1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschland

Kabel Deutschland geht an die Börse

Der erste große Börsengang seit der Krise: Kabel Deutschland wagt sich aufs Börsenparkett. Jetzt wo der Start geglückt ist, erwägt das Unternehmen bereits erste Übernahmen.

Adrian von Hammerstein, Chef von Kabel Deutschland, läutet den Börsengang seines Unternehmens ein (Foto: DPA)

Adrian von Hammerstein, Chef von Kabel Deutschland, läutet den Börsengang seines Unternehmens ein

Kabel Deutschland (KDG) ist am Montag (22.03.2010) mit einem Volumen von 760 Millionen Euro an die Börse gegangen. 34,5 Millionen Aktien waren zu einem Preis von 22 Euro ausgegeben worden. Am ersten Handelstag stießen die Wertpapiere nur auf verhaltene Nachfrage. Bis zum Mittag bewegte sich die Aktie zwischen 22,11 Euro und 22,83 Euro. Der größte deutsche Kabelnetzbetreiber hatte bereits im vergangenen Jahr mit den Vorbereitungen für den Gang aufs Parkett begonnen. Es ist der erste große deutsche Börsengang seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise vor zweieinhalb Jahren.

Zufriedenheit beim Management

Trotz der niedrigen Nachfrage nach den Papieren sagte der Vorstandsvorsitzende des Kabelnetzbetreibers Adrian von Hammerstein im Hinblick auf den Börsengang: "Das ist absolut gelungen. Wir haben eine solide und breite Aktionärsbasis gewonnen und sind sehr zufrieden damit." Der Erfolg des Börsengangs sei ein gutes Zeichen für den deutschen Kapitalmarkt und die deutsche Wirtschaft insgesamt. Die eingespielten 760 Millionen Euro sollen dem Unternehmen zufolge ausschließlich dem Mehrheitseigentümer, dem US-Investor Providence, zufließen. Die Beteiligungsgesellschaft hielt zuletzt 88 Prozent an KDG und trennte sich mit dem Börsengang von etwa einem Drittel seiner Anteile. Vor sieben Jahren war der Finanzinvestor bei dem deutschen Kabelnetzbetreiber eingestiegen und hatte stark in das deutsche Unternehmen investiert; unter anderem in das schnelle Breitbandnetz.

Börse in Frankfurt (Foto: AP)

Bei den Aktienhändler an der Frankfurter Börse herrscht Hoffnung auf weitere große Börsengänge

In 13 Bundesländern ist der größte deutsche Netzbetreiber inzwischen vertreten und bietet neun Millionen Haushalten Fernsehanschluss, Telefon- und Internetdienste an. KDG hatte im Geschäftsjahr 2008/2009 einen Umsatz von 1,37 Milliarden Euro eingefahren und 72 Millionen Euro Verlust verbucht. Schon länger rechnet das Unternehmen mit einer Konsolidierung des deutschen Kabelmarktes und will expandieren. Viele kleinere Kabelgesellschaften könnten verkauft werden. Jetzt konkretisierte der Kabelnetzbetreiber seine Pläne: "Telecolumbus und PrimaCom sind interessante Themen", teilte Vorstandschef Hammerstein am Montag mit. Ob es bereits Gespräche mit den beiden Kabelgesellschaften gebe, sagte er nicht.

Weitere Börsengänge in den kommenden Tagen

Wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise hatten viele Unternehmen während der vergangenen zwei Jahre ihre Börsenpläne gestoppt oder waren, wie die Deutsche Bahn oder Hochtief Concessions, bereits vor der Erstnotiz gescheitert. Die Hoffnung, dass mit dem Börsengang der KDG nun die Angst vor dem Börsengang gebrochen ist, scheint indes berechtigt. In den nächsten Tagen treten weitere große Unternehmen aufs Parkett: Am Freitag will die Modekette Tom Tailor an der Börse starten, nächste Wochen sollen der Chemikalienhändler Brenntag und der chinesische Badeausstatter JoYou folgen.

Autor: Martin Schlupp (dpa, AFP, rtr)

Redaktion: Kay-Alexander Scholz