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Musik

Kämpferische Töne aus Mali

Es war ein Skandal 1989. Eine junge Sängerin aus Mali prangert furchtlos Polygamie und Beschneidung junger Mädchen an. Heute nach 20 Jahren ist Oumou Sangare ungebrochen kämpferisch.

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“Seya“ heißt das Werk, und das bedeutet in der Bambarasprache soviel wie Lebensfreude. Genau die wollte Oumou Sangare ihrem Publikum jetzt bieten, nachdem sie sie sich mit dem neuen Album sechs Jahre Zeit gelassen hatte. Doch hinter der lebensfrohen Musik steckt nach wie vor eine wichtige Botschaft. “Bei uns in der Wassoulou-Kultur diente der Gesang schon immer dazu, Nachrichten weiter zu tragen und wichtige Themen anzusprechen“, erklärt Oumou Sangare, "die Menschen hier haben also gelernt zuzuhören. Und so kann ich singen und gleichzeitig mein Publikum erziehen.“

Frauenpower à la Afrika

Oumou Sangare

Oumou Sangare möchte, das man ihr zuhört.

Die Musik, so betont die Malierin, stehe bei ihr immer nur an zweiter Stelle. Was soll man auch anderes erwarten von einer Frau, die seinerzeit in Anwesenheit des Königs von Swaziland samt seiner sieben Frauen sang: “Polygamie ist das schlimmste, was es gibt!“ Furchtlos legt Oumou Sangare den Finger auf die gesellschaftlichen Missstände und freut sich, wenn die Dinge sich ändern. In Mali habe sich in den letzten Jahren vieles zum Besseren gewandelt, findet sie, besonders im Hinblick auf die Rolle der Frau: “Gemeinsam haben wir viele Schlachten geschlagen, viele Frauen konnten mit kleinen Finanzspritzen eigene Unternehmen aufmachen, sie sind heutzutage wirklich viel stärker.“

Oumou Sangare hat ein Waisenhaus gebaut und lässt Lebensmittel an bedürftige Mütter mit Kleinkindern verteilen. Sie ist in ihrer Heimat ein Superstar zum Anfassen, ganz ohne Starallüren, denn sie hat nie ihre bescheidene Herkunft vergessen. Ohne Frage, die Sängerin verkörpert das Bild der selbstbewussten Afrikanerin, und sie freut sich, wenn das auf ihre Landsmänninnen abfärbt. Und wenn doch noch was im Argen liegt, dann singt sie eben einfach dagegen an. Sie klagt den Vater an, der seine minderjährige Tochter zwangsverheiratet und fordert Gleichberechtigung in der Ehe ein.

Wassoulou Sound mit einem Hauch weiter Welt

Energiegeladen kommen die CD “Seya“ daher, untermalt von Oumou Sangares Markenzeichen, dem funkigen Wassoulou Sound. Neu klingt das nicht unbedingt, aber auf jeden Fall mitreißend und nach Afrika mit einem Hauch weiter Welt. Da singt der Frauenchor in altbewährter Manier, die Trommeln vibrieren rhythmisch und das Balafon flüstert magische Worte. Dann mischen sich plötzlich eine schluchzende Geige, ein forderndes Schlagzeug, eine Hammondorgel oder ein elektrischer Bass ins musikalische Geschehen ein, gebändigt von Oumous alles dominierender, kraftvoller Stimme.

Rebellion zum Klang der Kamale Ngoni

Cover von Oumou Sangare, Sängerin aus Mali

Eine Hauptrolle spielt die Kamale Ngoni, die so genannte Harfe der Jugend. Sie ist eine Variante der traditionellen Ngoni, die ursprünglich nur die Jäger und Wächter spielen durften, bevor sie in den Kampf zogen. “Die Jäger waren eine eingeschworene Gemeinschaft, sie waren die Träger einer mächtigen Kultur“, erklärt Oumou Sangare. “Kein junger Mann durfte es wagen, aufzustehen und in ihrer Mitte zu tanzen. Na ja, man kennt ja die Jugend, sie muss sich austoben und bei uns gab es damals keine Discos oder ähnliches. Also haben die jungen Leute ihre eigene „Harfe der Jugend“ entwickelt, die Kamale Ngoni und jeden Tag bis in den frühen Morgen getanzt. Danach waren sie natürlich zu müde, um auf den Feldern zu arbeiten. Die Alten waren sehr erbost darüber und haben allen strikt verboten, das neue Instrument zu spielen.“

Das andere Gesicht

Heute ist die Kamale Ngoni populärer als ihr ursprüngliches Vorbild. Für Oumou Sangare ist sie auch ein Symbol für das lebensfrohe Afrika, das in den Medien viel zu kurz kommt: “In Europa hat Afrika ein sehr schlechtes Ansehen“, sagt sie. “Es stimmt schon, dass wir sehr arm sind, aber auf der anderen Seite auch unendlich reich. Afrika ist wunderschön und die Menschen sind herzlich und offen. Als Künstler kämpfen wir dafür, der Welt auch dieses Gesicht von Afrika zu zeigen.“

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