1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wissen & Umwelt

Juwelwespe hält sich Kakerlaken-Sklaven

Für die Versorgung ihres Nachwuchs hat die Juwelwespe einen besonders raffinierten Trick: Sie hinterlässt ihren Larven eine Kakerlake als lebendiges Fresspaket. Diese kann sich nicht dagegen wehren.

Die Juwelwespe (Ampulex compressa) ist eine parasitär lebende Grabwespe aus der Familie der Ampulicidae. Sie kommt in den tropischen Gebieten Indiens, Afrikas und des pazifischen Raums vor. (Foto: Muhammad Mahdi Karim)

Schön, aber gefährlich - zumindest für Kakerlaken: die Juwelwespe

Die Juwelwespe lähmt zunächst die Kakerlake mit einem Nervengift. Dann folgt ein zweiter fataler Angriff: Mit chirurgischer Präzision lenkt die Wespe ihren Stachel durch den Chitinpanzer der Beute direkt in das Gehirn. Der Fluchtreflex der Kakerlake wird ausgeschaltet - sie kann nicht mehr entkommen.

Vollständig gelähmt ist das Schaben-Opfer aber nicht. Es fängt an, sich wie wild zu putzen und über die Fühler zu streichen. "Die Wespe ergreift daraufhin einen Fühler der Kakerlake und führt sie wie einen Hund an der Leine in ihr Nest", erklärt der israelische Neurobiologe Frederic Libersat. Im Nest klebt sie ihr ein Ei an den Unterleib, aus dem nach drei Tagen eine Larve schlüpft. Die Larve ernährt sich zunächst von den Körpersäften der Kakerlake, um sich schließlich in deren Leib hineinzubohren und sie von innen aufzufressen. Dann verpuppt sie sich und schlüpft nach vier Wochen als ausgewachsenes Insekt aus der toten Schabe.

Libersat konnte aufklären, welche neurologischen Prozesse sich die Wespe zunutze macht. Offenbar hemmt das Wespengift einen Botenstoff im Kakerlakenhirn, der bei wirbellosen Tieren komplexes Verhalten wie Flucht oder Kampf steuert. Außerdem macht der Stoff die Muskelzellen leichter erregbar. Verstummt dieses Signal, kann sich die Kakerlake nicht mehr gegen die angreifende Wespe wehren. Die Juwelwespe kommt vor allem in den tropischen Gebieten Indiens und Afrikas vor.

Autor: Jan Bruck (mit dpa)
Redaktion: Judith Hartl