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Deutschland

Köln hat sich "quergestellt"

Die rechtspopulistische "Pro-Köln"-Bewegung hat mit ihrem "Anti-Islamisierungskongress" einen Schiffsbruch erlitten. Die demokratischen Kräfte siegten über Intoleranz und rassistische Hetze, meint Peter Philipp.

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Peter Philipp, Quelle: dw

Peter Philipp

Köln hat sich "quergestellt" – so hieß die Parole – und den geplanten "Anti-Islamisierungskongress" der rechtspopulistischen "Pro-Köln"-Bewegung verhindert. Die Rechten – unter ihnen Neonazis und Gesinnungsgenossen aus anderen europäischen Ländern – hatten gar keine Chance, sich gegen den massiven Protest der Zehntausende durchzusetzen.

Peinliche Folgen

Mitleid haben sie dafür nicht verdient. Sie haben sich das selbst eingebrockt: Was sie als "Kongress" ankündigt hatten, sollte im Grunde ganz andere Ziele verfolgen: Das von ihnen beschworene Gespenst eines um sich greifenden Islam sollte in Köln als Vehikel dazu dienen, die europäischen Rechten enger zusammenzubringen und sich als Alternative zur gegenwärtigen politischen Klasse anzubieten.

Dieser Versuch scheiterte schon im Vorfeld: Einige der prominentesten Gäste aus dem Ausland mussten gestrichen werden: Sie hatten abgesagt oder – wie Frankreichs Le Pen – nie zugesagt. Und dann scheiterte das "Katz-und-Maus-Spiel" mit Polizei und Gegendemonstranten: Mit peinlichen Folgen für die Rechten: Sie mussten stundenlang auf einem Schiff ausharren, weil man sie nicht an Land ließ, dann weigerten sich Busse und Taxis, sie zu befördern, Hotels quartierten sie wieder aus und auch vom Flughafen kamen sie nicht in die Stadt.

Noch einiges zu tun

Die größte Fehleinschätzung der Rechten aber war, dass sie nicht erwartet hatten, dass mit einem Schlag die teilweise erbitterte Diskussion der letzten Monate über den Bau der neuen Moschee vergessen sein würde und Bürger sich zum Schutz "unserer Moschee" versammeln würden. Vergessen waren für ein paar Stunden auch die Defizite, die es auf beiden Seiten beim Thema Integration natürlich auch weiterhin gibt. Oberbürgermeister Schramma – der sich gegen seine eigene CDU-Fraktion für den Bau der Moschee eingesetzt hatte - musste daran erinnern, dass es noch einiges zu tun gebe bei der Integration. Keiner, der die Lage kennt, bestreitet dies.

Das Demonstrations-Wochenende in Köln hat aber gezeigt, dass man über alle Meinungsverschiedenheiten hinweg solidarisch ist, wenn es um die Abwehr rassistischer Hetze geht. Und nichts anderes ist es doch, wenn eine Religion zum Buhmann und Schreckgespenst gemacht wird. Die nun demonstrierte Solidarität hat die Integration so manchen Moslems in Köln gefördert, der sich nicht nur sicherer fühlt, sonder auch stolz darauf, in solch einer Stadt zu leben.

Köln hat seine lange Geschichte von Toleranz und Vielfalt unter Beweis gestellt. Daran konnten auch die Gewalttäter der Autonomen nichts ändern, die nur des Krawalls wegen erscheinen und in ihrem Verhalten denen sehr ähnlich werden, die sie doch angeblich bekämpfen. Die Mehrheit der Demonstranten war aus Überzeugung gekommen. Wie jene 70-Jährige, die um das Wohl der jugendlichen Demonstranten bangte: "Wenn denen einer etwas tut, dann kriegt er es aber mit mir zu tun…"

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