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Aktuell Deutschland

Kabarettist Dieter Hildebrandt ist tot

Er galt als moralische Instanz und wichtige Stimme im Kampf für Demokratie und Gerechtigkeit. Jetzt ist der Mitbegründer der Münchner Lach- und Schießgesellschaft im Alter von 86 Jahren an Krebs gestorben.

Dieter Hildebrandt starb nach Angaben seiner Frau Renate in der Nacht zum Mittwoch in einem Münchner Krankenhaus. Erst vor einem Tag war publik geworden, dass der Kabarettist schwer an Krebs erkrankt war. Die Diagnose Prostatakrebs hatte er im Sommer erhalten. Daraufhin sagte Hildebrandt alle Auftritte ab. Das Artikelbild zeigt den Kabarettisten und Schauspieler im vergangenen September in Dresden.

Nachdem sich sein Zustand vor wenigen Wochen gebessert hatte, entließen ihn die behandelnden Ärzte nach Hause. Dann habe es aber einen schweren Rückschlag gegeben, und er sei wieder in die Klinik gekommen, sagte seine Frau. Zuletzt lag er auf der Palliativstation. "Bis zum Schluss hatte er Pläne, hatte gekämpft und wollte sich im Dezember auf der Bühne der Münchner Lach- und Schießgesellschaft von seinem Publikum verabschieden. Er hätte uns noch so viel zu sagen gehabt", erklärten seine Kollegen des politischen Kabaretts in München.

Münchner Lach- und Schießgesellschaft 1966: (vl.n.r. : Hans-Jürgen (Juergen) Diedrich , Klaus Havenstein , Dieter Hildebrandt , Jürgen (Juergen) Scheller, Ursula Noack)

Dieter Hildebrandt (M.) im Kreis seiner Kollegen der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, 1966

Politische Stimme

Hildebrandt galt als einflussreichster Kabarettist in Deutschland. Jahrzehntelang las er den "Mächtigen" die Leviten. Alle Themen, die das Land bewegten, kamen ins Programm, pointiert, satirisch beleuchtet und gegen den Strich gebürstet. Für den ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß war Hildebrandts scharfe Zunge "politische Giftmischerei". Der Bayerische Rundfunk blendete ihn wegen "nicht gemeinschaftsverträglicher" Elemente gelegentlich aus dem Programm aus.

Anfang der 1950er Jahre war Hildebrandt als Platzanweiser zum Kabarett gekommen. 1955 gründete er in München-Schwabing das Kabarett "Die Namenlosen".

Nach dessen Auflösung gehörte er am 12. Dezember 1956 zu den Mitbegründern der "Münchner Lach- und Schießgesellschaft". In den 1970er Jahren trat er im ZDF in der Satiresendung "Notizen aus der Provinz" auf. Ab 1980 war Hildebrand in der ARD mit seiner Kabarettsendung "Scheibenwischer" zu sehen, aus der er sich erst 2003 aus Altersgründen zurückzog. Als letztes Projekt stellte er im November 2012 mit seinem Freund Dieter Hanitzsch das Online-Kabarett "Störsender.tv" auf die Beine.

Gauck: Hildebrandts Wirken war Einladung zum Nachdenken

Nach Bekanntwerden seines Todes würdigten Freunde, Kollegen und Politiker Dieter Hildebrandt als großen Kabarettisten. Für Bundespräsident Joachim Gauck war Hildebrandt "mehr als ein Mann des Kabaretts". "Sein Lachen, sein fragendes Schweigen, seine Zwischentöne, seine Attacken, seine Urteile, seine absichtsvollen Überzeichnungen - all das war für ihn kein Selbstzweck", sagte Gauck. Er habe dies, "wie unendlich viele Landsleute auch, als eine Einladung zum Nachdenken, auch zum Protest" empfunden. Hildebrandt sei scharfzüngig gewesen und habe dennoch nicht auf Menschlichkeit verzichten mögen. "Er konnte seine Mitmenschen ermutigen, Bürger zu sein", so Gauck

"Bayern verneigt sich mit Achtung und Respekt", sagte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). "Dieter Hildebrandt hat mit spitzer Feder und spitzer Zunge über Jahrzehnte Politikern in Deutschland den Spiegel vorgehalten." SPD-Chef Gabriel pries den Verstorbenen als "wohl charmantesten Kritiker" seiner Partei.

se/sti/kis (dpa, afp, Munzinger)

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