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Nahost

Kämpfe im Libanon eskalieren weiter

Die Kämpfe im Norden des Libanons sind am dritten Tag in Folge weiter eskaliert. Eine zwischenzeitlich ausgerufene Waffenruhe wurde von Armee und Islamisten sofort gebrochen.

Libanesische Soldaten vor dem Eingang des Camps, Quelle: AP

Libanesische Soldaten vor dem Flüchtlingslager Nahr al-Bared

Beerdigung des am Sonntag getöteten libanesischen Soldaten Roy daher Abu Ghazeleh, Quelle: AP

Beerdigung des am Sonntag getöteten libanesischen Soldaten Roy daher Abu Ghazeleh

Ungeachtet der Not der Bewohner hat die libanesische Armee ihre Angriffe auf das Palästinenserlager Nahr al-Bared den dritten Tag in Folge fortgesetzt, um die Extremisten-Miliz Fatah al-Islam zu vertreiben. Eine von den Islamisten verkündete Waffenruhe hielt am Dienstag (22.5.) nur etwa eine Stunde, dann bestimmten wieder Artillerie- und Maschinengewehrfeuer die Lage im Umkreis des palästinensischen Flüchtlingslagers Nahr al-Bared. Die libanesische Regierung gab den Streitkräften freie Hand im Kampf gegen die Miliz Fatah Islam. Deren Kämpfer drohten mit einem Bürgerkrieg im ganzen Land, falls die militärische Belagerung nicht eingestellt werde.

Dialog gefordert

EU-Außenkommissar Javier Solana forderte am Dienstag ein sofortiges Ende der Gewalt "auf allen Schauplätzen". "Wir brauchen einen politischen Dialog zur Lösung der Krise", sagte er nach Gesprächen mit libanesischen Politikern - sowohl der prowestlichen Regierung als auch der pro-syrischen Opposition - in Beirut. Er bot dabei die Hilfe der EU nach einem Ende des Blutvergießens an, um im Land eine politische Perspektive zu schaffen.

Nach Angaben von Sicherheitskräften und palästinensischen Organisationen starben durch die Kämpfe rund um das Lager seit Sonntag 30 libanesische Soldaten, 20 Milizionäre der Fatah al-Islam, ein libanesischer Zivilist sowie mindestens 17 palästinensische Zivilisten. Die genaue Zahl der Opfer ist jedoch unklar, da die Armee die Eingänge zu dem Lager abgesperrt hat.

Hartes Vorgehen

Das libanesische Kabinett entschloss sich zu einem harten Vorgehen gegen die Miliz, der Verbindungen zur Terrororganisation Al Kaida nachgesagt werden. Man müsse "das terroristische Phänomen beenden, das den Werten und der Natur des palästinensischen Volkes fremd ist", sagte Informationsminister Ghasi Aridi nach einer Krisensitzung am Montagabend. Derweil gingen die heftigen Gefechte unvermindert weiter.

Demonstration in im Flüchtlingslager Ein el-Hilweh, Quelle: AP

Demonstration in im Flüchtlingslager Ein el-Hilweh

Unterdessen erreichte ein Hilfskonvoi der UNO hat am Dienstag das umkämpfte Flüchtlingslager. Dem UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) sei es gelungen, vier Lastwagen mit Lebensmitteln, Medikamenten und Stromgeneratoren in das Lager zu bringen, teilte ein UNRWA-Sprecher mit. Dem Hilfswerk war es zunächst nicht gelungen, Vorsorgungsgüter in das Lager zu transportieren. Am Nachmittag war ein Konvoi am Eingang des Lagers von Querschlägern getroffen worden. Einem UNRWA-Sprecher zufolge wurde dabei mindestens ein Mensch verletzt.

Hilfsappelle an die Außenwelt

Die Armee hatte in der Nacht eine Waffenruhe angeboten, falls die Extremisten ihre Angriffe auf die Soldaten einstellten. Am Dienstagmittag kündigte auch Abu Selim, ein Sprecher von Fatah al-Islam, eine Feuerpause ab 14.30 Uhr Ortszeit an, "um die Evakuierung der Verwundeten und die Versorgung mit Hilfsgütern zu erlauben". Die Waffen schwiegen jedoch nach Angaben palästinensischer Flüchtlinge vor Ort nur für 40 Minuten. Wer zuerst wieder schoss, blieb unklar.

Bewohner des Lagers richteten über das Fernsehen Hilfsappelle an die Außenwelt. Sie erklärten, die Verletzten würden nicht versorgt. Die Menschen hätten kaum noch Nahrung und Wasser, sagten sie. Der palästinensische Informationsminister Mustafa Barguti sagte in Ramallah, seine Regierung wolle sich nicht in innerlibanesische Angelegenheiten einmischen. Die Zivilisten in den Lagern müssten jedoch geschützt werden. In mehreren palästinensischen Lagern im Libanon kam es am Dienstag zu Protesten gegen die Armee. In Nahr al-Bared leben mehr als 30.000 von den Vereinten Nationen registrierte palästinensische Flüchtlinge. (stu)

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