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Kultur

Köln, Künstler und Kulturpannen

Auch in Köln stören sich Bürger am Schalten und Walten der Stadtpolitiker. Dort jedoch nicht, weil sie sich vereinnahmt fühlen, sondern weil sie die Kulturpolitik als eine Kette von Pleiten, Pech und Pannen sehen.

Plakat gibt einen Überblick der Aktionen des Kölner Komment (Foto: Kölner Komment)

Künstler sind eigensinnige Menschen, und selten waren sie sich so einig wie derzeit: So kann es in Köln nicht weiter gehen. Deshalb gründeten sie eine Initiative, den "Kölner Komment", eine Vereinigung von Kulturschaffenden, die mitreden will. Zum Beispiel bei den aktuellen Sparbeschlüssen. Die Finanzkrise hinterlässt auch in Köln ihre Spuren: dass gespart werden muss, dagegen sagen die Künstler nichts. Aber wo, das ist durchaus diskutierbar. Doch die Initiative hat noch andere Anliegen, erläutert Anja Nathan-Dorn, die Direktorin des Kölnischen Kunstvereins. Ihr Mittel: ein Poster, das sie einmal im Monat in dem Magazin "Stadt Revue" veröffentlichen. Bei dem ersten Poster, berichtet Anja Nathan-Dorn, habe man die Kölner Kulturpolitik aufs Korn genommen. Die Autoren Jürgen Becker und Martin Stankowski hätten einen Text über Misswirtschaft im Kulturbereich geschrieben. Monate für Monat solle das Poster nun Missstände in der Kulturpolitik aufgreifen.

Spannbreite des kulturellen Lebens

Eine Besucherin betrachtet im März 2005 im Museum Ludwig in Köln das Kunstwerk Demonstration 2005 der Künstlerin Sonja Alhaeuser aus Kirchen im Westerwald (Foto: AP)

Jetzt reicht's!

Vor einigen Wochen hatte der Komment zu einer Diskussion mit Kölner Kommunalpolitikern geladen. Sie sollten ihre Vorstellungen zur Kulturpolitik der Stadt erläutern. Die Politiker hörten sich die Beiträge aus dem Publikum an, die sich auf die unterschiedlichsten Themen bezogen: die Lage der kleinen Theater, die Situation der Autoren, die CD-Labels und Plattenstudios. Die Diskussion bot einen Querschnitt durch die Spannbreite des kulturellen Lebens der Stadt. Dass die Politiker dieses detailliert zur Kenntnis genommen haben – allein das, findet Kaspar König, Direktor des Kölner Museum Ludwigs, ist ein Erfolg. Wenn man offen miteinander spreche, seien die ewigen "Mogelpackungen" nicht mehr möglich. Denn niemand könne sich damit herausreden, er habe von nichts gewusst. Dank solcher Veranstaltungen könnten sich Verwaltung und Politik nicht immer gegenseitig die Schuld zuweisen – so dass am Ende alle bleibe, wie es ist.

Aufwertung unbekannter Räume

Das Kölner Stadtarchiv nach dem Einsturz. Feuerwehrmänner suchen im Schutt (Foto: AP)

Einsturzursache U-Bahnbau?

Ähnlich wie in Hamburg, wo Künstler und Bürger sich gegen eine allzu sehr an finanziellen Aspekten konzentrierte Immobilienpolitik zu wehren versuchen, ist auch in Köln gelegentlich – und dann meist von sehr jungen Kulturschaffenden – ein leichter antikapitalistischer Zungenschlag zu vernehmen. Die Rede ist dann zum Beispiel von "kapitalfreien Räumen", "alternativen Lebensformen" oder einem "autonomen Kunstbereich". Damit kann Museumsdirektor Kaspar König nicht viel anfangen. Er plädiert für eine etwas nüchternere Sichtweise. Man lebe nun mal im Kapitalismus. Allerdings stünden manche Häuser leer oder würden kaum beachtet. Die könnten geraden jungen Künstlern, die noch nicht so auf Geld angewiesen sind oder sich auch bewusst vom Kunstmarkt absetzen, als Ateliers und Werkstätten dienen. Davon hätten womöglich beide Parteien etwas: Denn mit etwas Glück würden diese Häuser dann als neue Kunstzentren bekannt und würden neues Publikum anziehen. Dadurch würden diese Häuser dann auch ihrerseits aufgewertet.

Akuter Finanzmangel

Glas- und Papier-Container im Vordergrung. Weit im Hintergrund steht der Dom(Foto: AP Photo/Hermann J. Knippertz)

Erneurung der Kulturstadt?

Allerdings haben die meisten der im Kölner Komment versammelten Kulturschaffenden andere Sorgen: Sie leiden an akutem Finanzmangel. Sie erhalten immer weniger Subventionen. Denn nach der weltweiten Finanzkrise stehen auch die Kommunen vor enormen Steuerausfällen und müssen sparen – eben auch an der Kultur. Vielleicht sogar besonders an ich, da kulturelle Ausgaben zu den sogenannten "freiwilligen Leistungen" zählen, die die Kommunen, anders als etwa die Kosten für die Müllabfuhr, ohne gesetzliche Probleme stoppen können. Darum, berichtet Anja Nathan-Dorn, stehen die Kultureinrichtungen vor gewaltigen Herausforderungen. Viele litten an erheblichem Finanzmangel. Würden die Beträge weiter gekürzt, stunden viele Einrichtungen vor dem Aus. Im Kölnischen Kunstverein seien zum Beispiel Sonderausstellungen kaum mehr möglich. Ebenso wenig könne man es sich leisten, die Aktivitäten des Vereins zu bewerben. Das habe den bizarren Effekt, dass interessierte Leute beispielsweise in New York, London und Warschau über die Arbeit des Kölnischen Kunstvereins zwar informiert seien, in Köln selbst aber nur wenige von neuen Ausstellungen und Aktivitäten wüssten. Auch solche Missstände wollen die im "Kölner Komment" versammelten Kulturschaffenden ändern. So könnten sie der Stadt viele Impulse geben. Aber so kreativ sie auch sind, das wichtigste Anliegen ist und bleibt die finanzielle Unterstützung. Ohne Geld kein Geist – so war es, und so wird es bleiben.

Autor: Kersten Knipp

Redaktion: Conny Paul