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Deutschland

Käse aus der Krabbelkiste

Der lebendigste Käse der Welt. So wird die Spezialität genannt, die in Würchwitz in Sachsen-Anhalt produziert und seit kurzem auch museal aufbereitet wird: Milbenkäse. Einfach tierisch gut …

Milbenkäse (Foto: picture alliance / dpa)

Einfach lecker - oder?

Lebendig heißt der Käse deshalb, weil Millionen von Milben zur Reifung des aus Kuhmilch bestehenden Käses beitragen und ihm so einen unverwechselbaren, aber auch gewöhnungsbedürftigen Geschmack verleihen. Während viele Deutsche in Kopfkissen und Matratzen die verwandte Hausstaubmilbe bekämpfen, freut sich Käsehersteller Helmut Pöschel über die 0,3 Millimeter kleinen Tierchen.

Riechendes Denkmal

Das Milbendenkmal von Würchwitz (Foto: picture alliance / dpa)

Das riechende Denkmal von Würchwitz

Einmal pro Tag öffnet der ehemalige Biologie- und Chemielehrer die alte Munitionskiste aus dem Zweiten Weltkrieg. Darin liegen vier Zentimeter lange Käsestücke, umgeben von scheinbar braunem Staub. In Wahrheit sind es Milbenkolonien. Wer sich trotz des säuerlich-bissigen Geruches nicht abschrecken lässt, darf probieren: Butterstulle mit Milbenkäse. Der Käse helfe gegen Hausstaubmilbenallergien und fördere die Verdauungsaktivität, verspricht Pöschel. Gerade die Wirkung als Aphrodisiakum ist natürlich keineswegs bestätigt, aber gut für die Legendenbildung.

Dies hat der 60-Jährige erkannt und setzt sich deshalb seit Jahren für die Fortschreibung der bis ins Mittelalter reichenden Tradition des Würchwitzer Milbenkäses ein. Im Dorfzentrum hatte er bereits vor fünf Jahren ein 3,5 Tonnen schweres Marmordenkmal zu Ehren der lateinisch als "Tyrogliphus Casei" bezeichneten Tierchen errichten lassen. Es gilt als erstes riechende Denkmal der Welt. In einer Aushöhlung am Hinterteil der übermannshohen Skulptur steckt ein Stück des besonderen Käses, an dem Touristen gerne schnuppern und ihn des öfteren auch als Souvenir mitnehmen.

Mausoleum und Arche

Käse-Tresor mit angeblich 100-jährigem Milbenkäse (Foto: picture alliance / dpa)

Käse-Tresor mit angeblich 100-jährigem Milbenkäse

In seinem urig eingerichteten Museum mit zwei 20 Quadratmeter großen Räumen zeigt Pöschel alte Gerätschaften zur Käseherstellung, Urkunden, Poster und einen angeblich 100 Jahre alten Milbenkäse, der aus Sicherheitsgründen in einem Tresor lagert. Aber auch allerlei Kuriosa wie ein Milbenkäse-Mausoleum und Käsebier sind zu bestaunen. Es ist eine Ausstellung mit Augenzwinkern, bei der das Original Helmut Pöschel mit seinen nicht enden wollenden Anekdoten im Mittelpunkt steht.

2004 wurde der Krabbel-Käse bereits zur internationalen Raumstation ISS geschickt. Die Besatzung hat überlebt und der Raumfahrt-Käse ist im Museum zu sehen. Inzwischen wurde die Käsespezialität von der Genießervereinigung "Slow Food" in die "Arche des Geschmacks" aufgenommen, die vom Aussterben bedrohte Lebensmittel bewahren will. Jetzt sind auch das Luxuskaufhaus KaDeWe und das Restaurant Kanzlereck in Berlin auf den Geschmack gekommen und haben Interesse angemeldet.

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