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Nahost

Kämpfe in Falludscha und Mossul

US-geführte Truppen haben die irakische Rebellenhochburg Falludscha am Montag (15.11.) erneut angegriffen. Indes befürchten Beobachter, dass die Offensive auf die irakische Stadt kein Einzelfall bleiben wird.

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Soldaten der US-Marines durchkämmen Falludscha

Am Montag (15.11.2004) gingen laut Agenturangaben erneut US-Soldaten in mehreren Angriffswellen gegen Ziele der Aufständischen in Falludscha vor. Die Stadt gilt als Hochburg des sunnitischen Widerstands im Irak und ist nach US-Militärangaben bereits weitgehend unter Kontrolle der USA.

Nach einer Woche schwerer Kämpfe in Falludscha sieht es so aus, als ob ein kurzfristiger militärischer Sieg der USA fatale langfristige Folgen im Irak haben könnte. Schon jetzt will sich von den irakischen Politikern kaum noch jemand mit Ministerpräsident Ijad Allawi und anderen Befürwortern der Falludscha-Offensive solidarisieren. Da die Wahlen näher rücken, will keiner mit der unpopulären Militärkampagne in Verbindung gebracht werden.

Durch ihre Beteiligung an der Militäroperation der Amerikaner in Falludscha sind inzwischen auch die irakischen Soldaten der Nationalgarde im Ansehen viele Iraker gesunken. Das Schimpfwort "Hunde der Besatzer", mit dem die Aufständischen die irakischen Sicherheitskräfte betiteln, nehmen inzwischen auch Iraker in den Mund, die im Aufbau einer neuen irakischen Armee bisher eine Chance für die Befriedung des Landes sahen.

Auf Distanz zu Allawi

Irak: Allaui, Porträt

Ministerpräsident Ijad Allawi findet kaum noch Unterstützung durch irakische Politiker

Die von vielen gemäßigten Sunniten unterstützte Islamische Partei hat der Übergangsregierung mit Beginn der Falludscha-Offensive den Rücken gekehrt. Selbst die drittgrößte Kurdenpartei, die Islamische Kurdische Union (KIU), deren Anhänger bisher nicht mit den Aufständischen sympathisiert haben, distanziert sich nun von Allawi.

Gleichzeitig ist überall die bange Frage zu hören: "Wo wird das nächste Falludscha sein, in Mossul, in Bakuba oder in den sunnitischen Kleinstädten südlich von Bagdad?" Denn erstens haben die Berichte über die schreckliche Lage der verbliebenen Einwohner von Falludscha dem Feuer der Rebellion andernorts im Irak neue Nahrung gegeben. Zweitens schließt auch die US-Armee nicht aus, dass einige Aufständische und arabische Extremisten aus Falludscha Unterschlupf in einer anderen Stadt des so genannten sunnitischen Dreiecks gefunden haben.

An neuen Kriegsschauplätzen mangelt es also nicht. Einer davon ist mit Sicherheit das von den Einheimischen "Todesdreieck" genannte Gebiet am mittleren Euphrat, in dem inzwischen auch britische Soldaten stationiert sind. Denn die Lage in diesen südlich von Bagdad gelegenen Ortschaften am Fluss Euphrat scheint mittlerweile so außer Kontrolle geraten zu sein, dass es nicht nur für US-Soldaten und andere Ausländer, sondern auch für Iraker gefährlich ist, von der Hauptstadt durch diese Region in die schiitischen Städte des Zentralirak zu fahren.

Gefährliche Bestattung

Nach Informationen des arabischen Internet-Magazins "Elaph.com" sollen sunnitische Extremistengruppen in Latifija, Mahmudija und anderen Kleinstädten nicht nur gezielt Jagd auf Polizisten und Regierungsvertreter machen. Selbst schiitische Familien, die ihre Toten von Bagdad zum großen Friedhof nach Nadschaf bringen wollten, müssten dort inzwischen um ihr Leben fürchten. Einige Schiiten seien deshalb inzwischen dazu übergegangen, ihre Verwandten vorübergehend auf anderen Friedhöfen beizusetzen, um sie umzubetten, wenn das eintritt, worauf die Mehrheit der Iraker sehnsüchtig wartet: bessere Zeiten.

In den Straßen der nordirakischen Stadt Mossul haben sich US-Soldaten und Aufständische ebenfalls am Montag (15.11.04) Gefechte geliefert. Während der wochenlangen US-geführten Offensive auf die Rebellenhochburg Falludscha war es in Mossul zuletzt vermehrt zu Gewaltausbrüchen gekommen. Vor allem in westlichen und südwestlichen Bezirken der nördlich von Bagdad gelegenen drittgrößten Stadt des Irak gab es am Montag nach Angaben des US-Militärs vereinzelte Kämpfe. (iu)

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