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Alltagsdeutsch – Podcast

Körpersprache

Der Körper ist das Spiegelbild der Seele. Ist jemand traurig oder froh, gestresst oder wütend – die innere Stimmung drückt sich meist körperlich aus. Auch in der Sprache ist das Zusammenspiel von Körper und Seele präsent

Humphrey Bogart und Ingrid Bergman im Film Casablanca. beide schauen sich tief in die Augen

Blicke sagen oft mehr als Worte

Sprecher:
Lassen Sie uns unseren Ausflug durch die Körpersprache beim Kopf beginnen. Der Kopf ist in vielen Redewendungen ein Bild für Geist und Rationalität. Sätze wie " Er ist ein kluger Kopf" oder auch " Er ist nicht auf den Kopf gefallen" bringen Anerkennung für einen intelligenten Menschen zum Ausdruck.

Sprecherin:
Jeder möchte natürlich gerne ein kluger Kopf sein, darum muten wir unserem Kopf manchmal auch zu viel zu. Wenn wir zu angestrengt über eine Sache nachdenken, dann bekommen wir irgendwann Kopfschmerzen. Die Schädeldecke scheint regelrecht zu zerspringen. Das Problem oder die Fragestellung macht uns Kopfzerbrechen.

O-Töne:
"Wenn ein Mensch zu viel nachdenkt und mit dem Kopf sich steuert und dann, ja, ins Grübeln kommt. / Kopfzerbrechen heißt, dass ich zu viele Gedanken habe und mich nicht entscheiden kann, welchen Gedanken ich als erstes denken soll. Dann habe ich Kopfzerbrechen. Es zerbricht mein Fassungsvermögen."

Sprecher:
Vor lauter Kopf kommt bei uns der Bauch oft zu kurz. Der Bauch ist Sitz der Gefühle, so sagt man. Hier empfinden wir Freude, Trauer oder auch Wut. Auch die Redewendungen bringen den Bauch mit starken Gefühlen in Zusammenhang. Wenn wir uns sehr ärgern, dann zieht sich mitunter den Magen zusammen. Wir haben eine Wut im Bauch. Wenn wir hingegen verliebt sind, merken wir das daran, dass wir so ein verräterisches Kribbeln im Bauch spüren. Das fühlt sich dann an, als ob ein aufgeregter Schmetterlingsschwarm durch unseren Bauch flattern würde – wir haben Schmetterlinge im Bauch, wie der Volksmund sagt.

Sprecherin:
Ich habe zwei Frauen gefragt, ob sie schon einmal Schmetterlinge im Bauch hatten.

O-Töne:
"Vielleicht vor dem ersten großen Rendezvous oder vielleicht vor dem ersten Zum-Essen-Gehen. Wie reagiert er? Stellt er die Frage, oder stellt er sie nicht? So was in der Richtung. Ja, aufgeregt. I am so excited. / Ja. Oft. Manchmal auch jetzt noch, wenn mein Mann kommt. Die hab' ich immer noch, wenn ich ihn sehe. Nach 35 Jahren immer noch."

Sprecherin:
Ein gutes Gefühl also. Schmetterlinge im Bauch werden bei diesen Frauen offensichtlich von dem Mann ihrer Träume hervorgerufen. Bei der jüngeren ist es die Aufregung vor dem ersten Rendezvous. Bei der älteren die freudige Erwartung des Ehemanns. Wenn alles gut geht, dann haben wir ein angenehmes Kribbeln im Bauch.

Sprecher:
Auch wenn wir einer Liebe lange hinterher trauern und uns gar nicht vorstellen könne, dass es wieder einmal einen anderen oder eine andere gibt – irgendwann verlieben wir uns dann doch wieder neu und meistens fängt alles mit den Augen an. Nicht umsonst fordert Humphrey Bogart die schöne Ingrid Bergman in dem Klassikerfilm "Casablanca" auf, im tief in die Augen zu schauen. Was sie hier zu sehen bekommt, ist nicht überliefert. Wir wissen aber, dass sie ihn nach dem Blick in seine Augen mehr liebte als je zuvor.

Sprecherin:
Das scheint sich herumgesprochen zu haben. Ein junger Mann, den ich hierzu befragte, konnte sich die Liebe ohne einen verführerischen Blick in die Augen gar nicht vorstellen.

