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Kultur

Kölner Firma zählt Stimmen für Song-Contest

Das Televoting gehört zur Erfolgsgeschichte des Eurovision-Song-Contest. Tausende SMS und unzählige Anrufe müssen ausgwertet werden. Dafür zuständig ist eine kleine Firma in der Domstadt Köln.

Die letzen Minuten vor der Generalprobe der Eurovisons-Abstimmung bei der Firma Digame in Köln, der Televoting-Zentrale des Events. Teamleiterin Natalyia Tsenkova steht vor einer bunten Tafel, die ist übersät mit Ländernamen und unzähligen Häkchen und Kreuzen. Um die junge Frau herum gruppieren sich 30 Mitarbeiter, die aufmerksam verfolgen, was sie zeigt – schließlich geht es um das Televoting des Eurovision-Song-Contest – kurz ESC. "Das Wichtigste ist, dass ihr die Abstimmungsberichte aus über 40 Ländern schnell und ohne Fehler in das Televoting-Computersystem eingebt“, erklärt Natalyia Tsenkova.

"Wir wissen als erstes wer gewinnt"

Natalyia Tsenkova von Digame (Foto: Jakov Leon/DW)

Natalyia Tsenkova und ihr Team ermitteln den ESC-Sieger

Natalyia Tsenkova trägt zusammen mit ihren Kollegen die Verantwortung dafür, dass beim ESC vom 22.-26. Mai das Televoting reibungslos klappt. Tausende SMS und Anrufe aus den Teilnehmerländern laufen auf den Servern der Firma Digame zusammen. "Wir ermitteln hier in Köln den ESC-Gewinner. Wir sorgen für die spannendsten Minuten der Sendung", freut sich Natalyia Tsenkova.

Ganz praktisch bedeutet das für sie und ihre Mitarbeiter beim Viertel-, Halbfinale und Finale nur eines: Stress pur. "Da sitzen bei uns 60 Leute – also doppelt so viele wie normalerweise", erklärt die Teamleiterin. Diese beobachten, was auf den Servern passiert und haben ein Auge auf die vielen Faxe, die eingehen. Denn die Stimmen landen zwar direkt auf dem Server, als Absicherung schicken die Teilnehmerländer jedoch noch einmal ihr Ergebnis per Fax. Entspannen können die Digame-Mitarbeiter erst, wenn das Event vorbei ist und die Ergebnisse von den Moderatoren vorgelesen werden.

Die Regeln verändern sich permanent

Digame - Vorbereitungen für die Abstimmung bei dem Eurovision Song Contest (Foto: Jakov Leon/DW)

SMS und Anrufe aus 42 Ländern müssen koordiniert werden

Den Eurovision-Song-Contest gibt es seit 56 Jahren. Die Abstimmungsregeln wurden in dieser Zeit mehrmals geändert. Bis 1998 konnten nur die Mitglieder der Jury der Teilnehmerländer Punkte vergeben. Neun Jahre später hat die EBU (European Broadcasting Union) entschieden, dass das Publikum diese Rolle übernehmen soll. Aktuell gelten wiederum etwas andere Regeln: Das Ländervoting setzt sich zur Hälfte aus der Wertung der Zuschauer und zur anderen Hälfte aus der der Jury zusammen.

Und noch etwas hat sich im Laufe der ESC-Geschichte geändert: Die Auswertung des Televotings. 2004 hat die EBU entschieden, das Televoting zentral zu veranstalten. Den Zuschlag für die zentrale Auswertung bekam damals die Kölner Firma Digame. Natalyia Tsenkovas Kollege Werner Klötsch erinnert sich noch gut an diese Zeit. Einer der Gründe, warum die EBU wollte, dass nur noch eine Firma die Tele-Votes auszählt, sei "unter anderem auch den Wunsch, die Abstimmung etwas sicherer zu gestalten, um immer die Kontrolle darüber zu haben, was in den einzelnen Ländern passiert", erklärt Klötsch. Er vermutet, dass die Wahl auf das Unternehmen Digame gefallen sei, "weil wir sehr stark auf Interaktion im Fernsehen spezialisiert sind". Digame ist beispielsweise auch für die Interaktion bei beliebten deutschen TV-Shows wie "Deutschland sucht den Superstar" oder "Wer wird Millionär" zuständig.

Nach sechs Minuten steht das Ergebnis

Fax-Geräte bei der Firma Digame (Foto: Jakov Leon/DW)

Backup per Fax: Zur Sicherheit werden alle Stimmen auch per Fax übermittelt

"Jedes Ergebnis muss von uns genau kontrolliert werden", erklärt Teamleiter Werner Klötsch. Er und seine Mitarbeiter brauchen genau sechs Minuten um alle Ergebnisse der Show zu berechnen. "Wir wissen also als erstes, wer der Sieger ist, aber wir dürfen ihn nicht verraten", schmunzelt Werner Klötsch.

Die Regeln des ESC werden sich immer wieder ändern, vermuten die Digame-Mitarbeiter. In Zukunft werde man auch über das Internet abstimmen können – wenn man ein sicheres Verfahren entwickelt hat. Wie das Televoting der Zukunft aussehen könnte, ist für die Mitarbeiter im Moment aber zweitrangig. Sie fiebern erst einmal der diesjährigen Abstimmung des Eurovision-Song-Contests in Aserbaidschan entgegen.