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Wissen & Umwelt

Könige der Lüfte

Biologen erforschen, wie sie das Überleben der Steinadler in Deutschland sichern können. Die Tiere ziehen zu wenig Junge groß. Warum, das wollen sie mit einer Kamera am Adlerhorst herausfinden. Von Angelika Vogel

Steinadler (Foto: picture alliance)

Bei den Steinadlern (Aquila chrysaetos) sind die Weibchen deutlich größer und schwerer als die männlichen Tiere

Die Region um den Alpen-Nationalpark Berchtesgaden ist eines der wenigen Reviere in Deutschland, in denen es noch Steinadler gibt. Zwölf Paare leben hier, ein Viertel des deutschen Bestandes. Seit 20 Jahren kümmern sich der Biologe Uli Brendel und seine Mitarbeiter um die Greifvögel. "Es ist das Majestätische, das mich fasziniert", erklärt Brendel, "die Augen, der Blick, die Kraft und die Leichtigkeit, mit der die Vögel in einem Thermikschlauch nach oben treiben, wie bei einem schwerelosen Segelflug".

Kamera am Adlerhorst

Den Aufwind in den Bergen nutzt der Steinadler wie einen Fahrstuhl nach oben. Schließlich liegen seine Jagdgebiete in über 1000 Metern Höhe. Uli Brendel und sein Team sammeln Daten über individuelle Erkennungsmerkmale der Tiere und über ihr Jagd- und Brutverhalten. Die Biologen möchten herausfinden, warum die Steinadler zu wenig Junge großziehen.

Biologen beobachten die Steinadler (Foto: DW)

Dazu wollen sie ein Adlerpaar beim Brüten beobachten. Mit einer Spezialkamera, die direkt am Horst installiert wird. Vielleicht lässt sich ja so etwas über das Schicksal der Jungen erfahren. Filmaufnahmen von jungen Steinadlern gibt es bisher kaum.

Das Vorhaben ist nicht ganz einfach, denn Adler haben ihr Zuhause in schwindelerregender Höhe, zwischen steilen Felswänden. Um die Kamera möglichst nah am Horst aufzustellen, seilen sich zwei Mitglieder des Teams vom Berg her zum Adlerhorst ab. Sie müssen die Kamera gut tarnen, denn Adler haben extrem gute Augen. Die Stromversorgung übernimmt eine Brennstoffzelle, die Alkohol und Luft umweltfreundlich in Energie umwandelt.

Die Nahrung entscheidet

Jedes Adlerpaar hat mehrere Horste, die es abwechselnd besetzt. Die Forscher hoffen, dass ihr Paar in diesem Jahr den Horst mit der Kamera benutzt. Um den beiden Vögeln die Entscheidung zu erleichtern, säubern die Biologen den Horst, in der Hoffnung, dass er dadurch für die Tiere attraktiver wird.

Ein Steinadler sitzt in einem Baum (Foto: DW)

In Deutschland brüten Steinadler nur noch in den Alpen

Die Futterreste, die sie dabei im Horst finden, erzählen viel über die Steinadler. Zum Beispiel, ob sie ausreichend Nahrung für ihre Jungen finden. Lieblingsspeise des Adlerpaares, das hier wohnt, sind offensichtlich Murmeltiere, dazu kommen Schneehase, Gamskitz und Auerhenne. Aber auch andere Tiere können zur Beute werden: "Es gab mal einen Anruf von einem Bauern, der fragte: Kannst Du nicht mal vorbeikommen, bei uns im Hof sitzt ein großer Vogel und frisst meine Katze", erzählt Biologe Brendel. Wir sind dann ausgerückt und haben tatsächlich festgestellt, dass ein junger Steinadler anscheinend sehr schnell von seinen Eltern gelernt hatte, wie man Hauskatzen fängt. Der saß dann im Baum neben dem Bauernhof und hat tatsächlich die Katze gefressen."

Biologin mit Fernglas (Foto: DW)

Biologen brauchen Geduld ...

Der Rückschlag

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Nachdem die Kamera am Horst angebracht ist, heißt es warten. Doch was Uli Brendel dann feststellen muss, freut ihn weniger: Das Adlerpaar hat zum Brüten einen anderen Horst ausgewählt. Die Hoffnung auf spektakuläre Bilder der Jungvögel hat sich damit erledigt. Vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr.

Nachwuchs ist da

Doch dann, kurze Zeit später, tritt der Glücksfall ein: Die Forscher entdecken eine Stelle, von der aus sie den Horst mit dem Fernrohr gut beobachten können, auch ohne Viedeokamera. Und sie stellen fest: Nachwuchs ist da. Brendel ist begeistert: "Wir wissen, der junge Adler wird gefüttert. Morgens und abends bringen die Elterntiere ihm Beute. Alles scheint okay zu sein."

Damit ist die Aussicht, dass bald ein weiterer Adler im Alpen-Nationalpark seine Kreise zieht, sehr gut. Nicht umsonst heißt es unter Naturschützern: Wo der Steinadler brütet, ist die Welt noch in Ordnung.

Autorin: Angelika Vogel

Redaktion: Klaus Dartmann