O-Ton:
"Augen ist eigentlich das, womit ich flirte, womit ich Kontakt aufnehme, womit ich mich meinem Gegenüber vorstelle und jemandem schöne Augen zu machen, das heißt zu signalisieren, dass ich jemanden interessant finde und dass ich mich auch von einer schönen Seite zeigen will. Das ist ein Lockmittel."

Sprecherin:
Dieser junge Mann überlässt es offensichtlich nicht dem Zufall, ob es zum Augenkontakt kommt oder nicht. Wenn eine Frau ihm gefällt, dann macht er ihr schöne Augen. Das heißt, er kokettiert mit ihr über die Augen. Traditionell würde man eigentlich eher daran denken, dass eine Frau einem Mann schöne Augen macht als umgekehrt. Die Frau, die ich darauf ansprach, wollte davon aber gar nichts wissen.

O-Ton:
"Also, das ist eine Tätigkeit von Damen, die hab' ich nie gekonnt, war mir peinlich. Kam ich mir wie 'nen Huhn auf der Stange vor. Mit 'nem großen Schild um den Hals 'Ich suche, ich suche', so was in der Richtung."

Sprecherin:
Ich persönlich finde das ja nicht so schlimm, einem Mann schöne Augen zu machen. Schließlich kann man als Frau nicht immer nur darauf warten, dass der Mann die Initiative ergreift, wenn man ein Auge auf ihn geworfen hat. Wenn man sich also für ihn interessiert. Man muss ihn ja nicht gleich mit den Augen verschlingen oder mit den Augen ausziehen. Das wiederum könnte tatsächlich schief gehen oder – wie man auch so schön sagt – das könnte ins Auge gehen.

Sprecherin:
Stellen Sie sich vor, Sie hatten den Tag über viel Ärger bei der Arbeit. Sie kommen erschöpft nach Hause und sehnen sich nach Ruhe. Aber die gibt es dort nicht, weil ihr Sohn vielleicht gerade seine neuen Musikboxen ausprobiert. Sie gehen in die Küche und stellen fest, dass Ihre Kinder dort das absolute Chaos veranstaltet haben. Hand aufs Herz: Würde Ihnen da nicht auch die Galle überlaufen?

O-Töne:
"Doch, das kenn' ich. Und das fühlt sich dann auch so an. Also, Magen zieht sich zusammen, es ist wirklich so, als würde da Galle einfach überlaufen, als wär' das Maß jetzt voll und der Zorn steigt hoch. / Wenn einem die Galle überläuft, wird man ärgerlich, das heißt, man sagt dann auch ' Die Hutschnur reißt'. Man nimmt sich zusammen und dann kommt noch ein Punkt dazu und dann wird man halt sehr böse. Ein anderes Sprichwort: ' Das Fass läuft über'. Alles das Gleiche. / Wenn man sich maßlos ärgert, also man sagt so, man ärgert sich grün oder so, nech?"

Sprecher:
Die Galle läuft uns offensichtlich dann über, wenn wir mit unserer Geduld am Ende sind. Die Redewendung hat einen ganz realen Hintergrund, denn die Galle, die gelbliche Absonderung der Leber, gerät bei zorniger Erregung in Fluss. Wenn uns die Galle überläuft, dann ist unserer Empfindung nach das Maß voll, das heißt, das, was uns ärgert, geht über das erträgliche Maß hinaus. Das bringt dann – ganz anschaulich – das Fass zum Überlaufen – oder auch – es reißt uns die Hutschnur, beziehungsweise es geht uns über die Hutschnur. Die letzte Redensart bezieht sich auf das Band, das unter dem Kinn zusammengebunden wurde und den Hut auf dem Kopf hielt. Die Hutschnur wurde auch als Maßeinheit benutzt. Was über die Hutschnur ging, das ging über das erlaubte Maß hinaus. Wenn uns etwas über die Hutschnur geht, dann kann uns das so ärgern, dass wir grün im Gesicht werden, wir ärgern uns grün darüber. Man kann sich aber auch schwarz oder auch gelb und grün ärgern. Unsere Stimmungen spiegeln sich am sichtbarsten in unserer Haltung wieder. Sind wir mutlos und verzagt, lassen wir den Kopf hängen. Sind wir voller Tatendrang, richten wir uns auf. Ein erhobener Kopf und eine herausgestreckte Brust signalisieren Anderen Selbstsicherheit. Es gibt Menschen, die wie ein aufgeplusterter Gockel umherlaufen, sie werfen sich mit anderen Worten in die Brust.

