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Kultur

Königliche Zensur gegen nepalesische Medien

Der nepalesische König Gyanendra ist isoliert. Seit er im Februar 2005 die Macht an sich gerissen hat, gilt eine strenge Pressezensur. Vor allem die populären privaten Radiosender leiden darunter. Aber sie wehren sich.

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Kritische Presse: Beim Volk beliebt, beim Herrscher weniger

Die Proteste der Journalisten des Privatsenders Radio Sagarmatha in Kathmandu haben Erfolg gehabt. Seit dem 29. November 2005 darf der Sender sein Programm wieder ausstrahlen. Zwei Tage hatten die Behörden die Station geschlossen. Der Grund: Das nepalesische Programm von BBC-Radio hatte ein Interview mit dem oppositionellen Maoistenführer Prachanda angekündigt und Radio Sagarmatha übernahm Material der BBC.

Presse- und Rundfunkzensur in Nepal

Der nepalesische Journalist Kunda Dixit mit einer zensierten Ausgabe des Magazins 'Himal Khabarpatrika', das er mit herausgibt

Aufgrund der angespannten politischen Lage hatte Radio Sagarmatha aber ohnehin entschieden, das Interview nicht zu senden. Daher war der stellvertretende Leiter von Radio Sagarmatha, Ghamaraj Luintel, über die Einstellung des Programms entsetzt. "Die Polizisten kamen mit zwei Vans. Sie waren bewaffnet. Sie stoppten unsere Übertragung und verhafteten fünf Mitarbeiter der Nachtschicht. Sie konfiszierten auch das Equipment, mit dem wir die Programme der BBC rebroadcasten", berichtet er. "Dies ist sehr, sehr ernst für uns."

Uneingelöstes Versprechen

Seit dem 1. Februar 2005 hat sich für die nepalesischen Medien alles geändert. An diesem Tag löste König Gyanendra das Parlament auf, entließ die Regierung von Premierminister Sher Bahadur Deuba und verhängte eine strenge Pressezensur. Er versprach die schnelle Widerherstellung demokratischer Strukturen und Parlamentswahlen für 2007.

Mohan Bista, Leiter von Radio Sagarmatha, ist aber skeptisch. Am 1. Februar habe der König über die Pressefreiheit und über die Demokratie gesprochen - "doch zur selben Zeit stürmte die Armee unseren Sender und übernahm die Kontrolle. Das ist doch ein totaler Widerspruch".

Nepal Katmandu König Gyanendra wendet sich an das Volk

Nepals König Gyanendra hat eine schnelle Rückkehr zur Demokratie versprochen

Der Monarch gilt im hinduistischen Nepal traditionell als Inkarnation des Gottes Vishnu, der die Welt erschaffen hat. Viele der 27 Millionen Einwohner - vor allem in den unwegsamen Bergregionen des Himalaya-Königreichs - sehen in König Gyanendra daher eine Vaterfigur.

Ungeliebte Kritiker

Doch nach Ansicht des Journalisten R.B. Khatry bringt es die Menschen nur noch mehr gegen den König auf, wenn sie erfahren, dass die Berichterstattung zensiert wird. Gyanendra habe ein autokratisches Regime etablieren wollen. "Aber der König wusste, dass er sein Ziel nicht erreichen kann, wenn er nicht die Medien des Landes kontrollieren kann."

Ausnahmezustand in Nepal

Am 1. Februar 2005 herrschte Ausnahmezustand in Nepal

Tatsächlich gilt die nepalesische Presse als sehr kritisch. Die Zeitungen haben oft die verfahrene politische Situation im Land kritisiert. Viele der UKW-Stationen senden auch Dokumentationen zu politischen und sozialpolitischen Aspekten sowie zu Bildungs- und Gesundheitsfragen. Sie sind als unabhängige Informationsquelle sehr beliebt und für die Menschen in abgelegenen Bergregionen oft der einzige Kontakt zum nationalen Mainstream.

Hoffen auf Hilfe vom Ausland

Beinahe jeden Tag organisieren Journalisten und Menschenrechtler Protestmärsche in Nepal. Sie reichten auch beim Obersten Gerichtshof eine Verfassungsklage ein. Da Nepal vor allem von ausländischer Hilfe abhängig ist, hoffen die Journalisten auf den Druck der internationalen Gemeinschaft. Ian Martin, Sprecher des Kommissars für Menschenrechte der Vereinten Nationen in Kathmandu, ist besorgt: "Die Bürger dieses Landes sind die Opfer ernstzunehmender Unterdrückung der Maoisten, die die international geltenden Menschenrechte missachten. Zur selben Zeit sind sie in ständiger Angst vor den Aktionen der nepalesischen Armee."

Radio Sagarmatha darf seine Programme derzeit nur mit Auflagen ausstrahlen, bis eine endgültige Entscheidung über die Zukunft des Senders gefällt wird. Das nepalesische BBC-Programm darf nicht mehr übernommen werden. Auch deshalb haben bei Radio Sagarmatha viele Mitarbeiter resigniert. Denn sie stehen - wie das ganze Land - vor einer ungewissen Zukunft.

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