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Kultur

Kämpferische Museumschefin ausgezeichnet

Gegen alle Widerstände und mit enormen Kampfgeist gründete sie das weltweit erste Frauenmuseum. Dafür wurde die Museumschefin und Feministin Marianne Pitzen jetzt mit einem internationalen Wissenschaftspreis geehrt.

Ob schöne Bräute, stolze Kaiserinnen oder dicke Matronen – Marianne Pitzen malte schon als kleines Mädchen am liebsten Frauenfiguren. Pinsel, Farben und Papier legt sie bis heute selten aus der Hand. Und noch immer stehen die Frauen im Zentrum ihrer Kunst. Rund und fließend kommen ihre Figuren daher, und selten sind sie allein zu sehen. "Mein Thema ist die Frauengruppe, denn nur gemeinsam können wir in dieser Welt etwas erreichen und verändern."

Mit den Mitteln der Kunst wollte Marianne Pitzen den Frauen eine Stimme geben und das nicht nur in ihren eigenen Werken. 1981 gründete sie deshalb in Bonn das weltweit erste

Frauenmuseum

. Als Museumschefin hat sie seither rund 700 Ausstellungen verantwortet, die mit verschiedensten Themen aus Frauensicht die Öffentlichkeit provozierten und aufrüttelten. Dafür erhielt sie jetzt den internationalen Preis der

"Stiftung aufmüpfige Frauen"

. Die Dortmunder Stiftung zeichnet seit zehn Jahren Frauen aus Wissenschaft und Kultur aus, die in Initiativen und Institutionen weltweit für weibliche Rechte kämpfen.

Hartnäckiger Kampf um Fördergelder

"Auch wenn das Wort 'aufmüpfig' nicht unbedingt zu meinem Wortschatz gehört, es passt", meint die 66-jährige Künstlerin. "Ich gebe niemals auf, sondern suche immer neue Wege für meine Ziele." Diesen Kampfesmut und diese Hartnäckigkeit braucht Marianne Pitzen bis heute, denn das Frauenmuseum war finanziell nie gut ausgestattet und stand schon mehrfach vor dem Aus. Die Ausstellungen und die rund 30 Mitarbeiterinnen werden mit verschiedenen Projektgeldern gefördert. "Nicht jeder Antrag klappt und das ist schon anstrengend", räumt die Museumschefin ein. "Ich bin viel in politischen Gremien unterwegs, um Fördergelder zu bekommen."

Gründerin und Leiterin des Frauenmuseums in Bonn Marianne Pitzen mit einem Männerkopf aus Pappmachè (Foto: DW/Vytenė Stašaitytė)

Schlecht gelaunt gibt's bei ihr nicht: Marianne Pitzen mit einer ihrer Skulpturen

Die gute Laune hat ihr das nicht verdorben. Im Gegenteil: "Mit diesem Museum hat sich für mich ein Lebenstraum erfüllt." Aus der Ruhe lässt sich Marianne Pitzen ohnehin nicht bringen. Dafür sorge schon ihre Frisur, sagt sie lachend. Nach dem Vorbild einer keltischen Göttin hat sie ihre Haare wie eine Doppelspirale hochgesteckt. "Das ist ein Zeichen für Energie." Und für Mut. Denn egal, wo Marianne Pritzen auftaucht, sie wird erst einmal bestaunt.

"Kunst und Politik gehören zusammen"

Für sie ist ihre Frisur ein Spiel mit Symbolik, und genau dazu ermuntert sie auch die vielen Künstlerinnen, die in ihrem Museum ausstellen. Marianne Pitzen wollte ein Museum schaffen, in dem Künstlerinnen jenseits unreflektierter Klischees ihren Platz haben, experimentieren, provozieren und nachdenklich machen können. Dabei hat sie in den vergangenen drei Jahrzehnten fast jedes gesellschaftliche Thema aus Frauensicht aufgegriffen. Und viele prominente Künstlerinnen nach Bonn geholt, darunter Yoko Ono, die Witwe John Lennons. Außerdem rief sie den mit 20.000 Euro dotierten Gabriele Münter Preis ins Leben. Es ist der europaweit einzige Kunstpreis, der ausschließlich an Künstlerinnen über 40 Jahre vergeben wird.

Yoko Ono freut sich über ihre Ausstellung im Bonner Frauenmuseum (Copyright: Frauenmuseum Bonn)

Berühmte Künstlerin vor dem Frauenmuseum: Yoko Ono stellte hier 1993 aus

Ob es um Macht, Geld, Sexualität, Wissenschaft, Geschlechterrollen, Alter oder Wohnen ging – stets haben Künstlerinnen aus aller Welt dazu eigene Werke geschaffen, die um historische Rückblicke und Fakten aus der Gegenwart ergänzt wurden . "Für mich gehört Kunst zur Politik und Politik zu Kunst", betont Marianne Pitzen.

In ihren Anfängen als Museumschefin habe sie dabei vor allem Deutschland im Fokus gehabt, erzählt sie. Doch heute sei ihre Arbeit sehr viel internationaler. Über dreißig Frauenmuseen sind im Laufe der Jahre nach dem Bonner Vorbild entstanden. Ob es sich dabei um Mexiko oder Albanien, Dubai oder Teheran oder Dänemark und Schweden handelt, die Ähnlichkeiten in der Themenwahl seien größer als die Verschiedenheiten, meint Marianne Pitzen. Mit allen Museen ist sie gut vernetzt.

Alleinerziehende Mütter als globales Thema

In einer Ausstellung zeigt das Frauenmuseum Bonn Mexikanerinnen mit ihren Babys im Sitzstreik (Copyright: Frauenmuseum Bonn)

Sitzstreik alleinerziehender Mütter in Mexiko: Auch das ist Thema einer Ausstellung

"Bei unserer letzten Ausstellung über 'Single Mums' haben wir auch Beiträge aus San Francisco, Mexiko, Korea und Vietnam gehabt, wo es ebenfalls mehr alleinerziehende Mütter gibt, als man denken könnte." Ein großes Thema sei derzeit in vielen Museen die Rolle der Frauen in und nach Bürgerkriegen, insbesondere ihr Einfluss auf Friedensverhandlungen. Diesen Aspekt möchte die Museumschefin im kommenden Jahr auch in einer neuen Ausstellung in Bonn aufgreifen.

Dabei hat sie die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg im Blick. In den vielen Ausstellungen, die es in diesem Jahr zum Kriegsausbruch gab, kamen ihr die Frauen ohnehin zu kurz."Natürlich sagen alle anderen Museen, dass sie die Rolle der Frauen ebenfalls thematisieren", meint die Künstlerin. "Aber sie tun es meistens nur am Rande." Insofern denkt Marianne Pitzen auch mit 66 Jahren noch nicht ans Aufhören. "Frauen haben in Deutschland schon viel erreicht, aber es gibt trotzdem noch eine Menge zu tun", betont sie durchaus aufmüpfig.

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