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Aktuelles

Köln sucht fieberhaft nach Tätern der Silvesternacht

Die Ermittlungen zu den sexuellen Übergriffen und Diebstählen in der Nacht auf Neujahr laufen auf Hochtouren. Bislang sollen drei Verdächtige identifiziert sein.

Polizisten kontrollieren am 5.01.2016 vor dem Hauptbahnhof in Köln verdächtige Personen. (Foto: dpa)

In der Silvesternacht waren die Polizeikräfte offenbar nicht auf das Ausmaß der Straftaten vorbereitet

Nach den massiven sexuellen Übergriffen auf Frauen vor dem Kölner Bahnhof sucht die in der Kritik stehende Kölner Polizei dringend erste Fahndungserfolge. Sie ruft Zeugen und Geschädigte auf, sich zu den Ereignissen der Silvesternacht zu melden. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Ralf Jäger (SPD) sind bislang drei Tatverdächtige identifiziert, die direkt etwas mit den Übergriffen zu tun haben sollen. Zuvor hatte die Kölner Polizei darauf hingewiesen, dass sie mehrere mutmaßliche Taschendiebe dahingehend überprüfe, ob sie ebenfalls an den Übergriffen beteiligt waren. Festgenommen wurden diese Verdächtigen jedoch unabhängig von den Vorfällen vor dem Bahnhof.

Bei der Kölner Staatsanwaltschaft hat derweil die Abteilung für Organisierte Kriminalität die Ermittlungen übernommen, da Absprachen für ein gemeinsames Vorgehen der Täter nicht ausgeschlossen werden. Die Zahl der Strafanzeigen in Köln stieg unterdessen auf mehr als hundert.

Video ansehen 01:53

Köln: Die Polizei verstärkt Präsenz

Die "Bild"-Zeitung veröffentlichte Auszüge aus dem Einsatzerfahrungsbericht eines leitenden Polizeibeamten aus der Silvesternacht. Demnach liefen immer wieder schockierte Frauen auf die Beamten zu und berichteten von den Diebstählen und sexuellen Übergriffen. Die Beamten seien an der Grenze zur Frustration gewesen, weil sie angesichts der Menge an Delikten nicht überall helfen konnten.

Mögliche Verbindungen nach Hamburg

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) regte an zu prüfen, ob es einen Zusammenhang zwischen den Taten in Köln und ähnlichen Attacken in Hamburg gibt. "Das Ganze scheint abgesprochen gewesen zu sein", sagte Maas im ZDF-"Morgenmagazin". Auch auf der Hamburger Reeperbahn hatte es in der Silvesternacht Übergriffe auf Frauen und Diebstähle gegeben. In Hamburg lagen 53 Anzeigen von Opfern sexueller Übergriffe oder Diebstählen vor. In Düsseldorf gingen elf Anzeigen ein.

Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers, der mittlerweile mit Rücktrittsforderungen konfrontiert ist, wies Kritik an dem Einsatz seiner Beamten erneut zurück. "Aufgrund des großen Gedränges, der Dunkelheit und der Menschenmassen war ein Großteil der Vorfälle für die eingesetzten Beamten nicht erkennbar und trat erst am Folgetag durch die Vielzahl der Strafanzeigen in der nun bekannten Deutlichkeit zutage", erklärte er der "Kölnischen Rundschau".

Der Bahnhofsvorplatz in Köln (Foto: DW)

Die Behören rufen Betroffene auf, sich mit ihren Aussagen zu den Ereignissen auf dem Bahnhofsvorplatz zu melden

Gegen Vorwürfe wehren muss sich auch die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos). Sie zog mit einer Verhaltensempfehlung an Frauen Spott im Internet auf sich. "Es ist immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine

Armlänge

betrifft", hatte sie auf die Frage geantwortet, wie man sich als Frau besser schützen könne.

Debatte um Abschiebungen

Angesichts von Zeugenaussagen, dass die aggressive Menge in Köln vor allem aus Männern nordafrikanischer Herkunft bestand, geht auch die Debatte über die

Abschiebung straffälliger Ausländer

weiter. Maas vertrat die Auffassung, falls Asylsuchende unter den Tätern gewesen sein sollten, so könnten sie ausgewiesen werden. Das erlaube das Gesetz bei Verurteilungen zu mehr als einem Jahr, die bei Sexualdelikten durchaus möglich seien.

Die Stadt Köln macht sich nach den schockierenden Ereignissen Sorgen wegen drohender Schäden für den Tourismus. "Das Image Kölns hat einen Knacks erlitten", sagte Köln-Tourismus-Geschäftsführer Josef Sommer dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Wie die Zeitung berichtet, haben erste Touristen ihre Reise in die Domstadt storniert.

ago/wl (dpa, afp, Bild-Zeitung)

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