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Champions League

Juventus: Comeback der alten Dame

Am Mittwoch spielt Champions-League-Titelverteidiger Real Madrid gegen Atletico, aber der Geheimfavorit kommt aus Italien. Nach dem Sieg gegen AS Monaco im Viertelfinal-Hinspiel träumt Juventus wieder vom Titel.

Arturo Vidal bejubelt seinen Treffer im Hinspiel gegen den AS Monaco. Foto: Reuters

Arturo Vidal (r.) bejubelt seinen Treffer im Hinspiel gegen den AS Monaco

Fast 20 Jahre sind seit dem letzten Champions-League-Titel von Juventus Turin vergangen. In dieser Zeit ist in dem Verein mit den berühmten schwarz-weißen Trikots eine Menge passiert. Jetzt scheint die Mannschaft unter Trainer Massimiliano Allegri wieder das Zeug für das Finale des Wettbewerbs zu haben. Und die Begeisterung und die Erwartungen der Fans sind riesig.

"Das Team ist reif, das Finale zu erreichen," sagte Arturo Vidal der italienischen Sportzeitung "Gazzetta dello Sport" schon vor dem Hinspiel gegen den AS Monaco, in dem er das Siegtor zum 1:0 geschossen hatte. "Die Champions League ist ein schwerer Wettbewerb, aber wir gehören schon zu den besten Fußball-Mannschaften."

Das war in der Vergangenheit zweifellos der Fall. Juventus Turin hat bisher zweimal den wichtigsten Vereinstitel in Europa gewonnen. Der Architekt des ersten Erfolgs im Jahr 1985 - damals noch im Europapokal der Landesmeister - hieß Giovanni Trapattoni. Unter ihm als Trainer wurde Juventus sechsmal italienischer Meister und gewann nicht nur den Landesmeistertitel, sondern auch jene im UEFA-Pokal (1977) und im Europapokal der Pokalsieger (1984). Der größte Erfolg wurde jedoch durch die Tragödie von Heysel überschattet: Am 29. Mai 1985 starben vor dem Beginn des Endspiels gegen den FC Liverpool in Brüssel 39 Menschen in einer Massenpanik, nachdem englische Hooligans versucht hatten, einen Block von Juve-Fans zu stürmen. Das Spiel wurde trotz des Zwischenfalls mit anderthalbstündiger Verspätung angepfiffen, Turin gewann 1:0.

Höhen und Tiefen

Elf Jahre später holte Trainer Marcello Lippi mit dem Club den zweiten Pokal der Landesmeister: Im Finale des Wettbewerbs, der jetzt Champions League hieß, gewann Juve am 22. Mai 1996 in Rom gegen Titelverteidiger Ajax Amsterdam mit 5:3 nach Elfmeterschießen. Auch 1997 und 98 stand Juventus in den Finals, verlor jedoch erst gegen Borussia Dortmund (1:3) und dann auch gegen Real Madrid (0:1).

Gianluca Vialli feiert 1996 mit seinen Teamkollegen den Sieg in der Champions League. Foto: Imago/Colorsport

Gianluca Vialli (r.) feiert 1996 mit seinen Teamkollegen den Sieg in der Champions League

Es folgte eine neuerliche Tragödie, diesmal jedoch eine sportliche. Im Jahr 2006 erkannte der italienische Fußballverband dem Verein die Meistertitel der Spielzeiten 2004/05 und 2005/06 ab. Der Vorwurf: "strukturierter Sportbetrug". Führungskräfte des Vereins hatten Spiele manipuliert. Außerdem wurde Juve dazu verurteilt, die Saison 2006/07 in der Serie B zu spielen und mit 30 Minuspunkten zu starten.

Der Verein kämpfte sich zurück. In der Saison 2012/13 spielte Juve wieder ein Champions-League-Viertelfinale, schied aber gegen Bayern München aus, den späteren Titelträger. Dann kam Trainer Antonio Conte und mit ihm die Spieler Arturo Vidal und Andrea Pirlo, und die Mannschaft gewann dreimal hintereinander die italienische Meisterschaft.

Bei der Ankunft des aktuellen Trainers Massimiliano Allegri im Juli 2014 wurde sofort klar, dass das neue Ziel Champions League hieße. Bei seiner ersten Pressekonferenz als Juventus-Trainer sagte Allegri: "Juventus hat in Italien dominiert, und jetzt müssen wir uns in Europa verbessern."

Großartige Saison

Turin ist in der italienischen Serie A ähnlich dominant wie der FC Bayern in der Bundesliga. Juventus führt mit einem Vorsprung von 15 Punkten und ließ bisher nur 15 Gegentreffer zu. Der vierte Titel hintereinander ist so gut wie sicher, jetzt kann sich Juve also voll auf die Champions League konzentrieren.

Im Achtelfinale

ließen die Turiner Borussia Dortmund keine Chance. Das Halbfinale ist nach dem 1:0 im

Hinspiel gegen den AS Monaco

in greifbarer Nähe, und auch der Einzug ins Endspiel in Berlin am 6. Juni erscheint machbar. Juventus kann sich auf seine gute Abwehr verlassen. Im Mittelfeld ziehen Andrea Pirlo, Claudio Marchisio und Arturo Vidal die Fäden. Und auch im Sturm sind die Italiener brandgefährlich, nicht zuletzt dank des Argentiniers Carlos Tevez.

Zudem profitiert Juventus in dieser Saison davon, dass einige große europäische Vereine schwächeln. Der FC Bayern München schlägt sich mit einer Verletzungsserie herum. Auch Titelverteidiger Real Madrid spielt nicht auf konstant hohem Niveau und muss im Rückspiel gegen Atletico auf die verletzten Karim Benzema, Gareth Bale und Luka Modric verzichten. Vielleicht ist die Zeit wirklich wieder reif für einen Champions-League-Sieger auf Italien.

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