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Welt

Künstler Ai Weiwei auf freiem Fuß

Gut zweieinhalb Monate saß er im Gefängnis. Nun ist der chinesische Künstler und Regierungskritiker Ai Weiwei wieder frei. Angeblich hat er ein Geständnis wegen Steuerhinterziehung abgelegt.

Unbekannte Journalisten begrüßen Ai Weiwei vor seiner Wohnung (Foto: AP)

Unbekannte Journalisten begrüßen Ai Weiwei vor seiner Wohnung

Auf diese Meldung haben viele Sympathisanten und Unterstützer in aller Welt gewartet: Ai Weiwei hat die Gefängnistore hinter sich gelassen. Der Künstler habe seine "Vergehen zugegeben" und damit eine "gute Haltung" bewiesen, meldete die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Mittwoch (22.06.2011). Als weiteren Grund für die Freilassung nannte die Staatsagentur, dass Ai chronisch krank sei. Nach Polizeiangaben soll sich Ai bereiterklärt haben, einen großen Betrag hinterzogener Steuern zu zahlen.

Sein Gesundheitszustand sei gut, sagte der bekannte Regimekritiker, der inzwischen nach Hause zurückkehrt. Ai bedankte sich bei Reportern, die vor seinem Studio warteten, für deren Unterstützung. Er erklärte allerdings, unter den Bedingungen seiner Freilassung könne er sich nicht weiter dazu äußern.

Der international renommierte Künstler und prominente Kritiker der chinesischen Führung war am 3. April auf dem Pekinger Flughafen festgenommen worden, als er nach Schanghai fliegen wollte. Seitdem wurde er an einem unbekannten Ort festgehalten.

Ominöse "Wirtschaftsverbrechen"

Eine Aktivistin von Amnesty International demonstriert im April in Berlin für Ai (Foto: dpa)

Eine Aktivistin von Amnesty International demonstriert in Berlin für Ai

Die Regierung in Peking hatte lediglich mitgeteilt, dass ihm "Wirtschaftsverbrechen" vorgeworfen werden. Details nannte sie nicht. Die Polizei erließ zudem keinen offiziellen Haftbefehl gegen den 53-Jährigen.

Vor einem Monat warf die Polizei allerdings einer Firma von Ai Steuerbetrug vor. Xinhua berichtete damals unter Berufung auf die Polizei, die Firma Fake Cultural Development habe eine "riesige Summe" an Steuern hinterzogen. Wie es unter Berufung auf Vorermittlungen hieß, soll die Firma zudem "absichtlich Abrechnungsunterlagen zerstört" haben.

Totschlagargument Steuerbetrug?

Die Familie des Künstlers hat den Vorwurf des Steuerbetrugs in der Vergangenheit zurückgewiesen. Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen sind chinesische Behörden auch schon in anderen Fällen mit dem Vorwurf von Wirtschaftsverbrechen gegen Bürgerrechtler vorgegangen.

Farbige Vasen von Ai in einer Ausstellung in München (Foto: DW)

Kunstwerke von Ai in einer Ausstellung in München

Die Festnahme von Ai war international scharf kritisiert worden. Mehr als 100.000 Menschen unterzeichneten eine Petition für seine Freilassung, die von dem New Yorker Guggenheim-Museum initiert worden war. Auch die Bundesregierung und die US-Regierung forderten seine Freilassung.

Pläne für Protestaktion in Berlin

Erst am Mittwoch hatten die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller und andere deutsche Autoren angekündigt, dass sie den anstehenden Besuch von Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao in Berlin dazu nutzen wollten, um gegen die Inhaftierung des Künstlers zu protestieren. Das Literaturhaus Berlin und der Galiani Verlag luden zu einer Lesung der in China verbotenen und gelöschten Blogtexte des Künstlers ein. Die Blogtexte erscheinen Ende Juli im Berliner Galiani Verlag unter dem Titel "Macht euch keine Illusionen über mich". Wen Jiabao wird am Montag (27.06.2011) mit mehreren Ministern zu den ersten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen Berlin erwartet.

Vor einigen Tagen hatten der bekannte französische Konzeptkünstler Daniel Buren und der britische Skulpteur Anish Kapoor Solidaritätsaktionen für Ai angekündigt. Buren sagte, er wolle eine für Mitte Juli geplante Ausstellung in Peking absagen. Kapoor stellte einen ähnlichen Schritt in Aussicht: Er wollte eine für 2012 im Nationalmuseum in China geplante Ausstellung absagen.

Angesehen in aller Welt

Ai Weiwei (Foto: AP)

Ai Weiwei begleitete im November 2010 einen Künstlerkollegen zum Gericht in Peking

Der Regimekritiker genießt wegen seiner Kunstwerke und Installationen international hohes Ansehen. Als künstlerischer Berater war er auch an der Gestaltung des Olympiastadions in Peking beteiligt. Ais Holzkonstruktion aus Türen und Rahmen zerstörter chinesischer Häuser war eine der Hauptattraktionen auf der documenta in Kassel im Jahre 2007.

Ai Weiwei wurde 1957 in Peking geboren. Er studierte an der Filmakademie in Peking und lebte mehrere Jahre in den USA. Zuletzt avancierte der Künstler auch zum Blogger und nutzte Twitter - wie andere chinesische Aktivisten -, um Missbräuche der Polizei und Behörden anzuprangern. Ende April wurde er zum Gastprofessor an der Universität der Künste in Berlin berufen.

Autor: Reinhard Kleber (afp, dpa, dapd, rtr, epd)
Redaktion: Eleonore Uhlich

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