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Asien

Köhler zieht positive Bilanz seines Besuchs

Sieben Tage lang hat Bundesrepräsident Horst Köhler Indien besucht und dabei auch das Gespräch mit der Bevölkerung gesucht. Vor seinem Weiterflug nach Südkorea äußerte er sich zufrieden über seine Visite.

Bundespräsident Horst Köhler unterhält sich am Samstag (06.02.2010) in Darewadi in Indien mit Dorfbewohnern (Foto: dpa)

Herzliches Willkommen für Bundespräsident Köhler in Darewadi

Im indischen Dorf Darewadi haben sich die Bewohner versammelt, um Bundespräsident Horst Köhler willkommen zu heißen. Frauen und Männer sitzen auf dem Boden unter einem festlich geschmückten Zeltdach, die Männer weiß gekleidet mit kleinen weißen Schiffchen auf dem Kopf, die Frauen in farbenprächtige, kostbare Saris gehüllt. Ein paar Kinder mit roten Schleifen im schwarzen Haar bringen dem Staatsgast ein Ständchen.

Köhler ist aus der Wirtschaftsmetropole Mumbai hierher gekommen, eine Stunde lang ist er mit dem Hubschrauber über trockenes bergiges Land geflogen. Nur die Gegend um Darewadi sieht aus der Luft wie eine grüne Oase aus. Seit Anfang der neunziger Jahre gibt es hier mit deutscher Unterstützung ein Bewässerungsprojekt, mit dem das spärliche Regenwasser aufgefangen und die Wüstenbildung gestoppt werden konnte.

Keine Berührungsängste

Bundespräsident Horst Köhler unterhält sich am Samstag (06.02.2010) in Darewadi in Indien mit Dorfbewohnern (Foto: dpa)

Persönliche Kontakte: Köhler unterhält sich in Darewadi mit Dorfbewohnern

Es ist die letzte Station seiner siebentägigen Indienreise, und Köhler nimmt sich viel Zeit, spricht mit den Menschen und stellt interessierte Fragen. Die Bauern freuen sich über die Aufmerksamkeit. Sie haben bunte kunstvolle Ornamente und Blumenmuster in den staubigen Boden gemalt, um den Gast zu ehren. Ohne jede Scheu gehen sie auf ihn zu, zeigen ihm ihre Dörfer und ihre Felder und stellen ihm Fragen.

Köhler ist beeindruckt und bewegt von der herzlichen Aufnahme. Er scheint in diesen Augenblicken ganz in seinem Element zu sein und spricht mit den Bauern ohne Berührungsängste, streichelt ihre Kinder und bewundert ihre Frauen, sucht immer wieder das Gespräch mit der Bevölkerung. "Wissen Sie, ich bin da ganz offen", bekennt er später. "Denn nur, wenn man anderen gegenüber offen ist, kann man etwas lernen." Er sei nicht gekommen, um den Menschen in Indien Lektionen zu erteilen. Vielmehr könne er von ihnen lernen.

"Der Besuch in Indien hat sich gelohnt"

In Mumbai war Köhler zuvor mit der Führung der indischen Notenbank zusammengekommen. Dort habe man ihm versichert, dass man eine breitere und gerechtere Verteilung des Wohlstands anstrebe. Das Wirtschaftswachstum müsse auch die armen Schichten der Bevölkerung erreichen. In Indien leben rund 900 Millionen Menschen von zweieinhalb Dollar pro Tag und weniger. Rund 450 Millionen gelten als extrem arm. Allein in der Metropole Mumbai hat etwa die Hälfte der circa 20 Millionen Einwohner kein Dach über dem Kopf. Riesige Slums erstrecken sich an den Bahnlinien und am Flughafen und zwischen den wohlhabenderen Vierteln.

Horst Köhler (rechts) und seine Frau (2.v.r.) nach einem Treffen mit indischen Politikern in Mumbai (Foto: AP)

Bundespräsident Köhler: 'Freundschaftliche Beziehungen' zwischen Deutschland und Indien

Die große Armut hat Köhler tief bewegt. Man könne nicht nahezu eine Milliarde Menschen dauerhaft vom Wohlstand ausschließen, sagte er und versprach, dass Deutschland Indien beim Kampf gegen die Armut helfen werde. Zum Abschluss seiner siebentägigen Indien-Reise zog das deutsche Staatsoberhaupt eine positive Bilanz. Der Besuch habe sich gelohnt, sagte er. Besonders beeindruckt habe ihn, dass Indien trotz der sozialen Unterschiede und mancher Spannungen ein demokratisch gefestigtes Land sei, in dem es sich für die deutsche Wirtschaft lohne, zu investieren.

Köhler reist weiter nach Südkorea

Am Sonntag (07.02.2010) flog Köhler dann von Mumbai aus nach Südkorea weiter. Dort wird er unter anderem mit dem südkoreanischen Präsidenten zusammenkommen und an einer Plenarsitzung der Nationalversammlung teilnehmen. Schwerpunkt sind auch in Seoul Gespräche mit Vertretern der Wirtschaft.

Südkorea sei zwar ein viel kleineres Land als Indien, sagte Köhler vor seinem Abflug. Aber es sei für Deutschland ein wichtiger Partner und Wettbewerber, ein technologisch fortschrittliches Land, das neben den großen Nationen seinen Platz behaupte. In Seoul wolle er erkunden, ob sich Südkorea für die von ihm angestrebte neue partnerschaftliche Weltordnung gewinnen lasse. Südkorea hat in diesem Jahr den Vorsitz in der G20, der Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer inne. Im Herbst soll in Seoul ein G20-Gipfel stattfinden.

Autorin: Bettina Marx, zurzeit in Indien
Redaktion: Ursula Kissel

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