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Kunst

Künstlerin Rosemarie Koczy soll KZ-Aufenthalt erfunden haben

Sie sei keine Jüdin und auch nicht im Konzentrationslager inhaftiert gewesen. Teile ihrer Biografie habe sich die Künstlerin Rosemarie Koczy ausgedacht. Das sollen Nachforschungen der Stadt Recklinghausen ergeben haben.

Die Künstlerin Rosemarie Koczy soll fälschlicherweise behauptet haben, Opfer des Holocaust gewesen zu sein. In ihrer Biografie heißt es, sie sei jüdischer Abstammung und als Kind in ein Konzentrationslager deportiert worden. Dies entspreche jedoch nicht der Wahrheit, wie die Stadt und die Kunsthalle Recklinghausen jetzt bekannt gaben.

Anlässlich einer derzeit laufenden Ausstellung seien in ihrer Biografie mehrere Ungereimtheiten aufgefallen, erklärt Georg Möller, Historiker und Dezernent der Stadt Recklinghausen: "Keiner der Familienangehörigen tauchte namentlich in dem von der Stadt geführten Opfergedenkbuch auf." Nachforschungen hätten dann ergeben, dass die Recklinghäuser Künstlerin sowie ihre gesamte Familie väterlicher- und mütterlicherseits nicht jüdisch, sondern römisch-katholisch waren. Auch die Angabe, dass sie als Kind in die Außenstelle Traunstein des Konzentrationslagers Dachau deportiert worden sei und nur durch die Hilfe ihrer Mitgefangenen überlebt habe, ist nach Möllers Erkenntnissen frei erfunden.

Holocaust bestimmte künstlerisches Schaffen

Rosemarie Koczy wurde 1939 in Recklinghausen geboren und starb 2007 in New York. In der Nachkriegszeit wuchs sie zeitweise in einem katholischen Waisenhaus auf. Später zog sie für ihr Studium in die Schweiz. Seit den 1970er Jahren fokussierte sie sich in ihrem Schaffen auf den Holocaust. Ihre mehr als 12.000 Tuschzeichnungen fertigte sie in Gedenken an die Opfer der Shoah an.

Rosemarie Koczy

Rosemarie Koczy 1978

Auf der Rückseite hinterließ sie stets den Spruch: "Ich webe Euch ein Leichentuch." Ihre Werke sind in internationalen Sammlungen zu finden, zum Beispiel im Guggenheim-Museum in New York und in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem.

"Die Yad Vashem Kunstkollektion umfasst Arbeiten, die vor, während oder nach dem Holocaust entstanden sind. Diese können von Holocaust-Opfern, Überlebenden oder jenen, die sich in ihrem Schaffen der Shoah widmen wollen, stammen", so ein Sprecher des Yad Vashem gegenüber der DW in einem schriftlichen Statement. "Trotz Koczys angefochtenem Status als Überlebende ist ihre Kunst eine Antwort auf den Holocaust und damit auch zukünftig relevant für unsere Kollektion, weshalb die Werke auch hier bleiben werden."

"Koczy hat selbst immer wieder den Zusammenhang zwischen ihrer Kunst und ihrer Biografie in den Vordergrund gestellt", so Möller. "Insofern stellt sich natürlich die Frage, ob sich der Blick auf ihre Kunst nun verändert." Entscheidend sei, inwieweit die Rezipienten beim Betrachten von Koczys Werken ihre Biografie im Kopf hätten. 

Rosemarie Koczys Ehemann, Louis Pelosi, hat gegenüber der Stadt und der Kunsthalle die Vorwürfe, seine Frau habe in ihrer Biografie falsche Angaben gemacht, zurückgewiesen. 

pr/ka (mit WDR)

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