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Europa

Kühlende Elemente

Sonnenenergie betreibt Klimaanlagen und Wind kühlt das Haus – während im Großteil der Mittelmeerregion elektrisch betriebene Klimaanlagen Strom fressen, wird in Ägypten und Israel mit neuen Techniken experimentiert.

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Der Baustil in Israel ist der Hitze angepasst

An heißen Tagen fließen in den Ländern rund um das Mittelmeer bis zu 80 Prozent des Strombedarfs in elektrisch betriebene Klimaanlagen. Das belastet gerade die Haushaltskassen von Familien mit niedrigem Einkommen. In Sharm el Sheikh in Ägypten installierte das Naturschutz- und Umweltzentrum 2007 eine durch Sonne betriebene Kühlungsanlage. Kernstück der Pilotanlage sind Vakuumrohre, so genannte "Solar Tubes", die auf dem Dach aufgebaut wurden. Hintereinandergelegt ergäben die 720 Hightechrohre eine Länge von 1,5 Kilometern.

Kühlschrank ohne Strom

alternative Kühlungstechnologien

Die Vakuumrohre "Solar Tubes" sind das Kernstück der Kühlanlage

Das solare Kühlungssystem funktioniert problemlos und praktisch wartungsfrei: In den lichtdurchlässigen Vakuumrohren erhitzt eine Spezialflüssigkeit mit Hilfe von Kupfersonden zirkulierendes Wasser auf über 85 Grad. Das System basiert auf einem thermo-chemischen Umwandlungsprozess: In einer Absorbtionskälteanlage, den sogenannten "absorbtion chillars", wird die Wärme abgezogen und in kühle Luft umgewandelt. Das Prinzip funktioniert ähnlich wie ein Kühlschrank, nur fast ohne Strom. Es ist die bislang einzige Anlage dieser Art auf dem Sinai. Mit ihr gelang es, den Energieverbrauch des Gebäudes um 47 Prozent zu senken.

Ergebnisse in Ägypten rechnen sich noch nicht

Dass dieses Vorzeigeprojekt für solares Kühlen gebaut wurde, verdankt Agamawy einem Wettbewerb der Europäischen Union, der in den meisten südlichen Mittelmeerländern durchgeführt wurde - dem MED-ENEC-Projekt. Zusammen mit der Ägyptischen Gesellschaft für Solarenergie hatte er das Projekt 2006 vorgeschlagen und dann auf den Weg gebracht. Die für eine Wiederauflage benötigte Investition beträgt 90.500 Euro im Vergleich zu einer herkömmlichen Klimaanlage zum Preis von 10.000 Euro. Die EU übernahm die Kosten.

Ägypten gehört allerdings zu den Ländern, die über eigene Erdgas- und Ölvorräte verfügen. Energie ist entsprechend billig zu haben. Hier amortisieren sich die Investitionen daher erst nach 27 Jahren. In Israel dagegen hätte der Betreiber dieser solaren Kühlungsanlage sein Geld bereits nach neuneinhalb Jahren wieder eingespielt.

Natürliche Kühlung durch Wind

In einem Projekt in Israel ist man einen anderen Weg gegangen: Mit Windtürmen, den sogenannten "Malkafs", wird ein 1.482 Quadratmeter großes Umweltzentrum in Sakhnin, das "Green Buildung", auf natürliche Weise gekühlt.

alternative Kühlungstechnologien

Die drei Türme leiten kühlenden Wind ins Innere

Drei Türme fangen den kühleren Wind in einer Höhe von zwölf Metern ein. Diese schwere Luft fällt herab, tritt in die Räume ein und kühlt sie. Ein Nebelwerfer in der Spitze befeuchtet die Luft. Hierdurch tritt sie noch kälter und mit höherem Tempo aus. Im Norden Israels herrscht ein gemäßigtes Klima vor. Selbst an heißen Tagen sind es bei 35 Grad im Schatten im Haus nur 22 oder 23 Grad, und das ohne jeden Stromverbrauch.

Das "Green Buildung" vereinigt traditionelle und moderne Elemente. Das geräumige, zweistöckige öffentliche Gebäude ist aus massivem, gut isolierendem Stein erbaut und durch zahlreiche Kuppeln auf dem Dach und geflochtene Fensterblenden zusätzlich gegen die Sonneneinstrahlung geschützt. Das Zentrum wurde für Schulungszwecke und angewandte Forschung wie auch zur Entwicklung traditioneller und modernen Technologien eingerichtet. Außerdem dient es der kommunalen Vereinigung für Umweltqualität (TAEQ) als Sitz.

Autor: Marcel Seyppel
Redaktion: Sandra Voglreiter

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