bedingungen, wie Masood Akhtar, ehemaliger pakistanischer Offizier und Experte für internationale Beziehungen erklärt: "Pakistan besteht drauf, dass Afghanistan eine strategische Vereinbarung mit Pakistan unterzeichnet, die festlegt, was nach 2014 passiert. Sie muss enthalten, dass Indien in Zukunft in Afghanistan keinen Einfluss haben soll und noch wichtiger: dass die afghanische Armee in Pakistan trainiert wird statt, wie geplant, in Indien."

Der Hintergrund: Pakistan befürchtet, dass nach 2014 andere ausländische Mächte wie China, Russland, vor allem aber der große Nachbar Indien mehr Einfluss in Afghanistan nehmen könnten. Indien ist bereits jetzt einer der wichtigsten Verbündeten Kabuls. Ferner haben Indien und Afghanistan bereits 2011 eine von Pakistan immer noch ersehnte "strategische Vereinbarung" unterschrieben, sagt Jochen Hippler. "Es kann durchaus sein, dass nach dem Abzug die Rolle Indiens in Afghanistan gestärkt werden könnte, und das würde man in Pakistan mit großem Misstrauen betrachten. Indien ist offensichtlich der historisch als Trauma empfundene Gegner. Wenn Delhi in Afghanistan eine stärkere Rolle spielt, wird man sich in Pakistan Gedanken machen, wie man dagegen arbeiten kann."

Fahrplan zum Frieden?

Afghanischer Soldat mit Blume im Gewehrlauf (Foto: dpa)

"Kooperation muss sein, wenn es um den Friedensprozess geht"

Der paschtunisch-stämmige Rahimullah Yusufzai sieht jedoch Potential für eine Klärung des Konflikts. "Pakistan und Afghanistan sind Nachbarn - sie müssen miteinander kooperieren." Bis 2014 sei noch Zeit, um die Beziehungen zwischen beiden Ländern zu verbessern, so Yusufzai. "Sie müssen für bestimmte Konfliktpunkte klare Vereinbarungen treffen, dann haben sie einen Fahrplan, besonders im Hinblick auf den Friedensprozess."

Solche Vereinbarungen seien jedoch noch nicht in Sicht, da selbst die USA - der gemeinsame Partner der zerstrittenen Nachbarn - keinen klaren Fahrplan habe. In der Vergangenheit haben die USA immer wieder auf Indien als möglichen Nachfolger in der Verantwortung in Afghanistan verwiesen - für Pakistan eine bittere Pille. Viele Experten sind sich einig: So lange Indien und Pakistan ihre Rivalität um Afghanistan nicht überwinden, kann Pakistan weiterhin die Taliban in Afghanistan als Druckmittel instrumentalisieren und damit jeden Friedensprozess im Nachbarland torpedieren. Der Frieden am Hindukusch bleibt dann in weiter Ferne.

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