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Aktuell Europa

Kämpfen doch russische Truppen auf Seiten der Separatisten in der Ostukraine?

Es mehren sich die Anzeichen, dass die Rebellen in der Ostukraine doch durch russische Soldaten unterstützt werden. Kiew protestiert. Moskau dementiert. Kanzlerin Merkel telefoniert.

Erneut hat es Berichte gegeben, nach denen Russland eine Militärkolonne in die umkämpfte Region bei Donezk in der Ostukraine geschickt hat. Insgesamt seien dort mehr als 100 Fahrzeuge unterwegs, teilte ein Armeesprecher mit.

Allerdings konnte der nationale Sicherheitsrat in Kiew diese Angaben nicht bestätigen. Die ukrainische Regierung hatte in der Vergangenheit schon häufiger von eingedrungenen Militärkonvois aus Russland gesprochen, dafür aber keine stichhaltigen Beweise vorgelegt.

Russisches Geständnis

Medienberichten zufolge haben ukrainische Sicherheitskräfte im Osten des Landes einen russischen Soldaten festgenommen, der die Lieferung von Militärgütern an die Separatisten gestanden haben soll. Der 19-Jährige gehöre zu einer Schützenbrigade des russischen Heeres, meldete die ukrainische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf den Sicherheitsdienst des Landes (SBU). Während der Befragung habe er eingeräumt, seine Einheit habe unter anderem "Grad"-Raketen und gepanzerte Fahrzeuge an die prorussischen Rebellen weitergeleitet.

Vor wenigen Tagen waren zehn russische Fallschirmspringer auf ukrainischem Gebiet gefangengenommen worden. Sie sprachen von einem Versehen. Das US-Außenministerium erklärte am Mittwoch, die jüngsten Vorfälle ließen darauf schließen, dass in den beiden Rebellenhochburgen Luhansk und Donezk offenbar eine von Russland geleitete Gegenoffensive anlaufe.

Festgenommene russische Soldaten PK in Kiew 27.08.2014

Auf ukrainischem Gebiet festgenommene russische Soldaten (27.08.2014)

Merkels Telefondiplomatie

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte in einem Telefonat mit Russlands Präsident Wladimir Putin, "die jüngsten Berichte von der Präsenz russischer Soldaten auf ukrainischem Territorium" aufzuklären. Russland habe eine "große Verantwortung für eine Deeskalation und für die Überwachung der eigenen Grenze".

Hinweise auf US-Überwachung von Merkels Handy

Bundeskanzlerin Merkel: Beide Seiten müssen einen Waffenstillstand ermöglichen

Nach Angaben des Kremls fand das Telefonat auf Initiative Berlins statt. Darin habe Präsident Putin die Kanzlerin auch über den geplanten zweiten russischen Hilfskonvoi für das Krisengebiet informiert. Ein erster Konvoi hatte in den vergangenen Wochen heftigen Streit zwischen Moskau und Kiew ausgelöst.

Zuvor hatte Merkel mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko telefoniert. Dabei appellierte sie an beide Seiten, endlich zu einem Waffenstillstand und zu einer zuverlässigen Kontrolle der Grenze zu kommen. Am Dienstag hatten Putin und Poroschenko bei einem Treffen in Minsk ihren Willen zu einer friedlichen Lösung des Konflikts bekräftigt.

Die deutsche Regierungschefin verlangte darüber hinaus von der sogenannten Kontaktgruppe aus Vertretern der Ukraine, Russlands sowie der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) stärkere Anstrengungen.

Die Kontaktgruppe müsse "ihre Bemühungen um einen Waffenstillstand und eine effektigve Grenzsicherung intensivieren, ließ Merkel in Berlin mitteilen.

Korridor zur Krim?

Laut Berichten der Nachrichtenagentur AP ist es an der südöstlichen Front im Kriegsgebiet zu einer neuen Offensive der prorussischen Separatisten gekommen. Dabei sollen die Aufständischen die ukrainische Armee überrascht und Landgewinne in Richtung Westen gemacht haben.

AP zufolge könnten die Separatisten auf diese Weise versuchen, einen Korridor von der russischen Grenze bis zur Halbinsel Krim zu schlagen. Dann hätten sie einen Transportweg an Land für Transporte jeglicher Art - und Kontrolle über das gesamte Asowsche Meer.

mak/se (dpa, afp, ap, rtr)