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Niederrheinisch

Kühe-Schubsen oder Beten?

Hier gibt es nur Kühe, endlose Kohlfelder und die immer gleichen Backsteinhäuser. Dennoch zieht der Niederrhein die Massen an. Jährlich pilgern rund 1 Million Menschen nach Kevelaer.

Angeblich ist Kühe-Schubsen der Volkssport der Niederrheiner. Das streitet man am Niederrhein aber ab: Wer schon einmal vor einer Kuh gestanden habe, wisse wie schwer so ein Tier ist und käme nie auf die Idee, die Kuh zu schubsen, sagen die Einheimischen.

Kühe und Pferde
Witze über ihre angebliche Lieblingssportart nehmen einem die Niederrheiner aber nicht so übel. Das merkt man gleich. Denn sie gelten als äußerst umgänglich, in sich ruhend, offen und ehrlich, gemütlich. Sie sind einfach Menschen, mit denen man Pferde stehlen kann.

Die Niederrheiner sind sehr verwurzelt in der Region, sie lieben das Flachland und nicht die Berge. Dazu die vielen Backsteingebäude, die man so ähnlich auch in den Niederlanden findet und die endlosen grünlich-blauen Kohlfelder. Die Landwirtschaft hat die Menschen geprägt; die echten Einheimischen sind alle dem Land verbunden. Und der Rhein ist die Lebensader des Gebiets.

Ein Mekka für Radfahrer – und Pilger
Und diese Gegend bietet natürlich optimale Möglichkeiten zum Fahrradfahren. Nur wenn der Wind über das flache Land fegt, kann man Probleme bekommen. Aber eine andere sehr reizvolle Option ist, sich zu Fuß aufzumachen, und da bietet sich natürlich das Pilgern an. Die Gegend wird immer weiter und der Niederrhein scheint einfach nicht aufzuhören.

Es kommen Fußpilger von weit her, Radfahrer oder auch Pilger per Bus oder Privatwagen. Zuerst ziehen die Wallfahrer zur Gnadenkapelle in Kevelaer, stecken ihre Kerzen an und gehen den schönen Kreuzweg entlang. Manche, die über Nacht hier bleiben, machen abends sogar eine Lichterprozession.

Antike, Mittelalter und Atomkraft
Und auch sonst gibt es hier am Niederrhein vieles zu besichtigen: Xanten, die Römer-, Dom- und Siegfriedstadt, oder das mittelalterliche Kalkar etwa. Seine treppenförmigen Backsteingiebel stehen in krassem Kontrast zu einer weiteren Sehenswürdigkeit Kalkars: Der so genannte Schnelle Brüter, ein Atomkraftwerk vor den Toren der Stadt.

Zehntausende Demonstranten aus der Anti-Atomkraft-Bewegung verhinderten 1986 die Inbetriebnahme. Und so ist einer der Touristenmagneten Kalkars heute das "Kernwasser-Wunderland" – ein Freizeitpark im Kühlturm des "Schnellen Brüters".

Fisternölleke und Schottelplack
Reizvoll ist auch die Nähe zu den Niederlanden, die sich ja auch in der Mundart niederschlägt. Und wenn man alles gesehen hat, dann kann man sich bei einem typisch niederrheinischen Fisternölleke ausruhen. Das ist ein Korn mit einem Zuckerstückchen darin und schmeckt – laut den Einheimischen – hervorragend.

Das besondere an dem Getränk ist sicherlich das Wort, denn es gehört wahrscheinlich zu den Top Ten des niederrheinischen Wortschatzes. Auf der ersten Position dieser Top Ten steht jedoch unangefochten das Wort Schottelplack. Das ist jedoch nichts anderes als ein Spültuch und niemand weiß, warum dieses Wort so beliebt ist.

Übrigens auch in den benachbarten Niederlanden, also in Limburg und im Gelderland ist es ein beliebtes Wort und steht in jedem Dialektwörterbuch. Manche Leute schlagen deshalb vor: Wenn mal eine niederrheinische Fahne entworfen wird, dann muss der Schottelplack mitten darin prangen.

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