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Kultur

Künstlerin Rania Mleihi: "Die Welt steht auf dem Kopf"

Die Syrerin Rania Mleihi leitete das Open Border Ensemble der Münchner Kammerspiele, eine Plattform für geflüchtete Künstler. Mit der DW sprach sie darüber, wie Kunst auf Gewalt reagieren kann.

DW: Trifft der Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt unseren westlichen Lebensstil?

Rania Mleihi: Ja, auf jeden Fall. Es trifft jeden Menschen auf diesem Planeten. Es trifft uns alle. Das ist schrecklich und wahnsinnig traurig.

Ist die Tat ein weiterer Grabstein für die "Willkommenskultur"?

Das ist schwer zu sagen. Ich bin noch immer so erschrocken über das, was passiert. Übrigens nicht nur in Berlin, sondern auch in der Türkei und in Syrien, überall! Es ist nicht nur schlimm für die geflüchteten Künstler, sondern für alle Leute. Die Welt steht auf dem Kopf. Alle suchen wir einen sicheren Platz. Berlin zeigt: Es ist nicht mehr sicher, nirgendwo…

Gedichte junger Flüchtlinge im Rahmen des ILB 2016 (Stefan Rottkay/ThePoetryProject)

"Gedichte junger Flüchtlinge" im Haus der Berliner Festspiele

Sie leiten das Open-Border-Ensemble der Münchener Kammerspiele: Was heißt der Berliner Anschlag für Ihre Kulturarbeit mit Geflüchteten?

Das heißt eigentlich mehr Arbeit für uns! Unser Ziel war es ja, ein bisschen offener zu sein, positiv. Wir wollten einen anderen Blick auf die Menschen zeigen, nicht nur was in die Medien kommt. Aber unsere Arbeit ist zu Ende. Bei dem Abschlussfestival herrschte eine schöne Stimmung. Es waren Menschen aus Deutschland, aus vielen Ländern, Geflüchtete da. Egal, was passiert, wir glauben weiter an das Gute im Menschen. Was in Berlin geschehen ist, darf nicht sein. Ich bin traurig und schockiert. Mir fehlen die Worte.

Welche Botschaften setzt das Open-Border-Ensemble Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und Angst entgegen?

Die Botschaft ist ganz simpel eine Einladung, sich kennenzulernen. Die Leute haben Angst vor Fremden. Wir haben Angst, Ihr habt Angst. Jeder hat Angst. Angst ist überall. So ist die Situation. Die Kunst ist unsere einzige Möglichkeit, gegen solch schlimme Dinge anzugehen. Kunst ist fast das einzige, was immer bleibt.

Rania Mleihi, Jahrgang 1983, war Dramaturgin, Regisseurin und Produzentin am syrischen Nationaltheater in Damaskus. Zuletzt leitete sie das Open Border Ensemble der Münchner Kammerspiele, eine Plattform für geflüchtete Künstler. Mit Rania Mleihi sprach Stefan Dege.

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