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Welt

Küche, Kinder, Karriere – Marokkos Frauen wollen nach oben

Heute haben Frauen im islamisch geprägten Marokko fast die gleichen Rechte wie Männer. Ein Erfolg, sagen viele. Eine falsche Entwicklung, sagen andere. Spaltet sich das Land in Modernisierer und Traditionalisten?

Werden Sitten und Bräuche vernachlässigt?

Werden Sitten und Bräuche vernachlässigt?

Frauen in Marokko

Frauen in Marokko

Erst im Februar 2004 setzte Mohammed VI., König von Marokko ein Gesetz namens Moudawanna durch. Darin wurden Frauen als Person und in Familien mehr Rechte zugestanden. Gleichzeitig schaffte der König seinen Harem ab und heiratete die Akademikerin Salma Bennani. Sie ist jung, gebildet und selbstbewusst, ein Idol für die Frauen Marokkos - und er ist stolz auf sie und auf das, was sie macht. Der König beruft sich mit seiner Einstellung auf den Koran: „Mein Vorfahre, der Prophet Mohammed hat gesagt, dass Frauen und Männer vor dem Gesetz gleichgestellt sind." Diese Einsicht hilft den Frauen Marokkos bei der Entscheidung zwischen Familie und Karriere. Denn es ist für sie leichter geworden zur Arbeit zu gehen und einen Beruf auszuüben.

Hin und Her zwischen Karriere…

Mittlerweile gibt es mehr Frauen an den marokkanischen Universitäten als Männer. Ihre Chancen sind gestiegen, nach dem Studium oder einer Ausbildung ins richtige Berufsleben einzusteigen. Dadurch könnten sie besser am wirtschaftlichen Leben des Landes teilnehmen, sagt Iraqui Bouthayna, Vorsitzende von AFEM, "sie können jetzt sogar eigene Unternehmen gründen." AFEM steht für „Association des Femmes Chefs d’Entreprises“, eine Organisation, die Frauen in Marokkos Wirtschaft stärker etablieren will.

König Mohammed VI heiratet Salma Bennani

König Mohammed VI heiratet Salma Bennani

Zum Beispiel in der Textilindustrie: Sie ist ein starker Wirtschaftszweig in Marokko. Hier bieten sich viele Arbeitsplätze für Frauen. Doch die Textilindustrie ist durch die Marktstellung der asiatischen Länder gefährdet. Außerdem sind die Umstände und die Bezahlung in der Branche immer noch relativ schlecht. Bessere Verhältnisse bieten da Jobs in Call-Centres. Genau das ist der Bereich, in dem Frauen Karriere machen können, meint Rifki Bouchra. Sie ist selbst Unternehmerin und gründete die Firma „Orange.com“. In der Kommunikationsfirma kommt es auf gute Aussprache, Freundlichkeit und Natürlichkeit an. Das bringen Frauen meist von Natur aus mit. Bei Männern höre man, dass sie einen Text nur auswendig gelernt hätten.

… und Familie

Es gibt aber auch viele Frauen die genau gegensätzlicher Meinung sind. Ihr Credo: Frauen in der marokkanischen Gesellschaft sollten nicht arbeiten. Doch das ist oft leichter gesagt als getan: Viele Frauen müssen zum Lebensunterhalt der Familie beitragen - und sind daher auf Arbeit angewiesen. Dazu gehört die Crêpesverkäuferin Hadja Zohour. “Ich wollte nicht arbeiten gehen, aber ich war dazu gezwungen. Nur so konnte ich die Kinder in die Schule schicken und nach Mekka pilgern. Meiner Meinung nach aber ist es besser für die Frauen, zuhause zu bleiben, wenn sie können. Eine Frau die arbeitet, das ist eine Schande!“

Hadja Zohour ist nicht die Einzige, die so denkt. Als Gegenbewegung zu den fortschrittlichen, reformfreudigen Marokkanern haben sich fundamentalistisch eingestellte Verfechter des Islam zusammengeschlossen. Sie wollen die Emanzipation der Frau aufhalten und wieder zu alten Sitten und Werten zurückkehren.

Die Herausforderung lohnt

Drei Frauen in Marokko

marokkanische Aktivistinnen für Menschenrechte

Veränderungen bringen neue Herausforderungen. Für die einen ist das der Aufbruch zu neuen Ufern, für die anderen die Abkehr von Altbewährtem hin zum Ungewissen. Eine Umfrage in der marokkanischen Bevölkerung ergab, dass 24% der Männer nicht wollen, dass ihre Frau arbeitet. 75% der Männer unterstützen hingegen die Berufstätigkeit ihrer Frau. Es ist ein Kampf zwischen Tradition und Moderne. Die Statistik zeigt, dass sich die Mühe lohnt, meint Nadira Barkallil, Gelehrte für Wirtschaftswissenschaften. Sie ist davon überzeugt, "dass das Teil des Kampfes ist. Hoffen wir, dass wir diese Herausforderung meistern werden.“

Autorinnen: Nadia Chakroune und Mireille Dronne
Redaktion: Peter Koppen

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