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Politik

Kämpft Afrika bald ums Wasser?

Überall auf der Welt werden die Süßwasservorräte immer knapper. Afrika ist besonders stark betroffen. Könnte der Kampf ums Wasser in Zukunft gar zum Kriegsgrund werden? Andreas Mehler relativiert die Sorge.

Foto Maja Dreyer

Die Suche nach Weideland wird oft zum Problem

Andreas Mehler ist Direktor des Institut für Afrika-Studien in Hamburg. Die Deutsche Welle hat zum Auftakt der Weltwasserwoche (12.-18.8.) mit ihm gesprochen.

Deutsche Welle: Der ehemalige UN-Generalsekretär Boutros-Ghali warnte schon vor einigen Jahren: Künftige Kriege werden um Wasser geführt, nicht um Öl. Ist das Panikmache?

Andreas Mehler: Man kann nicht ausschließen, dass so etwas passieren wird. Der Punkt ist nur: Bisher hatten wir keine solchen Wasserkriege. Wir hatten bestimmt Konflikte, die durch Wasserknappheit verschärft wurden. Aber die Ursache für Konflikte war sie bisher nicht. Wir können aber nicht ausschließen, dass es in Zukunft so sein wird.

Wenn es in Zukunft zu Wasserkriegen käme - wie müsste dann mit solchen Konflikten umgegangen werden?

Möglichst kooperativ. Man müsste noch mal unterscheiden, welche Arten von Konflikten es gibt. Bei zwischenstaatlichen Konflikten geht es meistens darum, dass flussabwärts liegende Staaten durch das Wasserabschneiden der flussaufwärts liegenden Staaten bedroht werden. Hier geht es also eher um diplomatische Zusammenhänge. Und es geht um technische Geschichten, die man hinbekommen muss. Während es bei innerstaatlichen Konflikten wie im Darfur-Konflikt im Sudan, wo es auch um Dürrefolgen geht, um andere Regelungen geht. Da gibt es eben nur innenpolitische Möglichkeiten, um dem Herr zu werden.

Stichwort Darfur-Konflikt: inwieweit lässt sich Ihrer Meinung nach dieser Konflikt auch auf Wasserstreitigkeiten zurückführen?

Er hat damit mittelbar etwas zu tun. Aber nicht unbedingt unmittelbar. Es gibt einen Cocktail von Konfliktgründen. Auch hier spielen wiederum innere und äußere Gründe zusammen. Es sind durchaus ethnisch-religiöse Fragen, die eine gewisse Rolle spielen. Grundsätzlich der Widerspruch zwischen Nomaden und Viehzüchtern, die auch in dieser Gegend eine Rolle spielen und die dann eben verschärft werden, wenn Wasserknappheit eintritt. Das gab es über die letzten Jahrzehnte immer mal wieder. Das hat dann wiederum kleine Streitigkeiten ausgelöst, die sich auf Dauer verschärfen.

Könnten Sie da konkrete Beispiele nennen? An welche Streitigkeiten denken Sie?

Wir hatten einen Fast-Krieg, jetzt wiederum zwischenstaatlicher Natur, um Weideflächen am Senegalfluss, als der wenig Wasser trug. Das war zwischen Senegal und Mauretanien. Das sind Konstellationen, die problematisch werden, wenn wir irgendwo Weideland für Nomaden brauchen, wenn aber gleichzeitig in diesen Flusstälern auch Ackerbau betrieben wird. Das kann verschärft werden durch andere Faktoren. Es ist manchmal nicht so einfach, es auf diesen einen Faktor Wasser zurückzuführen.

Wenn es doch zu Konflikten kommen sollte: auf welcher Ebene müsste gehandelt werden? Auf lokaler, nationaler oder überstaatlicher Ebene?

Ich denke, dass es wichtig ist, dass man auf einer subregionalen Ebene - also Regionalorganisationen im afrikanischen Bereich wie ECOWAS ist oder SADEC - versucht, eine gemeinsame Lösung zu finden und eine Art von einem Schema, wie man in bester Weise damit umgeht, also "Good Practice". Im Falle der SADEC, also der Kooperationsgemeinschaft im südlichen Afrika, gibt es eine Reihe von Verträgen, die klären, wie man kooperativ mit einem knappen Gut umgehen kann. Das ist eine Antwort auf die eher zwischenstaatlichen Konfliktlagen. Man muss natürlich runtergehen auf die Ebene der Lokalität, wo sich die Konflikte auch abspielen, auch da kann das grenzüberschreitend ein Problem sein. Da muss man eben bis auf der Ebene von Dörfern und Mediationskomitees etwas tun. Das ist ein sehr vielschichtiges Problem.

Wie wird sich die Situation in den kommenden Jahren entwickeln?

Im Grunde ist es wichtig, dass man nicht nur den Konflikt sieht, sondern auch die Kooperationschancen, die es um das Gut Wasser gibt. Jeder Konflikt enthält vielleicht diese Chance auf stärkere Kooperation. Aber bei Wasser scheint es auch eine relativ technische Frage zu sein. Die kann man vielleicht leichter lösen als wenn es um Identitäten, Ethnizität. Religion oder ähnliches geht. Bei Wasser klingt es so, als könne man es technisch lösen, und das ist ein gewisser Vorteil im Vergleich zu anderen Konfliktursachen.

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