1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Digitales Leben

Künstlerkollektiv "Peng!" kritisiert deutsche Waffenexporte mit Fake-Kampagne

Mit einer gefälschten Kampagne gegen deutsche Kleinwaffenexporte will das Aktionsbündnis "Peng!" der CDU den Spiegel vorhalten. Die Fake-Initiative schaffte es sogar in die "New York Times".

"Seit der Flüchtlingskrise werden wir täglich vor unserer Haustür mit den Konsequenzen von Gewalt und Krieg konfrontiert", erklärt Brigitte Ebersbach, Vorsitzende des Ortsverbands Schwenke der Christlich-Demokratischen Union (CDU), in einem Facebook-Video. Begleitet von melancholisch-dramatischer Klaviermusik macht sie Deutschland als weltweit drittgrößten Waffenexporteur mitverantwortlich für Krieg und Terror.

"Als überzeugte CDU-Politikerin, Mutter von zwei Kindern und als Christin vor Gott kann ich dieses Handeln nicht länger mitverantworten", erklärt Ebersbach in dem Video und fordert einen Exportverzicht von Kleinwaffen, die laut Statistik weltweit 90 Prozent aller Kriegsopfer forderten. Am Ende des knapp zweiminütigen Videos wendet sie sich direkt an die Bundeskanzlerin: "Ihre christliche Wählerbasis appelliert an Ihr Mitgefühl!" Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, verkündet die engagierte Lokalpolitikerin zusammen mit ihren Mitstreitern die Gründung der Initiative "CDU.Mit.Gefühl."

Screenshot aus dem Video von der Seite cdu-mit-gefuehl.de (Copyright: cdu-mit-gefuehl.de)

Brigitte Ebersbach verkündet die Initiative "CDU.Mit.Gefühl"

Fake-Kampagne schaffte es in die "New York Times"

Waffenexporte stoppen und mehr Mitgefühl zeigen - Ein wichtiger Appell der christdemokratischen Basis an die Mächtigen in Berlin, könnte man meinen. Nur: Es gibt weder einen CDU-Ortsverband Schwenke in Nordrhein-Westfalen noch deren Vorsitzende Brigitte Ebersbach. Hinter der Aktion steckt das Künstlerkollektiv "Peng!" - ein Fake also. Der angebliche Aufruf gegen deutsche Waffenexporte aus der westdeutschen Kleinstadt schaffte es in den USA sogar auf die Webauftritte der großen Medienhäuser. Die Nachrichtenagentur AP war auf die "Peng!"-Kampagne hereingefallen und hatte die Initiative gegen deutsche Waffenexporte vermeldet. Die "New York Times", "Fox News" und "ABC News" übernahmen die Meldung und auch "Radio Vatikan" berichtete über den Appell von Brigitte Ebersbach. Mittlerweile wurde die Meldung wieder zurückgezogen.

"CDU.Mit.Gefühl" soll der Partei den Spiegel vorhalten

Wie konnte das passieren? Das Berliner Künstlerkollektiv hatte die Aktion minutiös geplant. Der Internetauftritt des angeblichen CDU-Ortsverbands Schwenke ist von denen anderer christdemokratischer Verbände kaum zu unterscheiden. Und auch "Brigitte Ebersbach" ist im Netz präsent. Mit 90 Freunden und persönlichen Fotos wirkt das Facebook-Profil der vermeintlichen Lokalpolitikerin durchaus authentisch. Mittlerweile veröffentlichte "Peng!" sogar eine Website mit einer Anleitung zum Bauen von Internetseiten für CDU-Organisationen.

Mit dem Fake-Aufruf zum Stopp von Waffenexporten möchte "Peng!" den Widerspruch zwischen den vermeintlichen Werten und dem Handeln der CDU aufzeigen: Mit den Worten "Okay, ganz ehrlich: die CDU ist gar nicht christlich" unterstreichen sie auf Twitter die Intention ihrer Aktion. Eine Partei, die sich das Attribut christlich auf die Fahne schreibe, sei mitverantwortlich für Krieg und Terror auf der ganzen Welt und verrate ihre eigenen Ideale, so der Tenor der Kampagne.

"Peng!" ist schon länger aktiv 

"CDU.Mit.Gefühl" war nicht die erste Aktion von "Peng!". 2015 schleuste das Kollektiv etwa einen Clown in eine Livesendung des Esoterik-Senders "Astro-TV" ein, um dem Sender die Lizenz zu entziehen. Im selben Jahr wurde eine Gegenaktion zu einer Werbekampagne der Bundeswehr gestartet. Unter dem Motto "Mach was zählt" klärte "Peng!" über die negativen Seiten des Militärdienstes auf.

WWW-Links