O-Ton:
"So'n italienischer Macho, der die Brust rausstreckt und sich ganz klasse findet, weil er ja so schön ist, zum Beispiel, oder weil er irgendeine Frau angesprochen hat oder irgendetwas ganz Tolles gemacht hat."

Sprecherin:
Dieser Mann ist sich offensichtlich seiner Männlichkeit sehr bewusst. Er wirft sich wahrscheinlich immer dann besonders in die Brust, wenn Frauen in der Nähe sind. Im übertragenen Sinne prahlt er mit etwas oder – um bei der Brust zu bleiben – er brüstet sich mit einer Sache. Tatsache ist, dass jemand, der die Brust rausstreckt, auf andere viel selbstbewusster wirkt als einer, der die Schultern nach vorne zieht.

Sprecher:
Schultern, Nacken und Rücken sind Körperteile, die in Stresssituationen besonders zu leiden haben. Auf den Schultern und dem Rücken tragen wir ganz konkrete Lasten, aber auch psychische Belastungen. So heißt es im Deutschen beispielsweise, dass Verantwortung auf den Schultern ruht. Und es wird oft gar nicht gerne gesehen, wenn jemand dieser Verantwortung nicht gerecht wird und etwas auf die leichte Schulter nimmt.

O-Ton:
"Etwas nicht einschätzen können, vielleicht auch eine Negativ-Erfahrung machen müssen, weil man etwas auf die leichte Schulter genommen hat und etwas nicht so schwerwiegend gesehen hat, wie es vielleicht eigentlich ist. Ansonsten, etwas auf die leichte Schulter heißt ja vielleicht auch, etwas nicht so schwer nehmen, das heißt auch, das Leben an sich vielleicht mit einer gewissen Lockerheit zu durchleben, also nicht so verbissen und nicht so ernst zu sein."

Sprecherin:
Es hat also nach Ansicht dieser Frau durchaus auch etwas Positives, wenn man eine Angelegenheit auch mal auf die leichte Schulter nimmt, wenn man sie also nicht mit dem nötigen Ernst behandelt. Wenn wir hingegen das Gefühl haben, dass uns etwas im Nacken sitzt, hört der Spaß für die meisten auf

O-Töne:
"Tja, das ist 'was ganz Bedrohliches, finde ich. Wenn was im Nacken sitzt, dann ist da was, was ich nicht sehen kann und wo ich aber spür', dass das ich bedroht, von hinten. / Also im Nacken hat mir zum Beispiel die Entscheidung gesessen, soll ich mich selbständig machen, soll ich auf eine ganz normale Anstellung als Arbeiter verzichten, sondern soll ich mich auf meine eigenen Beine stellen."

Sprecherin:
Es ist also nicht so angeraten, etwas auf die leichte Schulter zu nehmen, das einem im Nacken sitzt. Dem befragten Herrn saß beispielsweise die Entscheidung im Nacken, ob er sich auf eigene Füße stellt, das heißt in diesem Fall, ob er sich selbständig macht oder nicht. Wenn uns zu vieles im Nacken sitzt, kann es mitunter ganz befreiend sein, sich etwas davon vom Halse zu schaffen.

O-Töne:
"Sich einer Last entledigen oder auch sich eines Mitbewerbers entledigen, sich eines Konkurrenten, eine Bürde, eine Last, egal wie, fortschaffen, vom Halse. / Wenn ich mir etwas vom Halse schaffen muss, dann merke ich's eben halt daran, dass es mich permanent verfolgt, und es sind meistens unerledigte Dinge."

Sprecher:
Lassen Sie uns unseren Körper noch weiter herunterwandern, zu unseren Beinen und Füßen. Sie sind wichtig für einen sicheren Stand im Leben. Wir können nur dann standhaft sein und uns nach außen vertreten und behaupten, wenn wir fest mit beiden Beinen auf dem Boden stehen.

