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Deutschland

Köln: Mit Mini-Häusern gegen die Kälte

Sven Lüdecke wollte Obdachlosen in Köln über den Winter helfen - und begann kurzerhand, winzige Holzhäuser für sie zu bauen. Eine kleine Idee mit großer Wirkung.

Köln Werkstatt Obdachlose (DW/K. Brady)

Sven Lüdecke steht neben einem der kleinen Häuser

Drei Wochen noch bis Weihnachten und in weiten Teilen Deutschlands sinken die Temperaturen unter Null. Während das für die meisten Menschen nur bedeutet, den besten Glühweinstand finden zu müssen, geht es für viele obdachlose Menschen um mehr. Sie brauchen einen warmen Platz zum Schlafen. Dass die Suche nach einem solchen nicht zu lange dauert - darum geht es dem Kölner Sven Lüdecke.

Seine Erfindung ist gerade mal groß genug, dass man aufrecht in ihr stehen kann, und breit genug, um eine Matratze hineinzulegen. Die kleinen Holzhäuser sollen diejenigen vor Regen und Kälte schützen, die es am nötigsten haben. "Das Hauptziel ist es, den Leuten ein bisschen Normalität zurückzugeben und ihnen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind", sagt der gelernte Fotograf der DW. Im September hatte er einen Fernsehbeitrag gesehen, der sich mit Obdachlosen beschäftigte. Nur wenige Stunden später stand er im Baumarkt und kaufte die Materialien für sein erstes Minihaus. Inspiriert hatte ihn der US-amerikanische Künstler Gregory Kloehn, der ebenfalls kleine Hütten für Obdachlose baut.

Raum für Persönlichkeit

Lüdeckes Hinterhof sieht mittlerweile aus wie eine Baustelle: Sägen, Bohrer und Schrauben liegen herum und sind jederzeit griffbereit. Markierte Holzplatten und Paletten warten nur darauf, verbaut zu werden. Jedes Haus besteht aus drei Europaletten, unter diese werden Räder montiert. Die Wände werden isoliert und dann mit einer Matratze, einem kleinen Tisch und einem Feuerlöscher ausgestattet. Und sogar eine Personalisierung ist möglich: "Der neue Bewohner kann sich aussuchen, welche Farben er möchte, ob er ein Spitzdach will oder ein Flachdach und ob er sein Fenster lieber auf der linken oder rechten Seite möchte. Das geht alles", erklärt Lüdecke. Rund 600 Euro plus 255 Euro für den Transport kostet eine fertige Behausung. Lüdecke zahlt dies aus eigener Tasche, unterstützt wird er von Spenden, die er in den vergangenen drei Monaten sammeln konnte.

Bauarbeit von einem Holz-Huschen (DW/S. Lüdecke)

Ein Hinterhof wie eine Baustelle - Alltag für Sven Lüdecke

Dem gebürtigen Berliner geht es bei dem Projekt auch um die Teilhabe der Obdachlosen. Sie sollen mitmachen können, denn, so Lüdecke: "Sie bekommen eine Aufgabe und ich glaube, sie schätzen das Haus viel mehr, wenn sie es mit aufbauen, als wenn sie es einfach nur geschenkt bekommen." Und mit der Übergabe endet das Engagement der Obdachlosen für ihr Haus nicht - auch die Pflege ist wichtig. Das Feedback sei bislang durchweg positiv.

Auch Peter schläft in einem Haus von Sven Lüdecke. "Er hat geweint vor Glück. Er lebt seit 17 Jahren auf der Straße. Er passt so auf sein Häuschen auf - das ist sein größter Schatz", freut sich Hausbauer Lüdecke.

Nicht jeder will Hilfe

Werner Just vom Sozialdienst katholischer Männer lobt das Projekt. "Es ist einfach positiv, dass da jemand den Obdachlosen durch sein Engagement wieder ein Stück auf die eigenen Füße hilft", sagt er. "Das ist ein ganz neues Konzept, um dem Problem zu begegnen." Einzig die Sicherheit mache ihm Sorgen, sagt er.

In Köln gibt es bereits andere Hilfsangebote für Obdachlose, wie das Projekt "Winterhilfe". Es existiert schon seit 20 Jahren und bietet Obdachlosen Notunterkünfte an. 5000 Menschen seien in Köln ohne Wohnung, so Werner Just, inklusive derer, die bereits in Notunterkünften wohnen. "An rund 150 bis 200 Personen kommen wir nicht heran", sagt er. Die Gründe dafür seien vielfältig, sagt Just. "Manche fühlen sich in ihrer Freiheit eingeschränkt oder finden es nicht attraktiv, sich eine Notunterkunft mit anderen teilen zu müssen." Und dann gäbe es einfach einige, die sich schlichtweg nicht helfen lassen wollten.

Peter in seinem Holz-Huschen (DW/S. Lüdecke)

Peter lebt seit 17 Jahren auf der Straße

Langfrisige Lösung Minihaus?

Dirk Schumacher, der bei der Stadt Köln für die Unterbringung zuständig ist, sagt: "Keiner muss diesen Winter in Köln frieren". Ähnlich wie auch Just weiß Schumacher aber, dass nicht alle Hilfe annehmen möchten. "Soziale Arbeit ist nur dort erfolgreich, wo die Leute einen an sich ranlassen", sagt er der DW. Die Häuser von Sven Lüdecke können seiner Meinung nach keine langfristige Lösung bieten. "Diese Menschen müssen wieder in ein normales Leben zurückfinden, sie brauchen eine feste Wohnung und Arbeit."

Doch bei den Minihäusern soll das Engagement nicht enden, sagt Lüdecke: "Das Projekt entwickelt sich jetzt so gut, dass wir einen Verein gründen wollen, mit dem wir noch mehr Unterstützung anbieten können, um den Obdachlosen eine richtige Wohnung zu suchen - oder vielleicht sogar einen Job zu finden". Das sei das erklärte Ziel von "Little Home Köln". So heißt das kleine Unternehmen, das Lüdecke inzwischen angemeldet hat - er hat sieben Mitarbeiter. 

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