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Kultur

Künstler zeigen "Mittelfinger des Ungehorsams"

Aus Angst davor, dass die aktuelle pro-demokratische Bewegung in Hongkong auch auf das Festland Chinas überschwappen könnte, greift die Pekinger Regierung hart durch - auch gegen Künstler.

Mit einem geöffneten blauen Regenschirm in der Hand steht der Dichter Wang Zang mit tiefschwarzer Sonnenbrille vor einer riesigen taiwanesischen Flagge. Nur wenn man genauer hinschaut, wird sein ausgestreckter Mittelfinger am rechten Bildrand sichtbar. Aus der Überzeugung heraus, dass China ein von Kommunisten "besetztes Gebiet" sei, verkündet Wang seine Unterstützung gegenüber den Demonstranten in Hongkong: "Vor uns ist zwar alles dunkel, aber der Mittelfinger des Ungehorsames und unsere Fäuste sind nicht dunkel."

Wangs Anwalt Sui Muqing vermutet, dass womöglich diese Botschaft auf dem in China verbotenen Kurznachrichtendienst Twitter der Grund sei, warum Wang Zang Anfang Oktober von der Staatssicherheit aufgesucht und festgenommen wurde. Wangs Frau sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AP, Polizisten hätten ihre Wohnung durchsucht und technische Geräte wie Computer und Router mitgenommen.

Bilder und Gedicht mit Folgen

Wang ist einer der vielen Künstlern, die sich von Chinas Festland aus für die Demokratiebewegung in Hongkong einsetzen. Auf Twitter ist ebenfalls ein anderes Bild zu finden, welches angeblich fünf Künstler zeigt, die ihre nackten Oberkörper mit einem roten Schriftzug bemalt haben und die Mittelfinger heben: "Unterstützung für Hongkong" ist auf ihrer Haut zu lesen.

Ursprünglich wollte Wang bei einer Lesung seiner Gedichte in Songzhuang, einem Künstlerviertel vor den Toren Pekings, mit vielen anderen Künstlern seine Solidarität gegenüber der Hongkonger "Occupy-Central"-Bewegung verkünden. Doch kurz bevor er dies tun konnte, griffen die Pekinger Polizisten zu und nahmen ihn fest. Die offizielle Anklage lautet: "Auslösung von Streitigkeiten und Erregung öffentlichen Ärgernisses".

"Ein klarer Verstoß gegen die Verfassung"

Mit dem gleichen Vorwand wurden neben Wang angeblich auch zahlreiche andere Künstler, die an der Lesung Wangs teilnahmen, festgenommen. Eine Webseite der chinesischen Bürgerrechtsbewegung "Weiquan Wang" berichtet, dass bis zum 15.10.2014 über 15 Künstler aus Songzhuang von der Polizei in Gewahrsam genommen worden seien. Vier davon seien verhaftet worden, weil sie in den chinesischen sozialen Netzwerken über eine mögliche Rettung der anderen inhaftierten Künstler beraten haben sollen, so "Weiquan Wang".

Rechtsanwalt Sui Muqing kann momentan für seinen Mandanten Wang wenig tun. Gegenüber der DW sagte Sui, dass er noch auf notwendige Genehmigungspapiere von seiner Kanzlei warte. Diese benötige er, um Wang überhaupt erst rechtlich vertreten zu dürfen. Die Ausstellung dieser Papiere könnte aber schwierig werden, da es sich bei seinem Mandanten um einen Kritiker der Regierung handelt und sich die Kanzlei mit der Verteidigung eines Dissidenten mit der Staatsmacht anlegen würde. Für Rechtsanwalt Sui ist jedoch klar: Wegen Fotos mit Regenschirm und Mittelfinger sollte niemand im Gefängnis landen. Die Handlung der chinesischen Staatssicherheit sei "ein klarer Verstoß gegen die Verfassung".

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