O-Ton:
" Mit beiden Beinen auf dem Boden stehen, das heißt, keine Traumschlösser vor mir aufzubauen und denen nachzulaufen, sondern wirklich die Möglichkeiten dieses Lebens auszuschöpfen und auch das zu tun, was realistisch ist."

Sprecherin:
Jemand, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht oder auch mit beiden Beinen mitten im Leben steht, ist somit ein lebenstüchtiger Mensch, der die Dinge realistisch sieht. Solche Menschen sind zu beneiden. Sie sind durch Krisen nicht so leicht zu erschüttern, sie fallen immer wieder auf die Füße wie eine Katze, die auch dann unverletzt bleibt, wenn sie beispielsweise mehrere Stockwerke tief aus einem Fenster fällt. Aber vom Himmel fällt eine solche Gabe ja bekanntlich auch nicht. Als junger Mensch muss jeder irgendwann mal lernen, auf eigenen Füßen zu stehen. Frauen, die Kinder haben, wissen am besten, was damit gemeint ist.

O-Töne:
"Wenn die Kinder aus dem Haus gehen und dann auf eigenen Füßen stehen, selbst verantwortlich sind für ihre Dreckwäsche und die Milch, die im Kühlschrank steht. / Dass man also sein Leben in der Hand hat, denke ich mal, dass man also, ja, weiß, wo's lang geht, so ungefähr denke ich mir das. Oder, ja, dass man sein Leben einfach im Griff hat."

Sprecher:
Sein Leben in der Hand haben oder sein Leben im Griff haben heißt also soviel wie, sein Leben meistern. Was wir in der Hand oder im Griff haben, das unterliegt unserer Kontrolle, wir können unser Leben gestalten, wie ein Handwerker sein jeweiliges Objekt. Dazu ist es wichtig, zu wissen, wo's langgeht, das heißt, man muss sich über seine Möglichkeiten und Perspektiven im klaren sein, um auch richtige Entscheidungen für sich treffen zu können. Aber auch Leute, die ihr Leben in der Hand haben und wissen, wo's langgeht, kriegen mitunter kalte Füße und das nicht nur im Winter.

O-Töne:
"Wenn man eine Fete organisiert und sehr viel Mühe und Zeit investiert und dann plötzlich der Partyservice absagt, fünf Minuten bevor die Gäste kommen. / Ja, dann nimmt man die Beine in die Hand. Ja, wenn man Angst vor irgendetwas hat, bedeutet das, ne./ Also kalte Füße vor Prüfungen natürlich bekomme ich regelmäßig oder habe ich regelmäßig kalte Füße. Die kältesten Füße meines Lebens hab' ich vor der Fahrprüfung bekommen, Führerschein."

Sprecher:
Wenn wir Angst haben oder uns unsicher fühlen, kann es passieren, dass unser Blutdruck stark absinkt. Dann bekommen wir tatsächlich kalte Füße. Instinktiv würden wir dann am liebsten die Beine in die Hand nehmen, wir würden am liebsten weglaufen.

Sprecherin:
Ja wir sind bei den Füßen angelangt. Und wenn Sie vielleicht das ein oder andere Sprichwort noch nicht so ganz verstanden haben, dann zerbrechen Sie sich darüber mal nicht den Kopf, sie wissen ja: es braucht alles seine Zeit.



Fragen zum Text

Ist jemand verliebt, dann hat er/sie sprichwörtlich …
1. die Angst im Nacken sitzen.
2. etwas auf die leichte Schulter genommen.
3. Schmetterlinge im Bauch.

Will eine Frau einen Mann – oder umgekehrt – für sich gewinnen, dann …
1. wird sie/er grün im Gesicht.
2. lässt sie/er den Kopf hängen.
3. macht sie/er dem anderen schöne Augen.

Jemand, der sich im Leben zurecht findet, …
1. steht mit beiden Beinen auf dem Boden.
2. kommt auf eigene Füße.
3. bekommt kalte Füße.


Arbeitsauftrag
Schreiben Sie alle Redewendungen aus dieser Alltagsdeutsch-Folge auf Karten. Ergänzen Sie diese um weitere Redewendungen. Jeder in der Gruppe zieht eine Karte. Stellen Sie anschließend in Form einer Pantomime die Bedeutung der Redewendung dar, die Sie gezogen haben.

Autorin: Annette Schmidt

Redaktion: Beatrice Warken

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