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Projekt Zukunft

Können Zertifikate den Raubbau der Regenwälder stoppen?

"Nachhaltige Bewirtschaftung in Regenwäldern ist möglich, ohne das Ökosystem zu zerstören“, meint Ulrich Bick, vom Institut für Weltforstwirtschaft in Hamburg.

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DW
Mit dem Zertifikat des FSC, des "Forest Stewardship Council“, gibt es ein Label, das eine nachhaltige Bewirtschaftung garantiert. Kann es tatsächlich den Raubbau an den Wäldern stoppen?


Ulrich Bick
Forstliche Zertifizierungen, und dazu gehört neben dem FSC auch das Label PEFC, das "Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“, sind ein sehr wirkungsvolles Mittel, um den Raubbau an Wäldern zu stoppen.


DW
Das gilt natürlich nur für die Gebiete, die bei diesem Label mitmachen. Wie viele sind das heute?


UB
Das ist das Problem. Die forstliche Zertifizierung ist ein freiwilliges, marktsteuerndes Instrument.


DW
Wieviel Prozent der Regenwälder unterliegen einer Zertifizierung?


UB
Weltweit sind es ungefähr zehn bis elf Prozent, wobei es große Unterschiede gibt zwischen den Tropen, der gemäßigten und der borealen Zone.


DW
Heißt das, auf 90 Prozent der weltweiten Waldfläche wird weiterhin illegal Holz entnommen?


UB
Illegal oder legal – es wird Holz entnommen, ja. Es gibt in der jüngeren Vergangenheit neben dem freiwilligen Ansatz der Zertifizierung auch den politischen Ansatz, um insbesondere den Raubbau zu vermeiden.


DW
Es wird also Druck ausgeübt, um die Wälder nachhaltig zu bewirtschaften?


UB:
Das wird zunehmend umgesetzt, und das Ziel wird mittel- bis langfristig auch zu erreichen sein. Global verlieren wir weltweit etwa 13 Millionen Hektar Waldfläche pro Jahr. Das ist aber im Wesentlichen nicht auf unsachgemäße Waldbewirtschaftung zurückzuführen, sondern auf die Umwandlung von Wald in andere Nutzungsformen.


DW
Angenommen, die elf Prozent Waldgebiete, die derzeit nachhaltig bewirtschaftet werden, werden noch ausgeweitet. Wie gut kann das funktionieren? Kann man tatsächlich garantieren, dass das Gleichgewicht in so einem fragilen Ökosystem wie dem Regenwald aufrechterhalten bleibt?


UB
Die jahrzehntelange Naturwaldforschung ist zu dem Ergebnis gekommen, dass man tropische Regenwälder tatsächlich nachhaltig bewirtschaften kann, ohne die Ökosysteme zu zerstören.


DW
Sie arbeiten für das größte deutsche holzwissenschaftliche Institut, das Thünen-Institut für Weltforstwirtschaft. Welche Methoden gibt es, um nachzuweisen, woher ein Baum stammt?


UB
Wir haben im Thünen-Institut soeben das Kompetenzzentrum Holzherkünfte ins Leben gerufen, wo Forstgenetiker, Forstanatomisten, Ökonomen und andere Institutionen daran arbeiten sicherzustellen, um welche Holzart es sich handelt und wo sie herkommt.


DW
Wie funktioniert das konkret?


UB
Es gibt verschiedene Ansätze. Auf der genetischen Seite ist das so etwas wie ein Fingerprint. Weiter gibt es holzanatomische Untersuchungen, mit denen man eindeutig feststellen kann, um welche Holzart es sich handelt. Und es gibt die ökonomische oder forstpolitische Betrachtung, also Untersuchungen über die Herkunft des Holzes und ob es sich um eine risikobehaftete Region handelt, was Waldzerstörung anbelangt.


DW
Wir können also hoffen, dass die Regenwälder gerettet werden.


(Interview: Ingolf Baur)