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Wirtschaft

Kühlregal-Sanktionen lassen Russen kalt

In einem Moskauer Supermarkt wissen die Kunden, dass manch Käse bald nicht mehr zu haben ist. Trotzdem begrüßen einige den Import-Stopp: "Wir sind ein großes Land, das wäre doch gelacht."

Im Supermarkt „Prerekrestok“ in Moskau sind die Regale voll, die Auswahl ist groß. Gemüse, Fisch, eine üppig gefüllte Käsetheke - hier gibt es fast alles. Viele Lebensmittel stammen aus dem Ausland. Rund ein Drittel des Angebots sei importiert, erklärt Vladimir Rusanow, Sprecher der Supermarkt-Kette. Trotzdem - man breche nicht in Panik aus angesichts des nun verkündeten Einfuhrstopps für ausländische Ware. „Wir haben viele Möglichkeiten, trotzdem ein breites Sortiment anzubieten.“

Seine Kunden bevorzugen importierte Produkte, sagt Rusanow. Die könne es nach wie vor geben - nur dann eben aus Staaten, über die kein Importbann verhängt wurde. Die Supermarktkette muss ihren gesamten Einkauf neu organisieren, muss niederländischen Käse, Lachs aus Kanada, Fleisch aus Deutschland und italienische Oliven ersetzen.

Importierte Waren in einem Moskauer Supermarkt (Foto: Charlotte Bolwin/DW)

Noch sind die Regale bei Prerekrestok gut gefüllt

Leere Regale wird es nicht geben, versichert Rusanow. Und während der Supermarkt-Sprecher das sagt, führt Russland bereits

Gespräche mit Südamerika

- Fleischlieferungen von dort sollen die aus Europa ersetzen.

Wie autark ist Russland?

Auch die meisten Kunden glauben nicht, dass der Import-Stopp zum Problem werden kann, mancher reagiert sogar euphorisch. „Wir müssen unsere eigenen Lebensmittel fördern“, sagt ein Kunde. „Wir lieben natürliche Nahrungsmittel und das Verbot wird letztendlich gut für Russland sein. Ich bin nicht gegen diese Entscheidung.“ Russische Lebensmittel seien sogar die besseren, findet eine Rentnerin. „Wir sind ein so großes Land, das wäre doch gelacht“, sagt sie. Russland habe keine Probleme, sich selbst zu versorgen. Eine These, die erst noch bewiesen werden muss.

„Ich will nicht zurück in die Neunziger“, sagt eine andere Kundin - und spielt damit an auf die leeren Regale dieser Zeit. Das Einfuhr-Verbot finde sie bedenklich, sagt sie. Ein junger Mann pflichtet ihr bei - er fürchtet, dass die Auswahl sich stark verringern wird. Das sei natürlich schade um Produkte wie Nüsse, Oliven und Käse. Aber auch an sich steht er dem Import-Stopp sehr kritisch gegenüber: „Man begrenzt uns. Das ist sehr negativ.“

Der in Russland lebende Deutsche Marius Kuhn (Foto: Charlotte Bolwin/DW)

Kann auch ohne Parmaschinken leben: Marius Kuhn

Wen die Sanktionen treffen, bleibt abzuwarten

Marius Kuhn lebt seit mehr als zwei Jahren in Russland. Seit zwei Monaten wohnt der 35-jährige Deutsche in Moskau und arbeitet bei einem deutschen Technologiekonzern. Er sieht keinen Sinn in diesen Sanktionen, die seiner Meinung nach Russland genauso treffen werden wie Europa oder USA. „Ich weiß nicht, was dahinter steckt und was Russland damit genau erreichen will“, sagt er.

Die Sanktionen werden zum größten Teil die obere Mittelschicht in den Ballungszentren des Landes treffen, vermutet er. Tatsächlich sind Import-Produkte für Durchschnittsverdiener viel zu teuer. „Natürlich treffen die Sanktionen auch EU-Länder“, sagt Kuhn. Aber Deutschland sei

nicht so abhängig von seinen Exporten

nach Russland wie andere Länder.

Importierte Waren in einem Moskauer Supermarkt (Foto: Charlotte Bolwin/DW)

Wohl leichter zu ersetzen als französischer Spezialkäse, eine Fischfangnation ist Russland schließlich selbst

Dass ihm in Zukunft beim Einkauf etwas fehlen wird, glaubt er nicht. So wichtig seien ihm ausländische Produkte auch gar nicht. „Natürlich ist es eine schöne Annehmlichkeit, 24 Stunden am Tag Schinken aus Italien und Schweizer Käse kaufen zu können. Aber das geht ohnehin nur in Moskau und Sankt Petersburg“, sagt er. Es werde in Moskau wohl trotz Sanktionen weiterhin eine große Vielfalt an Produkten geben. Als reines Luxusproblem versteht Marius Kuhn den Import-Stopp dennoch nicht. „Der Ukraine-Konflikt zeigt leider, dass der Frieden in Europa keineswegs selbstverständlich ist“, sagt er. Vom Importverbot seien viele Menschen betroffen - das könne doch vielleicht dazu beitragen, den Konflikt friedlich zu lösen.

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