1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Künstlerische Erleuchtung am Kölner Dom

Der Künstler Gerhard Richter zählt zu den bedeutendsten Malern der Gegenwart. Seine Werke hängen in Museen auf der ganzen Welt. Für den Kölner Dom plant er jetzt ein monumentales Mosaikfenster.

default

So soll das Fenster einmal aussehen

Das Glasbild von Gerhard Richter ist nicht zu übersehen. Es misst mehr als 110 Quadratmeter. Die riesige Farbfläche im Dom setzt sich aus 11.250 farbigen Quadraten in 80 Farbtönen zusammen. "Das Fenster", so meint Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner, "wird ein bedeutender Beitrag der Gegenwartskunst zum Kölner Dom werden."

Der 74-jährige Kölner Maler wird für die Kathedrale neben der überwiegend mittelalterlichen Verglasung ein gegenstandsloses, modernes Farbfenster gestalten, also kein biblisches Motiv darstellen. Das bedeutet für das Domkapitel eine ebenso mutige wie qualitätsbewusste Entscheidung. Das neue Fenster wird im Südquerhaus eingesetzt und ersetzt das ursprüngliche Fenster, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Bislang war dort ein Ornament aus den 1950er-Jahren, mit nahezu transparentem Glas. Es ließ allerdings viel zu viel Licht durch.

Vom biblischen Bild zur abstrakten Fläche

11111.jpgGerhard Richter gestaltet Südquerhausfenster im Kölner Dom 2

Der Künstler Gerhard Richter

Die fast 157 Meter hohe Kathedrale bekommt mit Gerhard Richters Kirchenfenster ein prägendes Element des gotischen Sakralbaus wieder zurück. Denn schon lange vor dem Buchdruck war das gotische Kirchenfenster nicht nur biblisches Bildprogramm, vortechnisches "Bibel-TV" quasi, sondern auch Gleichnis fürs himmlische Jerusalem. Das Licht der Himmelsstadt Jerusalem erleuchtete den Dom und die Herzen der Menschen.

Gerhard Richter hat nun kein typisches "erzählendes" Fenster gestaltet - kein Heiliger, kein Evangelist, keine Apostel, keine Geburtsszene, keine Flucht aus Ägypten - sind darauf zu sehen. Es besteht allein aus abstrakten Farbflächen. Wer ein bisschen Sinn für moderne Kunst hat, muss zugeben, das ist großartig.

Nach dem Zufallsprinzip

Schon häufig hat Richter Farbflächen und Glasflächen gestaltet, für Gebäude wie die Düsseldorfer Hypo Bank, die der Kölner Architekt Oswald Mathias Ungers plante. Nicht ohne Grund bekam Richter 2004 den Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken. Christliche Symbole und Kreuze tauchen in zahlreichen seiner Werke auf.

Nach seinen einfarbigen Bildern vom Anfang der 1960er Jahre kamen die farbigen Raster- und Gitterstruktur-Bilder. Diese Muster nach dem Vorbild von Lackmusterkarten im Farbgeschäft sind entpersonalisiert, seriell, sie sehen aus, als seien sie industriell hergestellt. Die Farbscheiben im Dom-Fenster sind nicht auf- oder absteigend nach Farbtönen geordnet, sondern wie unendlich viele bunte Flecken füllen sie das Glas in einer "All over"-Struktur. Die Anordnung der einzelnen Farben geschieht per Computer - mit dem Zufallsgenerator.

Weltkunst für Welterbe

Das Glasfenster hat keinen Anfang und kein Ende, es weist über sich hinaus und wird vom Betrachter und vom Licht fortgesetzt. Nicht nur die Christenheit ist damit reich beschenkt worden. Gerhard Richter hat das Glasfenster der Hohen Domkirche und ihren jährlich fünf bis sechs Millionen Besuchern geschenkt. Es ist seine erste Arbeit für einen Sakralbau.

Richters Kirchenfenster ist ein großartiges Kunstwerk. Das Glasfenster wird ein Besuchermagnet, keine Frage. Von der Roten Liste des gefährdeten Unesco Welterbes ist der Kölner Dom seit Mitte Juli 2006 runter, auf der farbigen Liste der modernen Weltkunst ist er jetzt auch vertreten. Dom und Fenster, gotischer Bau und modernes Kunstwerk passen kongenial zusammen.

Die Redaktion empfiehlt