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Deutschland

Körperscanner schon im Sommer?

Erst das nur knapp vereitelte Attentat eines Nigerianers am ersten Weihnachtsfeiertag, dann vor zwei Wochen der Sprengstoff-Fehlalarm am Münchener Flughafen. Würden Körperscanner diese Sicherheitsprobleme lösen?

Schwarz-weiß Aufnahme eines Passagiers im Körperscanner von vorne und hinten, Foto von AP

An der Bundespolizeiakademie in Lübeck laufen derzeit die Tests mit Körperscannern. An den deutschen Flughäfen Frankfurt, Berlin und München sind sie noch nicht im Einsatz. Die Flughafenbetreiber verweisen auf die Zuständigkeit des Bundesinnenministeriums und warten auf grünes Licht für die Geräte. In der Zwischenzeit werden die Scanner von der Bundespolizei technisch weiterentwickelt. Der Intimbereich von Flugpassagieren wird zum Beispiel gepixelt, das heißt er wird nur unscharf wiedergegeben.

Körperscanner führen zu mehr Sicherheit

Die Körperscanner für die deutschen Flughäfen müssen laut Bundesinnenministerium drei Kriterien erfüllen: Sie sollten leistungsfähig sein und gesundheitlich völlig unbedenklich, und sie sollten nicht die Persönlichkeitsrechte verletzen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière verspricht sich viel von den Körperscannern der sogenannten nächsten Generation. Diese würden alles, was außerhalb des menschlichen Körpers ist, erfassen. Gebe es dann einen Verdacht, müsste nur dort noch einmal speziell untersucht werden. Eine sinnvolle Maßnahme, findet de Maiziere. Sie sollte nicht dazu führen, Personal abzubauen, sondern das Personal gezielt und verhältnismäßig einzusetzen, so der Bundesinnenminister.

Mehr Personal führt zu mehr Sicherheit

Ein Bundespolizist am Frankfurter Flughafen, Foto von AP

Das sieht die Gewerkschaft der Polizei anders. Das gesamte System der Flugsicherheit müsse auf den Prüfstand, heißt es dort. Vom Flicken nur eines Sicherheitslochs könne man keine Wunderdinge erwarten, meint Josef Scheuring. Er ist bei der Gewerkschaft der Polizei für den Bereich Bundespolizei zuständig und relativiert den Nutzen der Körperscanner. Seiner Meinung nach gibt es keine wirksame Technik zum Schutz der Flugpassagiere. Die Technikgläubigkeit führe eher dazu, die kontrollierenden Menschen zu vernachlässigen. Und das führe wiederum zu solchen Ergebnissen wie in München. Sicherheit erfordert in seinen Augen immer einen selbst verantwortlichen Menschen. Sicherheitsleute mit Existenzängsten dagegen, die schlecht bezahlt seien wie derzeit an vielen deutschen Flughäfen, erhöhten dagegen das Sicherheitsrisiko und führten zu Fehlerquoten.

60 Millionen Passagiere werden jährlich an deutschen Flughäfen kontrolliert

Passagiere am Münchener Flughafen, Foto von DPA

In der Warteschleife

Die Fluggastkontrolleure kommen mehrheitlich von privaten Sicherheitsfirmen, seitdem die Luftsicherheit 1993 privatisiert wurde. Die Wachleute absolvieren eine ganz normale Ausbildung zur Sicherheitsfachkraft. Das heißt, sie werden zum Beispiel in Rechtskunde, in der Gefahrenabwehr und im Personen- und Begleitschutz unterrichtet. Sie erhalten Einblick in Waffensachkunde, in Kriminalistik und Tatortkunde, und sie werden in der Kommunikation geschult und lernen Situationen zu beurteilen und zu bewältigen. So jedenfalls schreibt es die IHK, die Industrie- und Handelskammer, vor.

Vor dem Einsatz auf den deutschen Flughäfen wird jeder Anwärter ganz genau von der jeweiligen Landesbehörde durchgecheckt. Aber das reiche nicht aus für die Kontrolle von jährlich 60 Millionen Passagieren an deutschen Flughäfen, meint Josef Scheuring von der Polizeigewerkschaft. Gerade an der sensibelsten Stelle im Luftsicherheitsbereich seien die Luftsicherheitsansprüche seit dem 11. September 2001 massiv gestiegen. Und gerade dort, moniert Scheuring, seien die sozialen Rahmenbedingungen gesenkt worden. Er fordert, dass wieder mehr Bundespolizisten an deutschen Flughäfen eingesetzt werden.

Ein Mann wird von einem Sicherheitsbeamten abgetastet, Foto von AP

Abtasten

Schnelle oder langsame Kontrolle ? Das entscheiden Sie !

Sollte es im Sommer zur Einführung von Körperscannern an deutschen Flughäfen kommen, dann werde das Personal an den Scannern von der Bundespolizei entsprechend geschult, heißt es. Jetzt hat das Innenministerium erst einmal die Sicherheitsstandards bei der Passagier- und Gepäckkontrolle verschärft - es wird also noch intensiver kontrolliert. Das Ministerium rät daher, möglichst wenig Handgepäck mitzunehmen.

Würde sich das mit der Einführung von Körperscannern ändern? Müssten die Passagiere dann beispielsweise ihre Schuhe oder Stiefel nicht mehr ausziehen? Diese Fragen kann Bundesinnenminister de Maizière noch nicht klar beantworten, da die Geräte noch in der Testphase sind. Die Tests seien allerdings sehr vielversprechend. Aber erst im Sommer könne man dann entscheiden, ob und in welcher Weise Körperscanner an deutschen Flughäfen eingesetzt werden.

Denkbar wäre ein freiwilliges Nutzen der Scanner. Die Passagiere könnten selbst entscheiden, ob sie den Körperscanner nutzen oder lieber abgetastet werden wollen. Es würde dann, so der Bundesinnenminister, eine schnelle Spur geben mit dem Körperscanner, und eine langsamere Spur, wo noch abgetastet werde. Und dann werde man sehen, wie die Akzeptanz sei.

Deutschland möchte langfristig eine einheitliche europäische Lösung

Frau in einem Nacktscanner am Amsterdamer Flughafen Schiphol

Abscannen

In den Niederlanden, am Amsterdamer Flughafen Schiphol, laufen bereits Tests mit den Körperscannern. Für Fluggäste, die in die USA fliegen, ist das Nutzen der Nacktscanner Pflicht. Denn der Nigerianer, der am ersten Weihnachtstag vor der Landung in Detroit einen Sprengsatz zünden wollte, hatte die Maschine in Amsterdam betreten. Dort war er mit einem herkömmlichen Metalldetektor überprüft worden. Niederländische Sicherheitsexperten erklärten später, der am Körper versteckte Sprengsatz wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem Nacktscanner entdeckt worden. Künftige Anschlagsversuche möchten die niederländischen Behörden schon vor Betreten des Flugzeuges vereiteln.

Deutschland dagegen wartet noch die Testreihe in Lübeck ab. Im Sommer könnten Körperscanner schließlich auch an deutschen Flughäfen zum Alltag gehören. Auf längere Sicht, so heißt es aus dem Bundesinnenministerium, soll es dann eine einheitliche europäische Lösung geben.

Autorin: Anja Fähnle
Redaktion: Hartmut Lüning