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Kultur

Kündigungsschreiben statt Weihnachtsgeld

Nach den Terroranschlägen vom 11. September bangen Tausende US-Bürger um ihre Jobs. Statt der erhofften Weihnachtsprämie gibt's oft den "Pink Slip".

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Jobsuchende in New York

Ein Kündigungsschreiben unter dem Weihnachtsbaum - so sieht das Albtraum-Szenario aus, das den New Yorker Investment-Händler Cedric umtreibt. Eigentlich hatte er wieder auf eine kräftige Weihnachtsprämie gehofft, so wie im vergangenen Jahr. Damals hat er sich von dem Geld ein neues Auto gekauft. Doch diese Hoffnungen sind seit den Terroranschlägen vorbei. "Jetzt rechne ich damit, statt eines Bonus einen "Pink Slip" zu bekommen." Der 29-Jährige ist nicht allein mit seiner Angst vor dem in den USA rosafarbenen Kündigungsbrief, der deshalb "Pink slip" heißt. Tausende US-Bürger zittern seit den Terroranschlägen vom 11. September um ihre Jobs. Für Angestellte aus allen Wirtschaftsbereichen wird der tägliche Gang zum Briefkasten zur Mutprobe. Statt des normalerweise üblichen Weihnachtsgeldes bekommen viele von ihren Firmen nur ein Kündigungsschreiben.

New York am schlimmsten betroffen

Nach der Statistik des New Yorker Arbeitsamtes verloren allein in den elf Wochen seit den Terroranschlägen rund 75.000 Menschen ihre Stelle. Die Behörde schätzt, dass in der Stadt rund 100.000 Stellen wegen der Terroranschläge gestrichen werden. Schon jetzt stieg in New York die Arbeitslosenquote nach den Anschlägen von 5,8 Prozent auf 6,3 Prozent. Dabei ist die Dunkelziffer der entlassenen illegal Beschäftigten in dieser Statistik noch nicht eingeschlossen, wie eine Vertreterin des New Yorker "Bündnisses für Immigranten" betont. Über die Konsequenzen der Terroranschläge für die Arbeitskräfte ohne offizielle Papiere ist daher nichts bekannt.

"Nicht einmal die Farbe finde ich mehr schön"

Landesweit wurden nach Angaben des Chefökonomen der US-Bank Merrill Lynch, Bruce Steinberg, allein im September rund 200.000 Angestellte entlassen. Die Zahl der "Arbeitsplatzverluste" nahmen seiner Prognose nach im Oktober noch zu. Hotellerie, Gaststättengewerbe und Unterhaltungssektor sind besonders von der Flaute betroffen.

Auf der Suche nach Arbeit standen rund 8000 Menschen, vom Bankangestellten bis zum Kellner, in der vergangenen Woche vor dem Eingang einer von der Stadt New York finanzierten Jobmesse am Madison Square Garden Schlange. Zu vergeben waren aber insgesamt nur 225 Stellen bei American Express, BMW, IBM und AOL Time Warner und Starbucks-Kaffehaus-Kette. Für Cedric ist es eine demütigende Vorstellung, sich möglicherweise schon bald in die Schlange einreihen zu müssen. Der drohende "Pink slip" hat ihm die Stimmung völlig vergällt: "Nicht einmal die Farbe finde ich mehr schön." (pg)