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Kultur

Kölle Alaaf! Karneval in Köln

Der traditionelle Kölner Karneval ist nicht nur ein Fest der Fröhlichkeit. Es gibt auch Schattenseiten: Die Straßen mit Bierflaschen gepflastert, hier und da ein betrunkener Karnevalist, der seinen Rausch ausschläft.

Bunt verkleidete Karnevalisten vorm Kölner Dom (Foto: AP)

Jecke vor dem Kölner Dom

Der 11. November ist ein besonderer Tag in Köln. Dann beginnt in der Domstadt die Karnevalszeit. Um genau elf Uhr und elf Minuten wird die "5. Jahreszeit" offiziell eröffnet.

An diesem Tag ist es völlig normal, dass man morgens das Haus verlässt und einem schon die ersten kostümierten Menschen über den Weg laufen. Mit Bier und Schnaps versorgt, zieht es viele in die Kölner Innenstadt. Hier versammeln sich Tausende von Menschen, um gemeinsam den Beginn des Kölner Karnevals zu feiern. Denn der ist nun mal Tradition in Köln und Teil der Stadtkultur.

Fest zur Wintersonnenwende

Der Kölner Karneval hat sich aus verschiedenen Epochen zu seinem heutigen Bild entwickelt. In der Antike feierten die Römer und Griechen zu Ehren des Gottes Dionysos ein Fest "mit Wein, Weib und Gesang". Die Germanen feierten zur Wintersonnenwende – damit wollten sie böse Winterdämonen vertreiben. Später wurde der Brauch vom Christentum übernommen, um die Fastenzeit einzuläuten. Hier findet sich der Ursprung des Wortes "Karneval": Frei übersetzt bedeutet "Carne, vale" nichts anderes als: "Fleisch, lebe wohl".

Bis ins 19. Jahrhundert war der Karneval in Köln ein wildes, fröhliches und buntes Straßenfest. Unter preußischer Besatzung änderte sich das. Die wilden Umzüge sollten verboten werden. Doch hochrangige Mitglieder der Kölner Oberschicht organisierten den Karneval neu. Das Kölner Festkomitee wurde geboren – der Karneval wurde "offiziell" und von den Preußen geduldet.

Das heitere Kostümfest

Sogenannte Blaue Funken musizieren während des Rosenmontagszugs (Foto: AP)

Soldatenparodie: die "Blauen Funken"

Der Straßenkarneval entwickelte sich weiter. Er bekam mit Prinz Karneval, dem Bauern und der Jungfrau – dem Dreigestirn – neue Gesichter. Mit ihren Begleitern, der sogenannten Ehrengarde, gründete sich ein neuer Verein und auch die großen Umzüge und anderen Karnevalsvereine wurden Teil des fröhlichen, geselligen Festes.

Der offizielle Karneval wird von den Kölner Karnevalsvereinen ausgetragen. Es gibt Sitzungen, in denen sich die Karnevalsgesellschaften vor "jeckem" Publikum präsentieren - mit Tanzeinlagen, Musik und spöttischen Witzen. Zum Straßenkarneval im Frühjahr gibt es die Umzüge – weltbekannt ist der Rosenmontagszug, der von Millionen Besuchern, darunter auch vielen Touristen, besucht und im Fernsehen übertragen wird. Das ist der Karneval, den Köln gerne der Welt präsentiert.

Die andere Seite

Was Köln der Welt nicht so gerne zeigt, sind diese Bilder: Die Straßen bedeckt mit knöcheltiefem Müll, überall liegen Scherben und Erbrochenes. Urin- und Alkohollachen, wo man hinsieht. Und viele - überwiegend jugendliche - "Schnapsleichen": wie ein junges Mädchen, das bewusstlos allein gelassen mit zerrissenem Kostüm am Straßenrand liegt und kaum Lebenszeichen von sich gibt. Doch nur wenige Menschen helfen in solchen Fällen.

Ein Karnevalist ist umgekippt, neben ihm seine Freunde (Foto: dpa)

Kein seltener Anblick: Karnevalisten außer Gefecht

Massenbesäufnisse, Schlägereien und Pöbeleien. Krankenwagen im Dauereinsatz, Hundertschaften der Polizei sind unterwegs, um die Menschenmassen unter Kontrolle zu bringen. Für viele ist Karneval Spaß und ein Grund, sich einfach mal ein paar Tage lang richtig gehen zu lassen. Doch wer schon morgens sein erstes Bier trinkt und damit nicht aufhört, bis der nächste Morgen kommt, dem wird der Spaß schnell vergehen. Denn Alkoholvergiftungen sind in der "fünften Jahreszeit" ein häufiger Grund für die Einlieferung ins örtliche Krankenhaus.

Kölsch versus Ballermann

Aber es hat sich nicht nur das Feierverhalten der Menschen während des Karnevals verändert. Ein Trend überraschte die Kölner Karnevalskultur, als Schlagersänger wie Micky Krause, Michael Wendler und Kollegen ihr musikalisches Zielgebiet ausweiteten. Früher gehörte der Schlagerpop mit sinnfreien Texten in die Strandbars deutscher Ferienhochburgen, wie beispielsweise dem berühmten "Ballermann" auf Mallorca oder in Aprés-Ski-Hütten. Doch in den letzten Jahren verbreitete sich diese Musik immer mehr auf den Straßen und in den Kneipen Kölns während des Karnevals. Musikalische Kölsche Urgesteine wie Willi Ostermann oder später die Bläck Fööss und die Höhner, werden vielerorts von "Ballermann-Hits" verdrängt. Vor allem wenn es darum geht, das jüngere Publikum anzusprechen, verzichtet man immer mehr auf traditionelle kölsche Musik.

Die Unbeugsamen

Die Kölner Altstadt (Foto: picture allaince/ dpa)

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Trotzdem gibt es noch Kneipen, die sich offiziell gegen einen "Mallorca-Karneval" ausgesprochen haben und bewusst nur originale, traditionelle Karnevalsmusik spielen. Diese Kneipen sind keinesfalls leer. Dort finden sich die Menschen, die Karneval als klassischen, kölschen Brauch feiern wollen – mit "Wein, Weib und Gesang" eben. Hier spielt die Geselligkeit und das friedliche Feiern miteinander eine große Rolle, während es auf den Straßen oftmals mittlerweile nur noch darum geht, sich so schnell wie möglich ins Koma zu saufen.

Viele Kölner sehen Karneval, ihren "Fastelovend", als etwas an, das sie verbindet. Immer noch wird an allen Ecken und Enden der Stadt geschunkelt und gesungen. Karneval ist und bleibt Teil der Kölner Kultur - trotz diverser "Entgleisungen". Autorin: Nina Fisch
Redaktion: Klaus Gehrke