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Afrika

Kämpfe in Somalia weiten sich aus

Am Horn von Afrika zieht die Gefahr eines Krieges zwischen Somalia und Äthiopien auf. In die Kämpfe zwischen der somalischen Übergangsregierung und den Islamisten sind nun auch äthiopische Truppen verwickelt.

Somalische Regierungssoldaten patrouillieren in Baidoa

Somalische Regierungssoldaten patrouillieren in Baidoa

In Somalia haben die Kämpfe zwischen Islamisten und Truppen der Übergangsregierung am Freitag (22.12.2006) an Heftigkeit zugenommen. Augenzeugen am Regierungssitz Baidoa berichteten, äthiopische Panzer seien an die Front im Südwesten und Südosten der Stadt unterwegs. Ein äthiopischer Militärkonvoi soll zudem die Grenze nach Somalia überquert haben, wie ein somalischer Radiosender berichtete. Diplomaten schätzen, dass Äthiopien bereits mehrere tausend Soldaten mit Panzern und Artillerie nach Somalia geschickt hat. Es wird befürchtet, dass sich die Kämpfe auf die gesamte Region ausbreiten und das mit Äthiopien verfeindete Eritrea in den Konflikt ziehen könnten.

Die heftigen Gefechte begannen am Mittwoch, kurz vor der Ankunft des EU-Beauftragten für Nothilfe, Louis Michel, in Baidoa. Michel will bei der Entschärfung des Konflikts helfen. Er war in Baidoa mit dem somalischen Präsidenten Abdullahi Yusuf zusammengetroffen und anschließend nach Mogadischu weitergereist.

Die Islamisten kündigten nun für Samstag eine Bodenoffensive an. "Die Kämpfe wurden an beiden Fronten fortgesetzt", südlich und östlich des Sitzes der Übergangsregierung in Baidoa, sagte Informationsminister Ali Jama. Die Regierung erklärte, zu den bisher umkämpften Städten Idale und Dinsoor sei nun noch die Garnisonsstadt Daynunay hinzugekommen..

Macht der Übergangsregierung beschränkt

Die Islamisten kontrollieren die Hauptstadt Mogadischu und weite Teile Somalias. Die Macht der international anerkannten Übergangsregierung ist mittlerweile nur noch auf Baidoa beschränkt. Denn die Islamisten hatten in den vergangenen Monaten weite Teile Somalias unter ihre Kontrolle gebracht. Sie bekämpfen nicht nur die Übergangsregierung, sondern auch äthiopische Truppen, die in Somalia stationiert sind. Islamistenführer Scheich Hassan Dahir Aweys hatte ihnen am Donnerstag den Krieg erklärt, weil am Dienstag eine Rückzugsfrist an die äthiopischen Einheiten in Somalia abgelaufen war.

Menschen flüchten vor den Kämpfen

Will vermitteln: Der EU-Beauftrage für Nothilfe Louis Michel

Der EU-Beauftrage für Nothilfe Louis Michel vermittelt vor Ort

Die Auseinandersetzungen in den vergangenen Tagen hatten Hunderte von Menschen zur Flucht in das benachbarte Äthiopien getrieben. "Jeden Tag kommen 150 neue Flüchtlinge nach Addis Abeba", sagte der Chef der somalischen Gemeinschaft in Äthiopien, Mahamud Issa, am Donnerstag. Auch das UN-Flüchtlingshilfswerk registrierte eine verstärkte Ankunft von Menschen in Flüchtlingslagern, allerdings ohne exakte Zahlen zu nennen.

Friedensgespräche in Khartum von Islamisten und der Übergangsregierung unter Vermittlung der Arabischen Liga waren im November gescheitert. Die Fundamentalisten, die sich als Islamische Gerichte bezeichneten, weigerten sich weiterzuverhandeln, solange äthiopische Truppen in Somalia stationiert seien. Äthiopien hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen, aktiv in die Kämpfe in Somalia einzugreifen.

Christliches Äthiopien gegen islamistisches Somalia

Die Regierung räumte nur die Präsenz der Soldaten ein. Die Interessen Athiopiens sind jedoch eindeutig: Das überwiegend christlich geprägte Land mit einer starken ethnisch-somalischen Minderheit will eine islamistische Regierung in Somalia verhindern.

Die Islamisten warfen der Arabischen Liga und der Afrikanischen Union unterdessen vor, zu den Kämpfen in Somalia zu schweigen. "Warum ignorieren die Organisationen, was hier passiert?", fragte Islamistenführer Scheich Mohamoud Ibrahim Sulley. In Somalia herrscht seit dem Sturz von Diktator Siad Barre 1991 Bürgerkrieg. Die Übergangsregierung wurde 2004 eingesetzt. Seitdem verlor sie immer mehr Macht und Terrain an die Islamisten. (tos)

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