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Fußball

Käpt'n Brummbär geht

Der Marathon-Mann unter den Bundesliga-Trainern nimmt seinen Hut. Thomas Schaaf ist das Lachen an der Weser gründlich vergangen, glaubt DW-Sportreporter Stefan Nestler, selbst das heimliche.

Thomas Schaaf wurde einmal gefragt, ob es im harten Geschäft Bundesliga auch etwas zu lachen gebe. "Ja, aber dann gehe ich in den Keller", antwortete Schaaf und verzog dabei keine Miene. So kannten und liebten wir ihn, den Käpt'n Brummbär von der Weser. 14 Jahre lang war Schaaf das Gesicht von Werder Bremen. Eine unglaublich lange Zeit im Durchlauf-Erhitzer Fußball-Bundesliga. Beinahe hätte er sogar Otto Rehhagel als Bremens Rekord-Dauertrainer abgelöst. Daraus wurde nichts. Schaaf nimmt seinen alten Werder-Hut und geht, vier Tage nachdem sein Team den Klassenerhalt gesichert hat.

Wie ein Ehepaar in den Flitterwochen

Häufig wurde über das Erfolgsgeheimnis des Marathon-Manns unter den Liga-Trainern gerätselt. Immer wieder gelang es Schaaf, auch ohne die ganz großen Stars Bremer Mannschaften zu formen und zusammenzuschweißen, die nicht nur national, sondern auch in Europa konkurrenzfähig waren. In Klaus Allofs als Manager hatte Schaaf mehr als ein Jahrzehnt lang einen Seelenverwandten an seiner Seite. Die beiden harmonierten so perfekt wie ein Ehepaar in den Flitterwochen. Allofs kaufte einen Spieler-Rohdiamanten, Schaaf veredelte ihn, Allofs verkaufte ihn mit Gewinn und erwarb den nächsten. Nach dem Gewinn von Meisterschaft und DFB-Pokal 2004 etablierte sich Werder als Spitzenmannschaft, fünf Spielzeiten in Serie spielte Bremen in der Champions League.

Bremen hält sich die Ohren zu. Foto: Getty Images

Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen

Sand im Getriebe

In der zweiten Jahreshälfte 2010 muss dann irgendetwas gründlich schief gelaufen sein. Sand geriet ins Bremer Getriebe, der Motor lief nicht mehr rund. Seitdem ist Werder nur noch Mittelmaß. Zweimal in drei Spielzeiten fand sich Bremen sogar im Abstiegskampf wieder. Klaus Allofs erkannte schneller die Zeichen der Zeit und machte sich Ende 2012 vom Acker. Thomas Schaaf blieb, verlor weiter - und brummte. Neu daran war, dass seinen Worten die Ironie ausging. Schaaf hatte allen Grund, den Griesgram zu geben, weil sein Team schlicht schlecht spielte. Und einen Platz zum Lachen hatte er auch nicht mehr. Der Tabellen-Keller ist humorfreie Zone.

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