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Aktuell Europa

Kämpfe behindern Zugang zur Absturzstelle von MH17

Rückschlag für die Untersuchung am Absturzort von MH17: Nach einer Vereinbarung mit den prorussischen Separatisten, Experten an die Unglücksstelle zu lassen, brachen dort heftige Kämpfe aus. Der Besuch wurde abgesagt.

Malaysia hatte den prorussischen Separatisten in der Ukraine eine Vereinbarung über die Entsendung von ausländischen Polizisten in das Gebiet des Flugzeugabsturzes im umkämpften Osten der Ukraine abgerungen. Dadurch sollte den Ermittlern eine sichere Arbeit bei der Untersuchung der Absturzursache ermöglicht werden, wie der malaysische Regierungschef Najib Razak erklärte. Die Vereinbarung mit Rebellenchef Alexander Borodai gewährleiste den Schutz der Experten.

Doch am Sonntag brachen dort heftige Panzergefechte aus. Die ukrainische Armee versuchte nach Angaben aus Kiew, die Absturzstelle der malaysischen Boeing 777-200 bei Grabowo von den Aufständischen zu erobern. Der Besuch des Expertenteams wurde daraufhin aus Sicherheitsgründen gestrichen. "Wegen Kämpfen in dem Gebiet ist die Lage vorläufig zu instabil, um sicher an der Absturzstelle zu arbeiten", teilte die niederländische Regierung in Den Haag mit.

Auch in anderen Städten der Region wird gekämpft. In der Stadt Gorliwka wurden nach Behördenangaben 13 Menschen getötet, darunter zwei Kleinkinder. Ein ukrainischer Militärsprecher hatte zuvor berichtet, die prorussischen Separatisten würden Wohnviertel in der 250.000-Einwohner-Stadt mit Raketenwerfern vom Typ Grad beschießen.

Niederlande: Keine bewaffnete Schutztruppe in die Ostukraine

Vertreter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatten mit prorussischen Rebellen über die Sicherheit der Gerichtsmediziner verhandelt. Den Haag will aber keine bewaffnete Schutztruppe zur Absturzstelle von Flug MH17 schicken, wie der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte am Sonntag nach einer Dringlichkeitssitzung seines Kabinetts sagte. Auch ein begrenzter militärischer Einsatz mit dem Ziel, die Bergungsarbeiten an der Absturzstelle zu ermöglichen, könne zu einer Eskalation führen, betonte der Ministerpräsident.

Die Untersuchung der Absturzursache wird von den Niederlanden geleitet, da 193 der 298 Opfer Niederländer waren. Die Regierung in Den Haag rechnet damit, dass sich an der Absturzstelle noch weitere Opfer befinden. Ein Team von 30 niederländischen Spezialisten soll versuchen, die Leichen im Katastrophengebiet zu bergen. Nach Absage des Besuchs sollen sich die Experten nun in Donezk befinden - zusammen mit Vertretern der OSZE, Australiens und Malaysias.

Australien beteiligt sich ebenfalls an der Untersuchung. Regierungschef Tony Abbott betonte, es handele sich um eine humanitäre Mission. Ihr einziges Ziel sei es, "unsere Toten zu bergen und nach Hause zu bringen". Aus Australien stammten 28 Opfer.

"Spiegel": Berlin will Polizeimission der UN

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet unter Berufung auf deutsche Regierungskreise, das Auswärtige Amt strebe eine zeitlich und inhaltlich begrenzte Polizeimission der Vereinten Nationen zur Aufklärung des Absturzes an.

Das Ministerium sei dazu im Gespräch mit den Niederlanden und Australien. Für eine derartige Mission sei allerdings ein Beschluss des UN-Sicherheitsrats notwendig. Russland verfügt in dem Gremium über ein Vetorecht.

Erstes Opfer identifiziert

Unterdessen wurde in den Niederlanden das erste der 298 Opfer identifiziert. Wie niederländische Medien unter Berufung auf die Regierung berichteten, handelt es sich um einen Niederländer. Angaben zu Person und Geschlecht wurden nicht gemacht. Die Angehörigen und der Bürgermeister der Heimatgemeinde seien informiert worden.

Nachdem 227 Leichen zur Identifizierung in die Niederlande überführt wurden, haben mehr als 200 Experten in Hilversum ihre Arbeit begonnen. In einer Kaserne untersuchen sie die menschlichen Überreste. Um wie viele der 298 Opfer es dabei geht, ist nicht klar. Erst beim Öffnen der Leichensäcke werden Gerichtsmediziner das feststellen können.

Erstmals seit dem Absturz gelangten Angehörige eines der Opfer an die Unglücksstelle. Jerzy Dyczynski und Angela Rudhart-Dyczynski aus Australien legten dort Blumen nieder. Ihre 25-jährige Tochter Fatima, die in den Niederlanden Luftfahrttechnik studierte, kam bei dem mutmaßlichen Abschuss der Boeing ums Leben. Die Maschine der Malaysia Airlines war am 17. Juli auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur abgestürzt.

pg/wl/kis (dpa, rtr, afp)