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Politik

Kämpfe in Mogadischu halten an

Einen Tag nach den bislang schwersten Gefechten zwischen Islamisten und regierungstreuen Truppen in Somalia verteidigten die Angreifer die Unruhen als gerechtfertigten Kampf gegen ausländische Besatzer.

Verletzter in Mogadischu wird in ein Auto transportier, Foto: AP

20 Tote und 80 Verletzte - die bisherige Bilanz der Unruhen

Aufständische hatten die Leichen von fünf Soldaten der somalischen Truppen oder deren äthiopischen Verbündeten geschändet. Ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters berichtete, zwei tote Soldaten seien an den Füßen durch die Stadt gezogen, mit Steinen beworfen und mit Füßen getreten worden. Dazu habe eine Menschenmenge "Allah ist groß" gerufen. Die Leichen seien anschließend verbrannt worden. Drei weitere Leichen wurden nach Angaben von Augenzeugen ebenso geschändet und angezündet.

Anwohner stehen vor einem brennenden Gebäude (Quelle: dpa)

Tote bei neuen Gefechten in Mogadischu

Bei den bislang schwersten Gefechten zwischen Islamisten und regierungstreuen Truppen in Somalia waren am Mittwoch mindestens 20 Menschen getötet und mehr als 80 verletzt worden. Auch am Donnerstag berichteten Augenzeugen noch, dass in der somalischen Hauptstadt das Donnern von Panzerkanonen zu hören sei.

Abzug der Truppen gefordert

Der Chef der Ende Dezember vertriebenen "Union islamischer Gerichtshöfe", der international gesuchte mutmaßliche Terrorist Hassan Dahir Aweys, verteidigte unterdessen die Angriffe in einem Rundfunkinterview mit der BBC: Somalias Bevölkerung nehme lediglich ihr Recht wahr, sich gegen Besatzertruppen zu verteidigen, sagte er und rief erneut alle ausländischen Truppen auf, Somalia umgehend zu verlassen.

Neben äthiopischen Truppen, die mit der Übergangsregierung verbündet sind, sind über 1.200 ugandische Soldaten unter Mandat der Afrikanischen Union (AU) in Mogadischu stationiert. Deren Kommandeur, General Levi Karuhanga, forderte am Donnerstag die schnelle Entsendung weiterer AU-Truppen, um der Gewalt ein Ende zu setzen. Von den geplanten 8.000 Soldaten ist bislang nur das ugandische Kontingent in Somalia eingetroffen. Für 4.000 weitere fehlt noch jede Zusage. Außer Uganda haben nur Burundi und Nigeria konkrete Pläne zur Entsendung vorgelegt.

Somalia ohne Führung

Zwei bewaffnete somalische Polizisten (Quelle: AP)

Somalische Polizisten haben die Situation nicht unter Kontrolle (Archivbild)

Somalia ist seit der Flucht des Diktators Siad Barre vor 16 Jahren ohne eine zentrale Regierung. Die "Union islamischer Gerichtshöfe" hatte Mitte vergangenen Jahres die Macht in Mogadischu übernommen, war dann aber von Truppen der international anerkannten Übergangsregierung vertrieben worden. Präsident Abdullahi Yusuf und Premier Ali Mohammed Ghedi hatten Anfang der Woche ihren Regierungssitz offiziell nach Mogadischu verlegt.

Die derzeitigen Szenen erinnern an die Ereignisse nach dem Abschuss eines US-Hubschraubers in Somalia 1993, als Aufständische tote US-Soldaten durch die Straßen der Hauptstadt zogen. Die Bilder erregten weltweite Empörung und leiteten den Abzug der Friedenstruppen von UN und USA rund zwei Jahre später ein. Der für Somalia zuständige US-Botschafter Michael Ranneberger verurteilte die erneute Schändung von Soldaten scharf und sprach von einer "abscheulichen Tat". (ina)

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